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Albert Drach und die Literaturgeschichtsschreibung

Ein Diskurs über «falsche Moral» und «falsche» Literatur

Herbert Scheschy

Das Buch rückt den Erzähler Albert Drach als Essayisten in den Mittelpunkt. Drach veröffentlichte Gedichte, Dramen und vor allem erzählende Texte und blieb als Essayist bisher nahezu unbekannt. Der Autor verdeutlicht am Thema der Literaturgeschichtsschreibung den weltanschaulichen Horizont sowie Literatur- und Moralbegriff Albert Drachs. Anhand des Essays «Literaturgeschichte ohne Namen» und der Erzählung «Das Goggelbuch» präsentiert er vertiefende Erkenntnisse zum Bild der geistigen Person Drachs, die als Autor «Zynismus» und «Protokollstil» zur Anwendung brachte und lange auf diese Attribute festgelegt blieb.

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Vorwort

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Der Schriftsteller, Anwalt und Emigrant Albert Drach gehört nach wie vor zu den großen Unbekannten der deutschsprachigen Literatur. Der 1902 in Wien geborene Sohn eines Bankbeamten jüdischer Herkunft aus der Bukowina und einer Mutter, die einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie entstammte und deren Vorfahren aus Mähren gekommen waren, gehört zu den Juristen unter den Schriftstellern. Bis zu seiner Flucht vor den Nazis am 25.10.1938 lebte er als Anwalt in Mödling bei Wien. Stationen seines Exils waren Split, Triest, Paris und schließlich Südfrankreich, wo Drach im Bergdorf Valdeblore im Hinterland von Nizza den Krieg unter abenteuerlichen und aberwitzigen Umständen überlebte. Seine langsame Heimkehr nach Österreich ist exemplarisch für den Umgang der Zweiten Österreichischen Republik mit den Emigranten. Als Albert Drach 1988 der Georg Büchner-Preis zuerkannt und seine Bücher wieder aufgelegt wurden, entdeckte eine neue Generation von Lesern und Kritikern einen der radikalsten Vertreter der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Seither gibt es eine wenn auch vergleichsweise schmale, doch kontinuierliche und auf hohem Niveau stattfindende wissenschaftliche und literaturkritische Auseinandersetzung mit diesem „unbequemen“ Autor. Drachs autobiographische Bücher über die Zeit des österreichischen Austrofaschismus ab 1934, über sein Exil in Südfrankreich und über die unmittelbare Nachkriegszeit gehören zu den besten und instruktivsten Beispielen einer sogenannten Emigrationsliteratur – wobei die Gattungsbezeichnungen nicht einfach zuzuordnen sind: Die Texte werden vom Autor als „Bericht“, als „kleines“ oder „großes Protokoll“, als „Spiel“, als „Gesänge“ etc. charakterisiert.

In der Publikations- und Lebensgeschichte...

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