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Didaktische Analyse der Metapher

Theoretische und empirische Rekonstruktion von Verstehensanforderungen und Verstehenspotenzialen

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Marie Lessing-Sattari

Diese Untersuchung verfolgt das Ziel, Metaphorik als Anlass von problementdeckenden Verstehensprozessen und als kognitiv-konstruktiven Unterrichtsgegenstand zu modellieren. Damit widerspricht sie der Tendenz unserer Unterrichtskultur, die Metapher als bloßes Stilmittel zu entproblematisieren, wodurch das metaphorische Erkenntnispotenzial im Deutschunterricht ungenutzt bleibt. Die Autorin entwickelt zunächst die metaphorische Struktur und das verstehende Subjekt getrennt voneinander. Die anschließende Lautes-Denken-Studie nimmt sodann exemplarisch die Interaktion von Struktur und Subjekt in den Blick und leitet daraus Irritation, Ähnlichkeitsdenken und Erkenntnisbildung als zentrale Verstehensanforderungen und Bildungspotenziale ab.

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6. Orientierungspunkte einer kognitiv-konstruktiven Gegenstandskonstitution

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6.   Orientierungspunkte einer kognitiv-konstruktiven Gegenstandskonstitution

Das Ziel der vorliegenden Studie war, den komplexen Charakter von Metaphorik sowie die struktur- und subjektseitigen Determinanten zu erfassen und damit zusammenhängende Bildungspotenziale und Verstehensanforderungen exemplarisch zu ermitteln. In der Beobachtung, dass Metaphern das Verstehen stören und ein Problem im Verstehensprozess darstellen können, wurde ein besonderer Bildungswert vermutet, den es auszuloten galt (siehe Kapitel 1). Metaphern stellen mit ihrer impertinenten Prädikationsstruktur Konzeptualisierungsmuster in Frage und lagern ihre Bedeutung in die kognitive Konstruktivität des Rezipienten bzw. der Rezipientin aus. Motiviert wurde das Bestreben, diesbezügliche Bildungspotenziale herauszustellen, durch den Eindruck vom unterrichtlichen Umgang mit Metaphorik, der in Auseinandersetzung mit aktuellen Lehrwerksreihen für den Deutschunterricht gewonnen wurde (siehe Kapitel 2). Das in diesem Zusammenhang rekonstruierte substitutive Interpretationsparadigma versucht Gegenstand und Verstehen zu entproblematisieren, um ein methodisch praktikables Arbeiten im Unterricht zu ermöglichen. Damit hängt zudem eine vermeintliche „Erleichterung des kommunikativen Austausches [zusammen], die letzten Endes auf eine gewährleistete Kontinuität des informationellen Übertragungsprozesses hinausläuft“ (Biebuyck 1998, S. 309). Durch diese Entproblematisierung der Metapher und des Metaphernverstehens wird allerdings einem „gegenstandsferne[n] und lernerferne[n] Unterrichten“ (Bredel/Pieper 2015, S. 36) Vorschub geleistet: Entzieht man Metaphorik ihre konstitutive Impertinenz, wird damit ihr semantisch-innovatives Wirkungspotenzial restringiert. Was übrig bleibt, ist überspitzt gesagt ein Stilmittel, das in einer ritualisierten Analysepraxis des Literaturunterrichts gesucht, gefunden und in das eigentlich Gemeinte übersetzt wird. Ein derartig gegenstandsferner Unterricht entfernt sich sodann auch von den Lernenden. Analyserituale verhindern, dass...

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