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Deutsche Sprachkomik

Ein Überblick für Übersetzer und Germanisten

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Rainer Kohlmayer

Der Autor stellt den Humor der deutschen Sprache und Kultur auf den Prüfstand. Anhand von Beispieltexten und Interpretationen gibt er Einblicke in die Höhepunkte der Sprachkomik vom Mittelalter bis heute. Neben Klassikern wie Eulenspiegel, Heine, Büchner, Nestroy, Loriot, Gernhardt stehen ungewöhnliche Beispiele wie Wittenwilers Ring oder die ironische NS-Kritik, die Sander in seine Wilde-Übersetzung hineinschmuggelte. Der Autor vergleicht und kritisiert die Komiktheorien Bergsons und Freuds, erläutert die linguistischen Witztheorien und bricht eine Lanze für Zijdervelds These, Komik sei eine Form des gewaltlosen Widerstands. Der Schlussteil bringt vier kommentierte Beispiele für die Übersetzung von sprachspielerischen Texten aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche.

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5. Kapitel. Muttersprachenpathos und Komödientradition

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Abstract: Compensating for the lack of national unity, the German language was sanctified with religious patriotism. Nonetheless, German theatres strove to imitate the French classics by ousting the harlequin from the stage. Comedies were imported but frivolous joking was eliminated. The ‚Hanswurst‘ survived in Vienna. Nowadays, translators tend to insert frivolities into plays where there were none before.

Wie ist es zu erklären, dass im Deutschen traditionell weniger mit der Sprache gespielt wurde? Denn die Möglichkeiten sind doch vorhanden, wie wir im vorhergehenden Kapitel festgestellt haben.

In Deutschland gibt es eine lange Tradition einer pathetischen Einstellung zur Muttersprache, meist gepaart mit sprachlichem Purismus. Im 17. Jahrhundert entstand der Purismus als eine Bewegung, die die deutsche Sprache von fremden Elementen reinigen wollte. Es ging vor allem um die Zurückdrängung der Übermacht der französischen Kultur, deren Einfluss so enorm war, dass sogar unsere Wörter Mama und Papa, Onkel und Tante damals übernommen wurden. In fast allen Sprachen gab oder gibt es puristische Bestrebungen, die die Sprache gegen fremde Einflüsse zu verteidigen oder vor Fremdem zu schützen versuchen. Seit dem 17. Jahrhundert blühte in Deutschland jedenfalls ein Pathos der Muttersprache, oft geradezu ein religiöses Verhältnis zur Muttersprache, das in der NS-Zeit seinen Zenit überschritt und seitdem so gut wie abgestorben ist. Da es vor 1871 kein Deutschland als Nation gab, wurden die Einheitsgefühle in die Sprache projiziert. Im Kampf gegen Napoleon wurde die deutsche Muttersprache...

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