Show Less
Restricted access

Didaktische Analyse der Metapher

Theoretische und empirische Rekonstruktion von Verstehensanforderungen und Verstehenspotenzialen

Series:

Marie Lessing-Sattari

Diese Untersuchung verfolgt das Ziel, Metaphorik als Anlass von problementdeckenden Verstehensprozessen und als kognitiv-konstruktiven Unterrichtsgegenstand zu modellieren. Damit widerspricht sie der Tendenz unserer Unterrichtskultur, die Metapher als bloßes Stilmittel zu entproblematisieren, wodurch das metaphorische Erkenntnispotenzial im Deutschunterricht ungenutzt bleibt. Die Autorin entwickelt zunächst die metaphorische Struktur und das verstehende Subjekt getrennt voneinander. Die anschließende Lautes-Denken-Studie nimmt sodann exemplarisch die Interaktion von Struktur und Subjekt in den Blick und leitet daraus Irritation, Ähnlichkeitsdenken und Erkenntnisbildung als zentrale Verstehensanforderungen und Bildungspotenziale ab.

Show Summary Details
Restricted access

1. Einleitung

Extract

← 10 | 11 →

1.   Einleitung

Die Metapher hat einen festen Platz im Deutschunterricht. Doch was legitimiert und kennzeichnet sie eigentlich als Lerngegenstand und in welchen Lernbereichen ist sie relevant? Bedenkt man, dass Metaphorik als ein zentrales (wenn auch nicht konstitutives) Merkmal von literarischen Texten gilt, scheint die Antwort auf der Hand zu liegen. Will man Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, selbsttätig literarische Texte verstehen und nutzen zu können, müssen sie u. a. in der Lage sein, Metaphern zu verstehen. In den Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluss wird diese Fähigkeit gefasst als „wesentliche Fachbegriffe zur Erschließung von Literatur kennen und anwenden, insbesondere Erzähler, Erzählperspektive, Monolog, Dialog, sprachliche Bilder, Metapher, Reim, lyrisches Ich“ (Bildungsstandards MSA 2003, S. 14) sowie als „sprachliche Gestaltungsmittel in ihren Wirkungszusammenhängen und in ihrer historischen Bedingtheit erkennen: z. B. Wort-, Satz- und Gedankenfiguren, Bildsprache (Metaphern)“ (ebd.). Die Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluss verorten die Metapher also im Kompetenzbereich literarische Texte verstehen und nutzen und orientieren sich damit an einer langen Tradition „unterrichtlichen Brauchtums“ (Ivo 1977, S. 5), das literarische Texte und insbesondere die Lyrik als zentralen Ort der Metapher begreift (Katthage 2004, S. 118). In der Auseinandersetzung mit aktuellen Lehrwerken für den Deutschunterricht gewinnt man den Eindruck, dass sich das unterrichtliche Brauchtum nicht nur durch eine Konzentration auf lyrische Texte auszeichnet, sondern häufig durch ein entproblematisiertes Metaphernkonzept, das ebenfalls in den Bildungsstandards aufscheint: Die Metapher wird als ein Wort in...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.