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Didaktische Analyse der Metapher

Theoretische und empirische Rekonstruktion von Verstehensanforderungen und Verstehenspotenzialen

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Marie Lessing-Sattari

Diese Untersuchung verfolgt das Ziel, Metaphorik als Anlass von problementdeckenden Verstehensprozessen und als kognitiv-konstruktiven Unterrichtsgegenstand zu modellieren. Damit widerspricht sie der Tendenz unserer Unterrichtskultur, die Metapher als bloßes Stilmittel zu entproblematisieren, wodurch das metaphorische Erkenntnispotenzial im Deutschunterricht ungenutzt bleibt. Die Autorin entwickelt zunächst die metaphorische Struktur und das verstehende Subjekt getrennt voneinander. Die anschließende Lautes-Denken-Studie nimmt sodann exemplarisch die Interaktion von Struktur und Subjekt in den Blick und leitet daraus Irritation, Ähnlichkeitsdenken und Erkenntnisbildung als zentrale Verstehensanforderungen und Bildungspotenziale ab.

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3. Struktur und Beschaffenheit – Herausforderungen für das Metaphernverstehen

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3.   Struktur und Beschaffenheit – Herausforderungen für das Metaphernverstehen

„Es gehört zu den Paradoxien dieses Begriffs schon im Ansatz, dass die Metapher den Begriff ihrer selbst nicht begrifflich, sondern selbst nur metaphorisch fassen kann“ (Haverkamp 1996, S. 500). Anselm Haverkamp spielt in diesem Zitat nicht nur auf die zahlreichen metaphorischen Definitionen der Metapher an, sondern verweist auch auf ihren sprachlichen Ursprung. Wenn Aristoteles schreibt, dass „eine Metapher […] die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird) […]“ (Aristoteles 2006, S. 67) ist, handelt es sich dabei genaugenommen um eine Metapher, da „metaféro“ im Altgriechischen die konkrete Handlung des Übermittelns oder Übergebens bezeichnet. Diese Vorüberlegung illustriert die epistemische Notwendigkeit von Metaphorizität (siehe Kapitel 3.4) – auch die nachfolgenden Ausführungen werden nicht ohne Metaphorik auskommen.

Die Metapher soll im Folgenden als kognitiv-konstruktives Bedeutungsphänomen konturiert werden, dessen Struktur im Verstehensprozess mit dem Subjekt, seinen Aktivitäten und Merkmalen interagiert.44 Solche Metaphern, die im ersten Verstehensanlauf keinen Sinn ergeben, gelten in diesem Zusammenhang als paradigmatischer Fall der kognitiven Konstruktivität (Christmann/Scheele 2001, S. 263). Ihre Bedeutung ist nicht ‚gegenwärtig‘, im Sinne eines dominanten Interpretanten, sondern muss erst konstruiert werden, da sie als Unbestimmtheitsstelle in die kognitive Konstruktivität des Rezipienten bzw. der Rezipientin ausgelagert ist: „Ebenso wenig, wie man sich von der Sinnbildung als Strukturierungsgeschehen einen Begriff machen kann, ebenso wenig existiert das Subjekt außerhalb sprachlicher Strukturen“ (Zimmermann 2000, S. 27). Im aktuellen Kapitel 3 und dem nachfolgenden...

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