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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Umsichtig und ‚objektvoll’ konstruiert: Komplexe Welt(ab)bildung in Navid Kermanis Dein Name (Claudia Breger)

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Claudia Breger (Bloomington, USA)

Umsichtig und ‚objektvoll’ konstruiert: Komplexe Welt(ab)bildung in Navid Kermanis Dein Name

Teilweise lässt sich die Wiederkehr des Realismus im 21. Jahrhundert als Abkehr von den Ästhetiken (post-)moderner Reflexivität und Ausdruck eines neuen Interesses an Unmittelbarkeit fassen.1 Spannend aber werden die aktuellen Trends dort, wo sie den Gegensatz zwischen (Post-)Moderne und Realismus zugleich unterlaufen, indem sie ein neues Realismuskonzept entwerfen, das dessen traditionelle Begründung in Unmittelkeitspostulaten verabschiedet. Meine Erkundung dieses neuen Konzepts initiiert einen Dialog zwischen Navid Kermanis 1229-seitigem Roman Dein Name und Bruno Latours philosophischen Überlegungen zur Neubegründung realistischer Erkenntnis im Medium narrativer Vermittlung. In ihren unterschiedlichen Genres ähneln sich Latours und Kermanis Projekte ‚sozioästhetischer’ Welt(ab)bildung und fordern sich zugleich gegenseitig heraus.

Der Klappentext annonciert Kermanis Roman u. a. als „Meditation über das Heilige und die Nöte des Alltags,“ die „Geschichte Irans und der Gegenwart Europas“.2 All dies und mehr aber „verschlingt sich zu einem unerhörten Bild unserer Wirklichkeit jetzt […]” Letzteres Versprechen evoziert den Realismus literarischer Avantgarden, im deutschsprachigen Kontext insbesondere die avantgardistische Popliteratur von Rolf Dieter Brinkmann bis zu Rainald Goetz’ Abfall für alle.3 Brinkmanns Rom, Blicke wird direkt zitiert;4 letztere Assoziation bietet sich an, weil die Abfallmetapher auch bei Kermani eine wichtige Rolle spielt.5 Wie bei Brinkmann und Goetz wird bei Kermani so ein programmatischer Realismus über die Radikalisierung moderner Kontingenzästhetik begründet6: im An←111 | 112→spruch, unzensiert heterogene Erfahrung...

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