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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Neue Realismen in ‚alten‘ Geschichten? Ästhetische Verfahren zur Darstellung des Nationalsozialismus im Jugendbuch (Anne-Christine Klose)

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Anne-Christine Klose (Belval, Luxemburg)

Neue Realismen in ‚alten‘ Geschichten? Ästhetische Verfahren zur Darstellung des Nationalsozialismus im Jugendbuch

„Wie kann ein Ereignis geschildert werden, welches nicht fiktiv ist, dem aber gleichzeitig die Realität zu entfliehen versucht, da seine Wahrheit die Grenzen des Vorstellbaren unwiderruflich niederreißt?“1 Die Darstellungen des Nationalsozialismus in der Zeitgeschichtlichen Kinder- und Jugendliteratur (KJL) folgen seit den 1970er Jahren veränderten erinnerungspolitischen Strategien. Der Schwerpunkt verlagert sich nämlich von pädagogischen Intentionen hin zu einer Aufwertung literarästhetischer Verfahren; realisiert wird also eine gewisse ‚Entdidaktisierung des Erzählens‘.2 Es werden nun außergewöhnliche Perspektiven verwendet sowie Rand- und Tabuthemen durch experimentelle Verfahren erschlossen. Laut Scheiner erfolgt ein „Wechsel von einem Außenrealismus zu innerer Realistik und dem Aufgreifen von Risikothemen der Gesellschaft [, die] den Realismus und die Literarisierung der Darstellung immer weiter vorantreiben.“ Dieser Diskurswechsel ist nicht zuletzt aufgrund von Veränderungen der Holocaust-Belletristik insgesamt und ihren provozierenden Darstellungsexperimenten entstanden (cf. Kertesz: Roman eines Schicksallosen). Beispielhaft für diese Neuausrichtung sollen John Boynes Der Junge im gestreiften Pyjama und Markus Zusaks Die Bücherdiebin analysiert werden, Texte, in denen die Abwesenheit von Zeitzeugen bereits eingeschrieben ist und die daher ein aktives Erinnern einfordern.←133 | 134→

1. John Boyne: Der Junge im gestreiften Pyjama

Ein erstes Novum bei Boyne ist die kindlich-naive Perspektive, die konsequent realisiert wird. So wählt der Autor eine durch das Prinzip der Akkommodation reduzierte Sprache: Da der jugendliche Protagonist Bruno Fachbegriffe...

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