Show Less
Restricted access

Politische Repräsentation und vorgestellte Gemeinschaft

Demokratisierung und Nationsbildung in Luxemburg (1789–1940)

Series:

Michel Dormal

Anhand zahlreicher Quellen schildert der Autor die Wechselwirkung zwischen Demokratisierung und Nationsbildung in Luxemburg im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Sein Befund: Die Nation entstand nicht aus einer ursprünglichen Einheit, sondern aus dem politischen Konflikt heraus. Der lange Kampf um die politische Repräsentation schuf eine neue Vorstellung von Gemeinschaft. Worin die Identität dieser Gemeinschaft besteht, bleibt in der Demokratie aber immer umstritten. Knapp hundert Jahre nach der Einführung des allgemeinen Wahlrechts und der Volkssouveränität bietet das Buch damit zugleich die erste umfassende Geschichte der «demokratischen Revolution» in Luxemburg.

Show Summary Details
Restricted access

5. Die Nationalisierung der Einheitsrepräsentation

Extract



5.1 Einleitung und Vorbemerkung zum Begriff der Souveränität

Im 18. und 19. Jahrhundert unternahmen die Verteidiger der Monarchen von Gottes Gnaden den Versuch, die monarchische Herrschaft zu retten, indem sie den Fürsten zum Repräsentanten der gesamten Staatsgewalt erklärten. Das Programm des Thomas Hobbes, das sich in England nie hatte durchsetzen können, wurde derart auf dem europäischen Kontinent zumindest mittelbar zur Grundlage des Staatsverständnisses: Der Souverän, der in der antiken und mittelalterlichen Vorstellungswelt der Kopf oder der Leiter eines stratifizierten Gebildes war, wurde zum Inhaber der Souveränität – zur Verkörperung einer einheitlichen politischen Macht und Maschinerie (Skinner 2012, 60 ff.; vgl. auch Stollberg-Rilinger 1986). Der Begriff der Souveränität, sofern damit mehr als die formale Einheit der Territorialgewalt und -verwaltung bezeichnet wird, birgt in seinem Inneren dabei ein theologisches Erbe. Hobbes (2008) nannte den Staat einen ‚sterblichen Gott‘ und Carl Schmitt hatte Recht, als er in seiner Politischen Theologie über die Souveränität schrieb: „Alle prägnanten Begriffe der modernen Staatslehre sind säkularisierte theologische Begriffe. Nicht nur ihrer historischen Entwicklung nach, weil sie aus der Theologie auf die Staatslehre übertragen wurden, indem zum Beispiel der allmächtige Gott zum omnipotenten Gesetzgeber wurde, sondern auch in ihrer systematischen Struktur“ (Schmitt 2009, 43). Das neuzeitliche Ideal der irdischen Souveränität bezieht sich auf die dem monotheistischen Gott nachgebildete Selbstherrlichkeit des Willens – darauf, alle Dinge ohne Ausnahme entscheiden zu können und in diesen Entscheidungen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.