Show Less
Restricted access

Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

Show Summary Details
Restricted access

„Die Sprache als Hort der Freiheit“ – Heinrich Böll: Literarisches Werk und soziale Realität (Ralf Schnell)

Extract

Ralf Schnell (Siegen, Deutschland)

„Die Sprache als Hort der Freiheit“ – Heinrich Böll: Literarisches Werk und soziale Realität

Wer die Spannweite des Verhältnisses zwischen Literatur und Gesellschaft unter Aspekten des ‘Realismus’ ausmessen will, findet in dem kürzlich erschienenen Briefwechsel Heinrich Bölls mit Lew Kopelew eine Fülle von Daten und Fakten, Emotionen und Reflexionen, mit deren Hilfe sich eine kleine Theorie poetischer Produktivität konstruieren ließe. „Es wird hier eine regelrechte Treibjagd auf Intellektuelle veranstaltet, von der rechten Presse (die ja unser Land fast beherrscht), von Politikern der CSU und CDU“, schreibt Böll am 4.10.1977 an seinen Freund in der Sowjetunion. Und weiter: „[…] es ist eine ganz, ganz üble und keineswegs harmlose Stimmungsmache und vor allem der Springer-Presse, und ich bin, wie könnte es anders sein, mitten in den Wirbel hineingeraten.“1

Bölls Arbeit galt zu diesem Zeitpunkt dem Roman Fürsorgliche Belagerung (1979). Geschildert wird darin das Sicherungssystem, das die handelnden und einflussreichen Personen in Politik und Wirtschaft in den 1970er Jahren umgab. Im Mittelpunkt steht der erfolgreiche Zeitungsverleger Fritz Tolms, der seiner Prominenz wegen Personenschutz in Anspruch nehmen muss. Er befindet sich – wie eine Reihe anderer, mit ihm verwandtschaftlich, freundschaftlich oder beruflich verbundener Figuren auch – innerhalb eines dicht gewobenen Aufsichts- und Beobachtungsrasters, das sich in auffälliger Weise auf Unauffälligkeit trimmt, mit tiefgreifenden Wirkungen auf die Psyche, auf die personale und familiale Identität, und mit der Konsequenz einer ebenso rabiaten wie radikalen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.