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Theologie als Wissenschaft

Eine Fundamentaltheologie aus phänomenologischer Leitperspektive

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Lukas Ohly

Ob Theologie eine Wissenschaft genannt werden kann, wird verschärft durch das Aufkommen neuer theologischer Studiengänge als auch durch Sparmaßnahmen an theologischen Fakultäten in Frage gestellt. Darauf reagieren die theologischen Disziplinen mit einer Suchbewegung, die ihren theologischen Charakter zunehmend außer Acht lässt oder methodisch ungesichert herstellt.

Der vorliegende Ansatz beschreibt die Verifikation theologischer Aussagen als das Aufdecken eines Nicht-Selbstverständlichen im Selbstverständlichen: Wahrheit wird erkannt, indem sie widerfährt. Da Menschen von Gott sprechen, wenn sie den Widerfahrenscharakter von Ereignissen thematisieren, wird ein Bezug zwischen Gottesoffenbarung und Verifikation wissenschaftstheoretisch rekonstruiert.

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5 Die theologischen Einzeldisziplinen

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Wissenschaften der Gegenwart zeichnen sich durch zwei gegenläufige Trends aus, nämlich durch eine zunehmende Spezialisierung und durch die umgekehrte Entwicklung einer interdisziplinären Zusammenarbeit, die vor allem bei der Drittmitteleinwerbung Erfolg verspricht. Weil wissenschaftspolitisch Interdisziplinarität gefördert wird, entdecken verschiedene Einzeldisziplinen gemeinsame Forschungsinteressen und definieren gemeinsame Ziele. Ob damit die Spezialisierung aufgehalten oder eher sogar gesteigert wird, scheint mir dabei noch offen zu sein. Zumindest müssen interdisziplinär formulierte Forschungsziele nicht die wissenschaftliche Übersichtlichkeit fördern, sondern können die Desorientierung eher noch steigern. Denn der Kombinationsfreude von Disziplinen sind keine prinzipiellen Grenzen gesetzt. Die Frage, wie kombinierte Methoden zu einem kohärenten Ergebnis führen, wird selbst der Kombination überlassen.

Philipp Stoellger hatte vor einigen Jahren auf die Gefahr aufmerksam gemacht, dass eine wachsende Ausdifferenzierung von Teildisziplinen den Forschungsgegenstand aus dem Auge verliert.519 Er befürchtet gar eine „Enttheologisierung der Theologie durch (nicht immer) freundliche Übernahme und Übergabe an die außertheologischen Nachbarn.“520 Stoellger meint eine „Umformung der Exegese in Religionsgeschichte, wie der Systematik und Praktischen Theologie in Religionsphilosophie und Religionssoziologie, oder der Ethik in Bio- und Medizinethik.“521 Um diesem Trend entgegenzuwirken, betont Stoellger einen „Zusammenhang der Theologie“522, den nur die christliche Lebensform biete.523 Man sieht also den theologischen Disziplinen nicht an, dass sie theologisch sind – außer durch ihren pragmatischen Referenzrahmen der religiösen Lebensform – interessanterweise vermeidet Stoellger den Begriff „Kirche“ an dieser Stelle, sondern kann ihn nur im ← 201 | 202 → Fremdzitat beiläufig erwähnen.524 Immerhin...

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