Show Less
Restricted access

Politische Repräsentation und vorgestellte Gemeinschaft

Demokratisierung und Nationsbildung in Luxemburg (1789–1940)

Series:

Michel Dormal

Anhand zahlreicher Quellen schildert der Autor die Wechselwirkung zwischen Demokratisierung und Nationsbildung in Luxemburg im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Sein Befund: Die Nation entstand nicht aus einer ursprünglichen Einheit, sondern aus dem politischen Konflikt heraus. Der lange Kampf um die politische Repräsentation schuf eine neue Vorstellung von Gemeinschaft. Worin die Identität dieser Gemeinschaft besteht, bleibt in der Demokratie aber immer umstritten. Knapp hundert Jahre nach der Einführung des allgemeinen Wahlrechts und der Volkssouveränität bietet das Buch damit zugleich die erste umfassende Geschichte der «demokratischen Revolution» in Luxemburg.

Show Summary Details
Restricted access

7. Weimarer Debatten in Luxemburg? Krise und Resilienz der Repräsentation

Extract



7.1 Einleitung

Die politische Konstellation, deren große Linien im vorangegangenen Kapitel skizziert wurden, blieb fragil. Die Zwischenkriegszeit war in fast allen Ländern Kontinentaleuropas geprägt von einer Spannung zwischen den Institutionen der Repräsentation, dem gesellschaftlichen Konflikt sowie verschiedensten Krisendiagnosen und radikalen politischen Gegenentwürfen. Diese Erfahrung, von der Marcel Gauchet (2007, 141) schreibt, man könne sie nicht ernst genug nehmen, bewegte Ernst Fraenkel (2007, 309) einst zu der Bemerkung, die pluralistische Demokratie sei nie ganz vor „Selbstmord“ gefeit. Luxemburg bildete auch hier keine Ausnahme, sondern folgte dem europäischen Trend (vgl. auch Dormal 2012b und 2015). Die Kritik der Repräsentation und der Parteien, die Diagnose einer Krise der Demokratie und die Erzählung von einem historischen Verfall des Parlamentarismus, die in der Weimarer Republik virulent waren (z. B. Schmitt 1969; Michel 1928; Marr 1934), fielen auch in Luxemburg auf fruchtbaren Boden. Radikale Gegenentwürfe unterschiedlicher Art wurden propagiert, denen allen gemein war, dass sie die Entleerung des Ortes der Macht und die Repräsentation des Konflikts in der einen oder anderen Weise wieder aufheben wollten. Anders als die Weimarer Republik erwies sich die luxemburgische Demokratie letztlich als vergleichsweise stabil. Erst der deutsche Einmarsch 1940 und die forcierte Eingliederung in die Strukturen des nationalsozialistischen Staates suspendierten die demokratischen Institutionen. Vorangegangene Versuchungen, die Entleerung des Ortes der Macht rückgängig zu machen, konnten sich letztlich nicht durchsetzen. Wir wissen das heute, historisch war das allerdings keineswegs zwangsläufig. Die Auseinandersetzung wurde von...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.