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Friede und Recht

Studien zur Genese des frühmittelalterlichen Herrscher- und Tugendideals in der lateinischen Literatur der römischen Antike und des frühen Mittelalters

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Thorsten Thielen

Friede und Recht – mit keinem anderen Begriffspaar lassen sich Rechtfertigung und Anspruch mittelalterlicher Herrschaft besser beschreiben. In frühmittelalterlichen Volksrechten (leges), Urkunden, Fürstenspiegeln oder der Landfriedensbewegung dient es regelmäßig als Legitimationsgrundlage und Tugendnachweis. Der Autor widmet sich den römischen und christlichen Wurzeln dieser mittelalterlichen Legitimationsstrategie. Er stellt die Entwürfe der antiken und frühmittelalterlichen Literatur vom ersten vorchristlichen Jahrhundert bis zum siebten Jahrhundert dar. Neben der Rechtfertigung der Alleinherrschaft durch römisch-heidnische Autoren steht vor allem der Einfluss des Christentums im Mittelpunkt, der zuletzt in die römisch-christliche Herrschaftsideologie des Mittelalters einmündet.

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B. Römische Herrschertugend im ersten vor- und nachchristlichen Jahrhundert

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B.  Römische Herrschertugend im ersten vor- und nachchristlichen Jahrhundert

I.  Einleitung: Tugendlehre und Tugendlob in archaischer und hellenistischer Zeit

Die Entwicklung der römischen Tugend- und Herrschaftsethik des ersten vorchristlichen Jahrhunderts knüpft an frühere Wurzeln des griechisch-hellenistischen Kulturkreises an. Bereits vor den Römern hatten sich griechische Gelehrte mit der Frage der Menschentugend befasst. Ägyptische und mesopotamische Quellen zeigen zugleich, dass die Auseinandersetzung mit der Tugend des Herrschers und den Gründen seiner Bestimmung zur Herrschaft in den Schriftquellen so alt ist, wie die Herrschaft eines einzelnen selbst. Da auch die Autoren der römischen Antike auf älteren Arbeiten – hier insbesondere der griechischen Tradition – aufbauten, werden die Leitlinien dieser Entwicklung im Folgenden kurz dargestellt. Zum besseren Verständnis sei auf die lexikalischen Artikel von Peter Stemmer und Pierre Hadot1 zum Tugendbegriff in der griechischen Antike und der Fürstenspiegelliteratur verwiesen. Sie sind hier zusammenfassend aufgegriffen und sollen auch den Blick auf solche Elemente des Tugendlobes schärfen, die auf noch älteren Traditionen als der römischen und christlichen beruhen.

1.  Aspekte des Lobes menschlicher Individualtugend in der vorrömischen Antike

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