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Politische Repräsentation und vorgestellte Gemeinschaft

Demokratisierung und Nationsbildung in Luxemburg (1789–1940)

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Michel Dormal

Anhand zahlreicher Quellen schildert der Autor die Wechselwirkung zwischen Demokratisierung und Nationsbildung in Luxemburg im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Sein Befund: Die Nation entstand nicht aus einer ursprünglichen Einheit, sondern aus dem politischen Konflikt heraus. Der lange Kampf um die politische Repräsentation schuf eine neue Vorstellung von Gemeinschaft. Worin die Identität dieser Gemeinschaft besteht, bleibt in der Demokratie aber immer umstritten. Knapp hundert Jahre nach der Einführung des allgemeinen Wahlrechts und der Volkssouveränität bietet das Buch damit zugleich die erste umfassende Geschichte der «demokratischen Revolution» in Luxemburg.

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3. Historischer Forschungsstand, Kontext und Quellen

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3.1 Stand der Literatur

Die ältere luxemburgische Geschichtsschreibung hat Nationsbildung vor allem als Problem des fragilen internationalen Statuts verstanden. Gebietsteilungen, Königshäusern, Bündnisverträgen und Diplomatie wurde entsprechend große und mitunter ermüdende Bedeutung beigemessen. Das deuten bereits die typischen Überschriften wie „Sturm um Luxemburgs Thron“ (Collart 1991) oder „Was wollte Bismarck mit der Luxemburger Affaire 1867?“ (Haag 1971) an. Nach dem inneren Verhältnis, in dem die Bürger zum Gemeinwesen und zum Staat standen, wurde, wenn überhaupt, erst in zweiter Linie gefragt. Erst in den letzten Jahren sind verstärkt Studien erschienen, die die innere Konstruktion der nationalen Gemeinschaft beleuchten wollen, so wie es auch Ziel der vorliegenden Arbeit ist.18 Eine Reihe von neueren, vorwiegend kulturgeschichtlichen Arbeiten erforschen etwa die verschiedenen Formen der literarischen, künstlerischen und medialen Konstruktion von Raum, Zeit und Sprache entlang nationaler Kategorien (Kmec und Péporté 2012; Kmec u. a. 2008; Péporté u. a. 2010; Péporté 2011; sie haben eine Vorläuferin in Watgen 1987). Diese Arbeiten können überzeugend zeigen, dass die Vorstellung einer seit dem Mittelalter durch kulturelle Besonderheiten und den Druck äußerer Fremdherrschaft zusammengeschweißten Schicksalsgemeinschaft der Luxemburger tatsächlich erst im späten 19. Jahrhundert erfunden und rückblickend auf die Geschichte projiziert wurde. Die Frage, wie und warum bestimmte Vorstellungen von Gemeinschaft, die sich in einzelnen Büchern, in der Kunst oder der Architektur nachweisen lassen, über die intellektuellen Eliten hinaus in der Praxis eine prägende Kraft...

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