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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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„Im Grunde nichts anderes als die Materialisierung gespenstischer Erscheinungen“. Über die Fotografie in Die Ausgewanderten von W.G. Sebald (Kentaro Kawashima)

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Kentaro Kawashima (Tokyo, Japan)

„Im Grunde nichts anderes als die Materialisierung gespenstischer Erscheinungen“. Über die Fotografie in Die Ausgewanderten von W.G. Sebald

Wie in allen anderen Prosabüchern von ihm arbeitet W.G. Sebald auch in Die Ausgewanderten zahlreiche Fotos ein. In diesem 1992 erschienenen Erzählungsband erzählt Sebald von vier Auswanderern, die mehr oder weniger mit der Leidensgeschichte der Juden im 20. Jahrhundert zu tun haben. Sie geraten alle jeweils im relativ hohen Alter in so kritische Seelenzustände, dass sie sich, untröstlich, ihr Leben nehmen – ein Lebensweg, der an die Schicksale von Jean Améry und Primo Levi erinnert. Erkundigt sich der Ich-Erzähler über Lebensläufe der „Ausgewanderten“, dann geht es um eine ethisch motivierte Erinnerungsarbeit, die Widerstand leistet gegen die „Erinnerungslosigkeit der Deutschen“.1 Die Relevanz der Fotografie für die Erinnerungsarbeit liegt zwar in diesem Kontext nahe. Der Status der Fotografie ist aber bei Sebald prekär: Sie ist kein bloßes Dokument, und ihre Semantik ist nicht selten schwer zu bestimmen. Wie kann dann aber die Fotografie, wenn ihre Semantik nicht eindeutig ist, ein Gedächtnismedium sein? Es gilt, so lautet meine These, Sebalds Fotografie als „die Materialisierung gespenstischer Erscheinungen“2 zu begreifen. Dieses Zitat aus Campo Santo erläutert die unklare, vage, aber entscheidende Bedeutung der Fotografie in Die Ausgewanderten zutreffend.

Betrachtet man konkret einzelne Fotografien im Buch, dann fällt auf, dass sie keine ausreichende Repräsentation der Leidensgeschichte der fotografierten Personen sind. Ein Paradebeispiel...

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