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Vorkoloniale Afrika-Penetrationen

Diskursive Vorstöße ins «Herz des großen Continents» in der deutschen Reiseliteratur (ca. 1850–1890)

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Florian Krobb

Die Studie untersucht, wie Reiseberichte und verwandte Publikationen diskursiv einen Sog nach Afrika erzeugten. Zentrale Verfahren sind die Inszenierung der eigenen Pionierleistung, der Rivalität mit Konkurrenten um Zugriff auf Afrika und der gegenseitigen Überbietung und Vermächtniserfüllung. Weiterhin werden thematische Bereiche – wie Sklaverei oder Despotismus in afrikanischen Gesellschaften und die Geschichtlichkeit Afrikas – behandelt, welche Begründungen bereitstellten, die das deutsche Eingreifen in afrikanische Belange nicht nur rechtfertigten, sondern angeblich erforderten. Solche Mechanismen der zunächst diskursiven Bemächtigung des Kontinents erklären, warum sich in der Beschleunigungs- und Intensivierungsphase deutscher Beschäftigung mit Afrika in den Jahrzehnten nach 1850 ein Einstellungswandel in der deutschen Öffentlichkeit vollzog, der die Inbesitznahme weiter afrikanischer Landstriche durch das Deutsche Reich 1884/85 ermöglichen half.

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Kapitel X „auf strahlenförmig den Centren […] zulaufenden Pfaden“ Von der Linie zur Fläche, vom Itinerar zum Territorium

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X„auf strahlenförmig den Centren […] zulaufenden Pfaden“Von der Linie zur Fläche, vom Itinerar zum Territorium

Im deutschen Afrika-Diskurs der 1850er bis 1880er Jahre nehmen Karten und Kartographie eine Schlüsselstellung ein. In kaum einem der in diesem Zeitraum erschienenen Veröffentlichungen, ob es sich um Berichte von Reisenden oder Nacherzählungen und Kompendien handelt, fehlt eine Kartenbeilage. Die Kartierung der bereisten Gebiete galt als Hauptaufgabe der forscherischen Anstrengungen, Kartographie als Kerndisziplin der Geographie. Unterwegs bildeten Positionsbestimmungen und ihre Einzeichnung in Routenkarten und in größere geographische Zusammenhänge einen Schwerpunkt der Beschäftigung der Reisenden und einen gewichtigen Grund für die Bewegung, denn nur so konnte das Erfassen von Räumen und das Ermessen von Entfernungen gelingen. Diese Aktivität wiederum bildete den Ausgangspunkt eines komplexen Prozesses der Wissenserhebung, -fixierung, -ordnung und -aufbereitung, dessen Ergebnis dann konsolidierte Übersichtskarten in Publikationen für ein breites Publikum sind – Atlanten und Schulbücher inbegriffen. Kartenskizzen sind Beleg für die Inanschauungnahme des bereisten und untersuchten Terrains, sie sind konkretes und ‚nützliches‘ Ergebnis der Reise und Nachweis des Geleisteten. Die visuelle Repräsentation ergänzt und vervollständigt die narrative Darstellung der berührten Gebiete oder die systematische Erfassung von Wissen (zum Beispiel in Form von Vokabularien, Tier- und Pflanzenlisten) und ihre Aufbereitung in Form von Sammlungen.

Sowohl Literatur als auch Kartographie erklären die Welt durch Repräsentation; sie liefern Entwürfe, Ausschnitte, Abstraktionen und Totalisierungen – schon deshalb müssen beide Medien in Beziehung...

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