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Akten des XIII. Internationalen Germanistenkongresses Shanghai 2015 - Germanistik zwischen Tradition und Innovation

Band 10

Series:

Jianhua Zhu, Michael Szurawitzki and Jin Zhao

Der Band dokumentiert die Sektionen aus dem Bereich Literaturwissenschaften auf dem IVG-Kongress 2015. Er beginnt mit der Sektion «Experimentelle Gegenwartsliteratur». Darauf folgt die Sektion «Neue Realismen. Formen des Realismus in der Gegenwartsliteratur», bevor die Sektion «Ökologie und Umweltwandel in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur» dokumentiert wird. Die Sektion «Entwicklungstendenzen der deutschen Literatur nach 1989/90. Neueste deutschsprachige Literatur als Speicher zeitgenössischer Identitätsmodelle» beschließt den Band.

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Tschick und Sand als komplementäre Modelle literarischer Identität im 21. Jahrhundert (Stephan Mühr)

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Stephan Mühr (Pretoria, Südafrika)

Tschick und Sand als komplementäre Modelle literarischer Identität im 21. Jahrhundert

1. Einleitung

In diesem Beitrag wird gezeigt, dass literarische Identität im 21. Jahrhundert nicht mehr persönliche Autonomie gegenüber gesellschaftlichen Normen verhandelt, sondern viel allgemeiner und spielerischer Kontingenz bearbeitet. So lässt sich nun ‚Identität‘ als Ergebnis eines wahrnehmungspsychologischen (und rezeptionsästhetischen) Prozesses verstehen, durch den die (literarische) Erfahrung von Kontingenz soweit abgebaut oder aufgebaut wird, dass ihr Bedeutung verliehen werden kann. Dies geschieht durch Bildung oder Zerstörung von Kausalketten. Eine solche ‚Kausalisierung‘ von Zufall, als auch von seinem scheinbaren Gegenteil, von Notwendigkeit, wird daher zu einem Motiv literarischer Identitätskonstruktion. Dies soll im Folgenden anhand von Herrndorfs Romanen Tschick und Sand dargestellt werden.

2. Tschick – ein postmoderner Abenteuerroman

Der Plot von Tschick folgt weitgehend dem Kontingenzschema des Abenteuerromans: Ausgangspunkt ist ein Ich-Erzähler oder als Held charakterisierter Protagonist, der aus einem Unlustgefühl1 einen „Schritt aus der gesellschaftlichen Ordnung“2 wagt, um durch „Provokationen des Zufalls“3 seine Subjektivität zu erfahren. Verläuft das Abenteuer glimpflich, so kehrt der Protagonist nach bestandenen Gefahren zurück, kann seine Erfahrungen erzählen und somit eine Aufwertung in der Gesellschaft erfahren. Exakt diese Entwicklung durchläuft die Hauptfigur in Tschick: Der Ich-Erzähler Maik Klingenberg, ein schüchterner Langeweiler, der keine Freunde hat, erlebt durch die Verbindung mit Tschick eine abenteuerliche Ausfahrt, aber vor allem auch ein „Ich-Gepr...

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