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Politische Repräsentation und vorgestellte Gemeinschaft

Demokratisierung und Nationsbildung in Luxemburg (1789–1940)

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Michel Dormal

Anhand zahlreicher Quellen schildert der Autor die Wechselwirkung zwischen Demokratisierung und Nationsbildung in Luxemburg im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Sein Befund: Die Nation entstand nicht aus einer ursprünglichen Einheit, sondern aus dem politischen Konflikt heraus. Der lange Kampf um die politische Repräsentation schuf eine neue Vorstellung von Gemeinschaft. Worin die Identität dieser Gemeinschaft besteht, bleibt in der Demokratie aber immer umstritten. Knapp hundert Jahre nach der Einführung des allgemeinen Wahlrechts und der Volkssouveränität bietet das Buch damit zugleich die erste umfassende Geschichte der «demokratischen Revolution» in Luxemburg.

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6. Repräsentation und Politisierung sozialer Konfliktlinien

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6.1 Einleitung

In Kapitel 4 wurde der Formwandel der Repräsentation während des langen 19. Jahrhunderts nachvollzogen: von der (pseudo-)ständischen Repräsentation der Restauration über den elitären Parlamentarismus hin zum allgemeinen und gleichen Wahlrecht und dem Ideal der Nationalrepräsentation Anfang des 20. Jahrhunderts. Von den vier ‚Schwellen der Demokratisierung‘ (siehe Kapitel 2.13) wurden dabei vor allem die beiden ersten in den Blick genommen: die Schwelle der Öffentlichkeit und Kritik sowie die Schwelle der Gleichheit. In Kapitel 5 wurde der Prozess der Nationalisierung der monarchischen Einheitsrepräsentation rekonstruiert. Beide Prozesse, die Transformationen des Wahlrechts und der Einheitsrepräsentation, beeinflussten sich wechselseitig und konvergierten in einer diffusen Vorstellung von politischer Repräsentation als dem Ausdruck einer sich selbst bestimmenden Gemeinschaft gleicher Bürger und Bürgerinnen. Die innere Logik dieser Konvergenz liegt auf der Hand. Die Demokratisierung des Wahlrechts stellte nach und nach die Berechtigung eines privilegierten Zugangs zum Ort der Macht in Frage und machte Politik von einem Monopol einer vermeintlich besonders befähigten Funktionselite tendenziell zu einer Angelegenheit aller Staatsbürger. Damit wurde früher oder später auch die Frage dramatisiert, in welchem Verhältnis das staatsbürgerliche Gleichheitsprinzip zur Existenz einer übergeordneten monarchischen Souveränität stand und worin die Daseinsberechtigung der monarchischen Staatsspitze bestand. Die Monarchie wurde in der Folge dazu gedrängt, sich in Bezug auf die vorgestellte Gemeinschaft der Bürger, im Namen derer sie herausgefordert worden war, neu zu begründen und symbolisch der Nation...

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