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Luther

zeitgenössisch, historisch, kontrovers

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Edited By Richard Faber and Uwe Puschner

Die Bundesrepublik Deutschland blickt seit neun Jahren auf Luther und das 500. Reformationsjubiläum. Im letzten Jahr der sogenannten Luther-Dekade erscheint dieser um Historisierung, Kontextualisierung und Entmythologisierung Luthers im Besonderen, der Reformation im Allgemeinen bemühte, interdisziplinäre und interkonfessionelle Sammelband. Er hinterfragt Personenkult und reformatorische Exklusivität. Reformation gibt es synchron wie diachron nur im Plural. Schon zeitgenössisch stehen Reformierte, Täufer und Non-Konformisten nebeneinander, gemeinsam mit Reformkatholizismus und Humanismus. Von letzterem vor allem nahmen Aufklärung, Menschenrechte und Demokratie ihren Ausgang.

Der Sammelband widmet sich zudem dem obrigkeitlichen, staatskonformen, nationalistischen und rassistischen Luthertum, u.a. den in seinem Zeichen stehenden Jubiläen zurückliegender Jahrhunderte. Die visuelle Propaganda der Reformationsepoche wird kritisch analysiert, namentlich die Cranach-Werkstatt in den Blick genommen. Auch die Bedeutung der Lutherschen Bibelübersetzung wird relativiert und dem Wittenberger Reformator überhaupt eine Anzahl anderer bedeutender Personen wie Pico della Mirandola, Erasmus, Castellio und Spee an die Seite und ihm gegenübergestellt. Problematisiert werden schließlich Luthers Radikalisierung altkirchlicher Traditionen insbesondere des Nominalismus und Augustinismus.

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Befreier, Verfechter der Denkfreiheit, Sprachschöpfer, politischer Reaktionär. Luther und das Luthertum in der Sicht Goethes, Heines und Thomas Manns (Hans-Jürgen Benedict)

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Hans-Jürgen Benedict

Befreier, Verfechter der Denkfreiheit, Sprachschöpfer, politischer Reaktionär Luther und das Luthertum in der Sicht Goethes, Heines und Thomas Manns

Abstract: The article presents the different points of view of three great German writers on Luther’s heritage. Heinrich Heine in particular demonstrates in a humoristic way Luther’s great liberating impact on German history, while one hundred years later Thomas Mann regarded the terrible Nazi outcome of this history as a consequence of Luther’s antidemocratic and reactionary attitude in which Germany’s advantages were reversed to radical badness.

1. „Mit Lust protestieren.“ Ein Luther-Vorspiel mit Goethe

Das 300jährige Reformationsjubiläum am 31.Oktober 1817 war ein Gedenken mit nationalen Tönen. So verband die deutsche Studentenschaft in ihrem „Wartburgfest“ am 18./19.Oktober 1817 die Erinnerung an die Reformation mit der Völkerschlacht bei Leipzig 1813. Auch das von Goethe veröffentlichte Festgedicht ist davon nicht ganz frei:

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