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Die Zukunft der Mehrsprachigkeit im deutschen Bildungssystem: Russisch und Türkisch im Fokus

Edited By Cemal Yıldız, Nathalie Topaj, Reyhan Thomas and Insa Gülzow

Etwa die Hälfte der Menschen weltweit ist mehrsprachig und auch in Deutschland verwenden rund zwanzig Prozent der Einwohner neben Deutsch noch eine weitere Familiensprache, meist Russisch und Türkisch.

Die Tagung «Die Zukunft der Mehrsprachigkeit im deutschen Bildungssystem: Russisch und Türkisch im Fokus» hatte zum Ziel, einen Beitrag zur gegenwärtigen Forschung und Praxis des Türkischen und des Russischen im Bildungskontext zu liefern. Außerdem sollte der Austausch zwischen Experten aus der Mehrsprachigkeitsforschung, aus Bildungseinrichtungen, der Bildungspolitik und Migrantenverbänden gefördert werden. Der Tagungsband enthält Beiträge von internationalen Experten auf dem Gebiet sowie die gemeinsamen Pressemitteilungen der Veranstalter und das im Rahmen der Tagung entstandene «Berlin-Brandenburger Positionspapier zur Mehrsprachigkeit im deutschen Bildungssystem».

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Institutionelle Entwicklungen des Herkunftssprachenunterrichts in Deutschland (mit einem Seitenblick auf Österreich und die Schweiz) (Hans H. Reich)

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Hans H. Reich

Universität Koblenz-Landau

Institutionelle Entwicklungen des Herkunftssprachenunterrichts in Deutschland (mit einem Seitenblick auf Österreich und die Schweiz)

Einleitung

Das Unterrichten von Herkunftssprachen gehört zu den regelmäßigen Erscheinungen in der Geschichte der neuzeitlichen Migrationen, weltweit. Die Glaubensflüchtlinge des 17. und 18. Jahrhunderts, die Kolonisten des 18. und 19. Jahrhunderts, die Arbeitsmigranten des 19. und 20. Jahrhunderts – sie alle haben in der Emigration auch Herkunftssprachenunterricht für ihre Kinder organisiert. Den Zusammenhalt zwischen den Generationen auch durch sprachliche Kontinuität zu erhalten und dies kulturell und institutionell abzusichern ist ein allgemeinmenschliches Interesse.

Wie sich dieses Interesse historisch realisiert, hängt von den Machtverhältnissen zwischen den Zuwanderergruppen und den Staaten, in die sie eingewandert sind, ab. Die Variation reicht von staatlich eingerichteten und finanzierten Minderheitenschulen über subventionierte Privatschulen mit Herkunftssprachen als Unterrichtsmedium, über den Unterricht von Herkunftssprachen als einzelnes reguläres Fach oder als Zusatzangebot bis hin zu informellen Lernzirkeln in privater Regie. In der Geschichte des Bildungswesens in Deutschland findet man die blühenden französischen Gymnasien der Hugenotten in Preußen ebenso wie die heimlichen Polnisch-Stunden in den Werkswohnungen der Bergarbeiter im Ruhrgebiet. In der Gegenwart gibt es ganztägige bilinguale Europaschulen in staatlicher Trägerschaft, es gibt Türkisch als Abiturfach in Gesamtschulen und Gymnasien, aber auch private Kurse in Urdu oder Kosovo-Albanisch in dieser oder jener Moschee. Wie ist diese Vielfalt entstanden?

Typen des herkunftssprachlichen Unterrichts in...

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