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Der Diskurs über Deklamation und über die Praktiken auditiver Literaturvermittlung

Der Deutschunterricht des höheren Schulwesens in Preußen (1820–1900)

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Hans-Joachim Jakob

Ein Primaner konnte im 19. Jahrhundert am Ende seiner Schullaufbahn Dutzende Gedichte auswendig aufsagen. Die Deklamationskultur des höheren Schulwesens ist seitdem in Vergessenheit geraten. Diese Studie rekonstruiert die intensive Diskussion über das Textsprechen zwischen 1820 und 1900. Sie wertet dazu bislang nur wenig beachtete Quellen aus – Vorschriften, Lehrpläne, Gesetzessammlungen, Lesebücher, Ratgeber, Schulprogramme, pädagogische Zeitschriften und Anthologien. Ein abschließender Blick in fiktionale Zeugnisse von Goethe, Kotzebue, Klingemann, Johanna Schopenhauer, Raabe oder Stinde demonstriert den schmalen Grat zwischen deklamatorischem Triumph und gesellschaftlicher Blamage.

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7. Deklamatorische Anthologien für den Schulgebrauch im späten 19. Jahrhundert

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Abstract: The anthology and their special form of the declamation anthology extend the perspective from the memorized poetry in school to the declamation culture at home, which happens off-school e. g. in the literary salon. It has its own canon of performative texts and presentations.

a) Forschungsproblem Deklamationsanthologie

In der Folge muss es zunächst darum gehen, einige Problemfelder weiter zu verfolgen, die bereits in Kap. 5 a angesprochen wurden. Eine Verlängerung des Forschungsfeldes von den deklamatorischen Lehrwerken bis 1850, die nachweislich im Schulgebrauch waren, zu denen aus dem Zeitraum von 1850 bis 1900 ist naheliegend und verspricht weitere Aufschlüsse über den Status der Deklamation im spezialisierten Diskurs der Textsammlungen. Das Lesebuch, sein Sonderfall des deklamatorischen Lesebuchs und die Deklamationsanthologie, die zusammen mit anderen anthologischen Formen ab 1840 den Buchmarkt eroberte,1 sind aber nur bedingt vergleichbar. Sind die Lehrwerke des frühen 19. Jahrhunderts gerade wegen ihrer ausgedehnten Paratexte von großem Interesse, wenn etwa im Vorwort programmatische Stellungnahmen zum Dichtungssprechen und seiner Didaktik geäußert werden, so fällt in anthologischen Sammelformen für die Schule aus dem späteren 19. Jahrhundert der paratextuelle Erklärungsapparat in der Regel deutlich knapper aus. Die Paratexte sind somit für eine historische Diskursanalyse nicht so attraktiv wie die der Lesebücher, die Textteile der Anthologien sind nur mithilfe empirischer Operationalisierungen erforschbar, von denen sich die vorliegende Studie bereits in Kap. 5 a – hier im Hinblick auf die Lesebücher – abgrenzte. Andererseits...

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