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Deutsche Sprachkomik

Ein Überblick für Übersetzer und Germanisten

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Rainer Kohlmayer

Der Autor stellt den Humor der deutschen Sprache und Kultur auf den Prüfstand. Anhand von Beispieltexten und Interpretationen gibt er Einblicke in die Höhepunkte der Sprachkomik vom Mittelalter bis heute. Neben Klassikern wie Eulenspiegel, Heine, Büchner, Nestroy, Loriot, Gernhardt stehen ungewöhnliche Beispiele wie Wittenwilers Ring oder die ironische NS-Kritik, die Sander in seine Wilde-Übersetzung hineinschmuggelte. Der Autor vergleicht und kritisiert die Komiktheorien Bergsons und Freuds, erläutert die linguistischen Witztheorien und bricht eine Lanze für Zijdervelds These, Komik sei eine Form des gewaltlosen Widerstands. Der Schlussteil bringt vier kommentierte Beispiele für die Übersetzung von sprachspielerischen Texten aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche.

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1. Kapitel. Merkmale des Komischen im Überblick

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Abstract: The introductory chapter discusses the semiotic minimum of a humorous event: somebody produces humour for somebody else in a given situation. The German translators of Shakespeare (Wieland, Schlegel) were the first scholars to discover the incompatibilities of humour between languages and cultures. Eleven characteristics of verbal humour are listed up and described.

Wenn ich mir zu Beginn der Vorlesung eine rote Clownsnase aufgesetzt hätte, dann hätten manche gesagt, das sei komisch, ich sähe komisch aus; andere hätten mich für bescheuert erklärt; andere wären vielleicht davongelaufen. Als DER SPIEGEL Nr. 8 vom 19. Februar 1996 wieder einmal die beliebte Frage stellte „Wie komisch sind die Deutschen?“, verpasste er auf dem Titelbild etwa zwei Dutzend bekannten deutschen Gesichtern (von Goethe über Bismarck und Hitler bis zu Grass und Reich-Ranicki) dieselbe rote Pappnase, was durchaus amüsant, ja komisch wirkte. Welche Elemente sind also an einem solchen komischen Event beteiligt?

– Es gibt einmal ein Produkt, ein Objekt, das als komisch angesehen werden kann; es gibt folglich auch einen Komikproduzenten;

– es gibt zweitens einen oder mehrere Rezipienten, die etwas als komisch ansehen und deshalb schmunzeln oder lachen;

– es gibt drittens ein Medium, einen Kontext, eine Situation, in der das komische Phänomen auftaucht.

Zur Komik gehören also mindestens drei Voraussetzungen: etwas Komisches (als Anlass oder Auslöser), ein Komik-Rezipient (als Zuschauer, Hörer oder Leser), ein Kontext (als durch Ort und Zeit usw....

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