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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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„Schreiben für die Nachwelt“. Eine ökologische Allegorese der Beschreibung der letzten Jahre der DDR in Wolfgang Hilbigs Roman Ich (Ralf Zschachlitz)

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Ralf Zschachlitz (Lyon, Frankreich)

„Schreiben für die Nachwelt“. Eine ökologische Allegorese der Beschreibung der letzten Jahre der DDR in Wolfgang Hilbigs Roman Ich

In Abriss der Kritik, seinen Frankfurter Poetikvorlesungen von 19951, beschäftigt sich Wolfgang Hilbig (1941–2007) mit der Frage nach der Funktion von Kritik in der Literatur. Er erklärt, dass es in der Literatur seiner Zeit nicht mehr um ästhetische Fragen, sondern um den Untergang gehe (AdK 57), eine engagierte Literatur dürfe sich nicht mehr ideologischen Fragen widmen, sie müsse aufs Ganze gehen und z. B. die Frage nach dem Klima einbeziehen. Es sei keine Anmaßung mehr, für die Nachwelt schreiben zu wollen, „anmaßend, feige und selbstmörderisch“ sei es hingegen, das nicht zu tun (AdK 58, 109).

Hilbig spricht das seiner Meinung nach große Tabu der Zeit an, wenn er fragt: „wieso verliert eigentlich kein Schriftsteller ein Wort darüber, dass die Autogesellschaft begonnen hat, uns zu verschlucken?“ (AdK 94.) Für Hilbig ist dieses Tabu eine Selbstzensur, die sich die Schriftsteller neben den erwähnten kommerziellen Erwägungen selbst auferlegen, weil sie sich nicht als Panikmacher und Weltuntergangspropheten beschimpfen und verhöhnen lassen wollen (AdK 96). Die Literatur dürfe aber keine Angst davor haben, eventuell zu scheitern (AdK 99), auch dürfe sie nicht mehr am Verdrängungsmechanismus partizipieren. Hilbig beendet deshalb seine Frankfurter Vorlesungen mit seinem eigenen ökologischen Credo:

Ist es nicht um so notwendiger, dass wir...

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