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Zwischen Diktatur und Europa

Joaquín Ruiz-Giménez und der spanische Katholizismus, 1936–1977

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Stephanie Mayer-Tarhan

Der Spanische Bürgerkrieg (1936–1939) endete mit dem Sieg der aufständischen Generäle. In der bis zum Tode General Francos im Jahre 1975 bestehenden Diktatur war die katholische Kirche neben dem Militär, der faschistischen Falange und den Monarchisten eine der wesentlichen Stützen des Regimes. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs standen insbesondere die transnational organisierten katholischen Laien im Spannungsverhältnis zwischen der Diktatur und dem sich parallel vollziehenden Europäischen Integrationsprozess. Die Auswirkungen dieser Situation auf das Verhältnis zum Regime werden in der Biographie des katholischen Laien Joaquín Ruiz-Giménez (1913–2009) deutlich. Der ehemalige Bildungsminister unter Franco wandelte sich zum entschiedenen Kritiker des Regimes.

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Einleitung

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Die Erforschung der Franco-Diktatur und der katholischen Kirche in Spanien

Der Spanische Bürgerkrieg endete 1939 mit dem Sieg der aufständischen Generäle, an deren Spitze sich im Verlaufe des Kriegs Francisco Franco setzen konnte. Der 1. April 1939 war zugleich der Beginn der fast vierzigjährigen franquistischen Diktatur.1 Die katholische Kirche stellte neben dem Militär, der faschistischen Partei Falange sowie den Monarchisten eine der „Familien“2 des Franco-Regimes.3 Die ← 15 | 16 → Unterstützung der spanischen katholischen Kirche für die Aufständischen hatte bereits im Bürgerkrieg begonnen. Mit dem Hirtenbrief der spanischen Bischöfe aus dem Jahre 1937, der den Bürgerkrieg zum „Kreuzzug“ erklärte, wurde sie zur wichtigsten herrschaftslegitimierenden Instanz für die Putschisten.4 Nach dem Ende des in den Augen der Bischöfe als „Kreuzzug“ geführten Bürgerkrieges sahen diese nun die Gelegenheit gekommen, die „Evangelisierung“5 Spaniens in Angriff zu nehmen.6 Im Konkordat des Jahres 1953 wurde die katholische Religion schließlich erneut zur Staatsreligion erklärt.7 Nicht nur die Bischöfe, auch die katholischen Laien in Spanien waren eng mit dem Regime verbunden. Der spanische Laienkatholizismus organisierte sich in der Nachkriegszeit zu einem Großteil in der Katholischen Aktion und in der Asociación Católica Nacional de Propagandistas (ACNP)8. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sah Franco die Notwendigkeit gekommen, dem Regime ein anderes Außenbild zu verleihen. Angesichts der christdemokratischen Ausrichtung anderer westeuropäischer Länder verband der Diktator mit der Einbindung der...

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