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Wirklichkeit und Fremdheit in Erzähltexten des deutschen Realismus

Edited By Aihong Jiang and Uwe Japp

Die Beiträge dieses Buches untersuchen die Darstellung von «Wirklichkeit und Fremdheit» in Erzähltexten des deutschen Realismus. Im Hinblick auf diese Relation analysieren die Beiträger unter anderem Werke von Friedrich Hebbel, Gottfried Keller und Theodor Storm. Methodisch bilden die Beiträge ein weites Spektrum von hermeneutischen, sozialgeschichtlichen und narratologischen Ansätzen ab. Der Tagungsband berücksichtigt auch Ergebnisse der Alteritäts- und Genderforschung. Dieses Buch dokumentiert die Resultate einer in Beijing durchgeführten Tagung, an der chinesische und deutsche GermanistInnen beteiligt waren.

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Vorwort

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Die Literatur des deutschsprachigen Realismus wird von der Literaturgeschichtsschreibung auf die Zeit von 1848 bis 1890 datiert.1 Gelegentlich wird der Zeitraum noch weiter gefasst.2 Inhaltlich wird in der Forschung zwischen poetischem und bürgerlichem Realismus unterschieden. Hierbei handelt es sich jedoch vorwiegend um differente Perspektivierungen derselben Sache. Letztlich exponiert der Realismus sowohl die poetische Funktion als auch die bürgerliche Emanzipation. Literaturgeschichtlich grenzt sich der Realismus am deutlichsten von dem (auf ihn folgenden) Naturalismus ab.

Der deutschsprachige Realismus intendiert die Darstellung der Wirklichkeit mit poetischen Mitteln, allerdings nicht die Wiedergabe des nur Alltäglichen oder des eminent Hässlichen. Hier besteht vielmehr eine poetologische Grenze, die erst im späten Realismus (z.B. bei Storm) tentativ überschritten wird. Das Interesse an der Darstellung des Wirklichen wird insbesondere von Fontane in immer neuen Anläufen exponiert. So konstatiert Fontane in seinem Aufsatz „Unsere lyrische und epische Poesie seit 1848“, der Realismus in der Kunst sei so alt wie die Kunst, ja er sei die Kunst.3 An anderer Stelle heißt es über den Realismus, er sei „die Widerspiegelung alles wirklichen Lebens“,4 wobei sich allerdings die Frage stellt, wie der Unterschied zwischen dem wirklichen und dem unwirklichen Leben vorzustellen ist. Überraschend hieran ist nicht die forcierte Darlegung der realistischen Intention, sondern die Überzeugung von der Möglichkeit ihrer Umsetzung. Schon die Tatsache, dass die Erzähler des Realismus auch historische Erzählungen und Romane geschrieben haben (z.B. Aquis submersus oder Grete Minde), müsste doch dazu führen,...

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