Show Less
Restricted access

Das Kieler Kunsthistorische Institut im Nationalsozialismus

Lehre und Forschung im Kontext der «deutschen Kunst»

Series:

Karen Bruhn

Die Untersuchung liefert im Rahmen der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel neue Erkenntnisse über das Kunsthistorische Institut der CAU und das Engagement seiner Ordinarien Arthur Haseloff und Richard Sedlmaier im NS-Staat. Hierfür beleuchtet die Studie nicht nur die Biographien der Akteure, sondern analysiert u.a. auch deren Lehrveranstaltungen und ihr Mitwirken in NS-spezifischen Forschungsprojekten. Diese Betrachtungen werden um die Untersuchung der wissenschaftlichen Publikationen der Akteure ergänzt, so dass ein umfassender Einblick in die Verstrickung der universalistisch und international ausgerichteten Fachdisziplin der Kunstgeschichte in die Ideologisierungsprojekte des nationalsozialistischen Regimes erfolgt.

Show Summary Details
Restricted access

3. Kunstgeschichtliche Forschungen bei Arthur Haseloff und Richard Sedlmaier

Extract

← 66 | 67 →

3.   Kunstgeschichtliche Forschungen bei Arthur Haseloff und Richard Sedlmaier

3.1   Deutsche Kunstwissenschaft des 19. Jahrhunderts bis 1933

Mit der Propagierung einer deutschen Kunst legte die nationalsozialistische Wissenschaftspolitik und die von ihr eingespannten Kunsthistoriker kein neues Konzept vor, sondern griffen auf die schon im 19. Jahrhundert begonnene Traditionslinie der Kunstgeographieforschung zurück. Diese hielten sich in dem Wissenschaftsverständnis deutscher Kunsthistoriker lange am Leben und beeinflussten auch die kunstwissenschaftlichen Diskussionen nach 1933, auch wenn Begrifflichkeiten und Grundlagen der Forschung nachhaltige Änderungen wiederfuhren.

Die kunstwissenschaftlichen Forschungen des 19. Jahrhunderts waren beherrscht von der Untersuchung der sog. nationalen bzw. Raumstile. Diese wurden unabhängig von Stil- und Epochengrenzen unter der Prämisse betrachtet, dass ein spezifisch nationaler Geist in allen Kunstwerken einer Nation vorhanden sei. Diese Forschungsrichtung war besonders im heutigen Deutschland, den Niederlanden, Belgien und den skandinavischen Ländern verbreitet.255 In Deutschland speiste sich diese Entwicklung aus dem Versuch der romantischen Bewegung heraus, das deutsche Mittelalter und damit auch deren Baustil, die Gotik, aufzuwerten.256 Hierfür bezog man sich auf Goethes Text Von deutscher Baukunst von 1773, in welchem er den Straßburger Münster und dem Genie seines Erbauers Steinbach huldigte. Goethe betonte in seiner Darstellung den Ewigkeitswert des Straßburger Münsters und setzte die vermeintlich deutsche Gotik den negativen Beispielen der italienischen und französischen Bauformen entgegen. Diese hätten ihre Meisterwerke nur alten Formen entlehnt und nachgeahmt, könnten somit auch nichts für die Ewigkeit schaffen. ← 67...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.