Show Less
Restricted access

Theater als Dispositiv

Dysfunktion, Fiktion und Wissen in der Ordnung der Aufführung

Series:

Edited By Lorenz Aggermann, Georg Döcker and Gerald Siegmund

Die Normen, Strategien und Regierungsformen des Theaters genauso kenntlich zu machen wie sein Ereignis, seinen Überschuss oder sein Scheitern – das ist die Herausforderung, die sich mit Michel Foucaults Dispositiv-Konzept für jede Betrachtung des Theaters stellt. Der Band «Theater als Dispositiv» versammelt Beiträge aus Philosophie, Soziologie, Theologie, Medien-, Film- und Theaterwissenschaft, die alle auf Foucault antworten, indem sie je unterschiedlich die Ordnung der Aufführung in ihrer historischen Dynamik, vor allem aber im Hinblick auf Dysfunktion, Fiktion und Wissen skizzieren. Das antike, das moderne und das zeitgenössische Theater finden darin ebenso ihren Auftritt wie die Illusion oder die Szenographie, Kleist und Kubrick, die Figur des Harlekins oder das Theater der Theorie.

Show Summary Details
Restricted access

Theater als Dispositiv der Demokratie. Foucault liest Euripides (Andreas Hetzel)

Extract

← 46 | 47 →

Andreas Hetzel

Theater als Dispositiv der Demokratie. Foucault liest Euripides

Abstract: Despite the fact that Foucault defines theatre as a heterotopia, with recourse to Lyotard, Deleuze and Rancière one may argue that the concept of dispositif may very well be used to describe the theatre. Theatre does not only exert a normative or disciplinary power but has the potential to critically transform regimes of subjectivation, of the visible and the sayable. This chapter will argue this on the basis of Foucault’s reading of Euripides’ play Ion and his notion of parrhesia in which Foucault analyses ancient Greek tragedy as a dispositif of democratisation in opposition to the religious cult.

Michel Foucault untersucht in seinen letzten, 1982/83 unter dem Titel Die Regierung des Selbst und der anderen gehaltenen Vorlesungen am College de France Formen der parrhesia, eines freimütigen Sprechens, das die sozialen und politischen Rahmenbedingungen öffentlichen Sprechens selbst zur Disposition stellt.1 Ihn interessiert dabei die begriffs- und diskursgeschichtliche Verschiebung von einer politischen parrhesia, die eng mit dem Athenischen Ideal einer radikalen Demokratie verbunden war, in der alle frei waren alles zu sagen,2 zu einer philosophischen parrhesia, einem geständigen, sich selbst offenbarenden Sprechen, dessen Subjekt sich mit und in dieser Offenbarung einer souveränen Instanz oder Wahrheit unterordnet und diese Instanz dabei in ihrer Souveränität bestätigt.

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.