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Österreichische Landesausstellungen

Entstehung, Funktion & regionale Bedeutung

Regina Stein

Nahezu jeder in Österreich kennt sie: Landesausstellungen. Doch weshalb und durch wen werden sie organisiert und was macht sie so besonders? Seit wann und an welchen Orten finden Landesausstellungen statt und welchen Nutzen bringen sie in der Peripherie? Auf welche Weise verändern sie Blickwinkel – und sind Landesausstellungen heute nicht eigentlich überholt?

Diesen und anderen Fragen geht die Autorin in ihrer Studie nach: Sie befragt Ausstellungskuratoren und Kulturpolitiker, Architekten und Gestalter, Denkmalpfleger und Tourismusplaner, recherchiert auf Burgen, in Museen, Archiven, Klöstern, Kirchen, Gärten, Bergwerken und Kasematten – und stößt auf ein facettenreiches und buntes Bild lebendiger regionaler Identitäten, die zusammen eines ausmachen: das Kulturland Österreich.

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F. Kritik & Reaktion

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F.1. Landesausstellungen in der Krise? – Wahrnehmung, Kritik und Strategien

1.1. Kritik an Landesausstellungen

„Was diese kulturellen Interessen bedrohte, war also nicht Auszehrung, sondern Übersättigung.“

(Terry Eagleton)1354

Ab Mitte der 1980er Jahre gerieten Landesausstellungen immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik und wurden vornehmlich aufgrund des fehlenden Reingewinns und enormer Defizite zwischen Investitionen und Einnahmen als das Verlustgeschäft schlechthin bezeichnet: Bis 1986 hatte so gut wie keine der 57 Landesausstellungen einen Gewinn abgeworfen1355; hingegen zeigten Erhebungen und Reiseanalysen, dass Kunst- und Kulturaktionen zunehmend zu Touristenmagneten wurden und maßgeblich das Image Österreichs als Kulturland bestimmten. „Gemessen an der Gesamtzahl der ausländischen Gäste bedeutet das, daß rund 7,8 Millionen Ausländer Österreich der Kultur wegen frequentieren – eine Entwicklung, die für die Alpenrepublik bares Geld bedeutet. Aber auch die Landesausstellungen in ein völlig neues Licht rücken.“1356 Es zeigte sich, dass in nahezu allen Bundesländern Einbrüche bei den Besucherzahlen zu verzeichnen waren, dieser Rückgang jedoch unterschiedlich durch die Politik und im Kulturbereich interpretiert wurde1357: Einig war man sich, dass insbesondere spröde Themen nicht genügend Zugkraft gezeigt hatten und darüber hinaus die Konkurrenz durch andere Ausstellungen und Kulturveranstaltungen immens zugenommen hatte.1358 Wurde die gegenseitige Konkurrenz der Bundesländer untereinander auch wahrgenommen, so beruhen die Absprachen und Abgrenzungen untereinander eher auf informellem Austausch – eine überregionale oder nationale planmäßige Abstimmung zwischen den Landesausstellungskoordinatoren der Bundesländer untereinander ist nicht festzustellen.1359 Die...

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