Show Less
Restricted access

Wirklichkeit und Fremdheit in Erzähltexten des deutschen Realismus

Edited By Aihong Jiang and Uwe Japp

Die Beiträge dieses Buches untersuchen die Darstellung von «Wirklichkeit und Fremdheit» in Erzähltexten des deutschen Realismus. Im Hinblick auf diese Relation analysieren die Beiträger unter anderem Werke von Friedrich Hebbel, Gottfried Keller und Theodor Storm. Methodisch bilden die Beiträge ein weites Spektrum von hermeneutischen, sozialgeschichtlichen und narratologischen Ansätzen ab. Der Tagungsband berücksichtigt auch Ergebnisse der Alteritäts- und Genderforschung. Dieses Buch dokumentiert die Resultate einer in Beijing durchgeführten Tagung, an der chinesische und deutsche GermanistInnen beteiligt waren.

Show Summary Details
Restricted access

Vom Rand ins Zentrum. Ein Versuch über den Aufstieg des Gemeindekindes (Marie von Ebner-Eschenbach) (Yanhui Wang)

Extract

| 131 →

Yanhui Wang

Vom Rand ins Zentrum. Ein Versuch über den Aufstieg des Gemeindekindes (Marie von Ebner-Eschenbach)

Der Roman Das Gemeindekind (1887) gilt als das Hauptwerk der österreichischen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach (geb. Gräfin Dubsky, 1830–1916), die der Ansicht von Fritz Martini nach über einen Reichtum an Menschenerfahrung, an künstlerischen Erzählmitteln verfüge und einen milden Humor mit einer Güte und Menschlichkeit verbinde, die sich vor allem den Armen und Unterdrückten zuwende.1 Der Romanheld Pavel Holub, ein Gemeindekind, gehört zu diesem niederen Volk, dem in Ebners Romanwelt oft die oberen Sozialschichten wie Bauer und Adel gegenüberstehen. Freilich sei es das Ziel dieser adeligen Autorin, „überzeugend darstellen zu können, was sie allein gesehen, einen edlen Zug im Angesicht des Verworfenen, einen Blitz des Geistes im Auge des Einfältigen“.2 So stellt die Geschichte des Gemeindekindes Pavel einen typischen Fall dar, in dem der von seiner Umgebung verworfene Junge aus armer Familie durch Anstrengung und Arbeit den Aufstieg vom „Bettler“3 zum „Grundbesitzer“ (S. 261) verwirklicht hat. Und dieser Aufstieg hat in verschiedener Hinsicht räumliche Züge: Nicht nur die Tatsache, dass der Held auf der Stufenleiter der Gesellschaft emporsteigt, macht einen räumlichen Eindruck, sondern eher die räumlichen Darstellungsmittel tun es, die von der Auswahl der Schauplätze über manche feinen Interieur-Schilderungen bis hin zur leitmotivischen Gestaltung des Textes durch den Hausbau gehen. Aufgrund dieser Räumlichkeit des Romanaufbaus wird dann versucht, diese...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.