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Die Zukunft der Mehrsprachigkeit im deutschen Bildungssystem: Russisch und Türkisch im Fokus

Edited By Cemal Yıldız, Nathalie Topaj, Reyhan Thomas and Insa Gülzow

Etwa die Hälfte der Menschen weltweit ist mehrsprachig und auch in Deutschland verwenden rund zwanzig Prozent der Einwohner neben Deutsch noch eine weitere Familiensprache, meist Russisch und Türkisch.

Die Tagung «Die Zukunft der Mehrsprachigkeit im deutschen Bildungssystem: Russisch und Türkisch im Fokus» hatte zum Ziel, einen Beitrag zur gegenwärtigen Forschung und Praxis des Türkischen und des Russischen im Bildungskontext zu liefern. Außerdem sollte der Austausch zwischen Experten aus der Mehrsprachigkeitsforschung, aus Bildungseinrichtungen, der Bildungspolitik und Migrantenverbänden gefördert werden. Der Tagungsband enthält Beiträge von internationalen Experten auf dem Gebiet sowie die gemeinsamen Pressemitteilungen der Veranstalter und das im Rahmen der Tagung entstandene «Berlin-Brandenburger Positionspapier zur Mehrsprachigkeit im deutschen Bildungssystem».

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Sprachstandstest Russisch für mehrsprachige Kinder in der Praxis (Annegret Klassert)

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Annegret Klassert

Universität Potsdam

Sprachstandstest Russisch für mehrsprachige Kinder in der Praxis

Erfassung der Herkunftssprache bilingualer Kinder

Die Erfassung der Fähigkeiten in der Erstsprache (Herkunftssprache) bilingualer Kinder ist für wissenschaftliche und bildungspolitische Zwecke, aber auch in pädagogischen und sprachtherapeutischen Kontexten relevant (Lengyel 2012). Sie ist entscheidend für die Erfassung der gesamten kommunikativen Kompetenz eines bilingualen Kindes (Grech & Dodd 2007; Grosjean 1994; Peña & Halle 2011) und kann z.B. bei der Beratung von Eltern hinsichtlich bilingualer Beschulung entscheidend sein (Gagarina 2013).

Besonders wichtig ist die Erfassung der herkunftssprachlichen Kompetenzen auch für die Diagnose von spezifischen Sprachentwicklungsstörungen (SSES). 5–8% aller Kinder, egal ob ein- oder mehrsprachig, sind von dieser Störung betroffen. Sie äußert sich in Beeinträchtigungen im Spracherwerb, die nicht auf bestimmte Ursachen in der Umgebung oder der sonstigen Entwicklung des Kindes zurückgeführt werden können. Während sich eine SSES in frühen Phasen des Spracherwerbs häufig in einer generell verzögerten Sprachentwicklung zeigt, bilden sich mit fortschreitender Sprachentwicklung individuelle Störungsprofile heraus (AWMF 2011; Siegmüller 2006).

Als sicheres Kriterium für eine SSES bei bilingualen Kindern wird angesehen, dass beide Sprachen von der Erwerbsproblematik betroffen sind (AWMF 2011; Håkansson, Salameh & Nettelbladt 2003), da es sich um eine angeborene Spracherwerbsproblematik handelt. Nur durch dieses Kriterium lassen sich SSES bei mehrsprachigen Kindern sicher von Sprachauffälligkeiten in...

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