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Das preußische Fideikommiss

Studien zu seiner nationalökonomischen Funktion im Übergang zum imperialistischen Kapitalismus

Fusao Kato

Die wirtschaftshistorische Untersuchung thematisiert mit dem preußischen Fideikommiss ein altes, traditionelles Rechtsinstitut, dessen Ursprung weit ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Dadurch wird es oftmals als ein unzeitgemäßes Phänomen behandelt, das lediglich eine reaktionäre oder rückschrittliche Rolle gespielt habe. Dieses Desinteresse gilt auch Max Weber und seiner Abhandlung zur Fideikommissfrage. Dieses Buch überprüft, ob Webers Arbeit weiterhin in der Forschung vernachlässigt werden darf. Es wirft die Frage auf, ob Weber ein rundweg negatives Urteil abgegeben hat, und weist darauf hin, dass die Besitzer der preußischen Fideikommisse nicht nur aus dem Inland kamen, sondern aus breit gestreuten Gebieten Europas. Die Analyse gilt den inter- wie transnationalen Aspekten der vielfältigen Problematik und beleuchtet die Wirklichkeit der Fideikommisse im Übergang zum imperialistischen Kapitalismus.

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I. Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Fideikommissfrage in Preußen 1871–1918

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I.   Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Fideikommissfrage in Preußen 1871–1918

Insgesamt bestanden in Preußen am Ende des Jahres 1900 1.119 Fideikommisse, deren Bestand sich auf 2.177.148,4 ha belief. Das entsprach 6,24 % der Gesamtfläche des preußischen Staates und übertraf die Gesamtfläche von Westfalen (2.020.980,2 ha) nicht unbedeutend.13 Nachdem das Verbot der Fideikommissbildung, das die Verfassung von 1850 noch enthalten hatte, bereits 1851 wieder aufgehoben worden war, hatte die Fideikommissbildung während des Zweiten Kaiserreichs erhebliche Fortschritte gemacht. Bezugnehmend auf die offiziellen Statistiken konnte Lujo Brentano darlegen, dass von den in Preußen 1907 vorhandenen 1.195 Fideikommissen nur 519 aus der Zeit vor 1850 stammten, dagegen in dem Zeitraum von 1851 bis 1907 676 neue hinzukamen, davon freilich 174 durch Umwandlung von Lehen in Fideikommisse.14

Es ist mithin bemerkenswert, dass sich die Mehrzahl der vermehrten Fideikommisse nach 1851 – um etwa drei Viertel – nicht durch Umwandlung von althergebrachten Lehen, sondern durch Neugründung gebildet hatte. Die Zahl der Neugründungen stieg 1881–1895 in allen östlichen Provinzen außer Posen und Westpreußen an. Vornehmlich in Schlesien und Brandenburg wurde in den 15 Jahren von 1881 bis 1895 mehr Boden neugebunden als in den 30 Jahren von 1851 bis 1880, in Schlesien sogar um über ein Drittel mehr. Wie Brentano für die Jahre 1896–1907 darlegte, war die fortschreitende Fideikommissbildung mit Tendenz zu weiterer Beschleunigung ← 17 | 18 → offensichtlich. Im Jahr 1914, als der...

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