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Deutsche Sprachkomik

Ein Überblick für Übersetzer und Germanisten

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Rainer Kohlmayer

Der Autor stellt den Humor der deutschen Sprache und Kultur auf den Prüfstand. Anhand von Beispieltexten und Interpretationen gibt er Einblicke in die Höhepunkte der Sprachkomik vom Mittelalter bis heute. Neben Klassikern wie Eulenspiegel, Heine, Büchner, Nestroy, Loriot, Gernhardt stehen ungewöhnliche Beispiele wie Wittenwilers Ring oder die ironische NS-Kritik, die Sander in seine Wilde-Übersetzung hineinschmuggelte. Der Autor vergleicht und kritisiert die Komiktheorien Bergsons und Freuds, erläutert die linguistischen Witztheorien und bricht eine Lanze für Zijdervelds These, Komik sei eine Form des gewaltlosen Widerstands. Der Schlussteil bringt vier kommentierte Beispiele für die Übersetzung von sprachspielerischen Texten aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche.

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7. Kapitel. Zur Tradition des autoritären Staates in Deutschland

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Abstract: The one feature of life in Germany which, from the 19th century onward, was most antagonistic to humourous play was the military way in which the public institutions worked. The social order showed a hierarchy, in which the lower ranks abandoned their responsibilities to the higher grades (N. Elias). Texts by Wedekind, Kästner, Zuckmayer satirize the dehumanizing effects of this tradition that came to a head after 1933.

Der Kultursoziologe Norbert Elias hat in seinen Studien über die Deutschen hervorgehoben, dass die militärische Tradition für die Entstehung des autoritären deutschen Staates wichtig war. Demnach habe es in Deutschland seit langem eine idealisierende Hochbewertung militärischer Haltungen und kriegerischer Handlungen gegeben; die Folge davon sei eine positive Sicht auf Befehlen und Gehorchen als Grundlage der sozialen Ordnung, eine Erziehung „zu einer scharf ausgeprägten Haltung der Über- und Unterordnung“ (Elias 1989: 55). Im 18. Jahrhundert wurde die Militärschule zum Vorbild der staatlichen Schule überhaupt. Friedrich Schiller und Heinrich von Kleist wurden in solchen Militärschulen erzogen. Die Schule als halb-militärische Einrichtung hat in der deutschen Literatur- und Theatergeschichte markante Spuren hinterlassen; z. B. in Kleists Prinz von Homburg (1821), einem Stück, in dem die preußische Gehorsamspflicht vorgeführt wird.

Frank Wedekind (1864–1918) hat in seiner Kindertragödie Frühlings Erwachen (1892) demonstriert, wie die Heranwachsenden in dieser autoritären Gesellschaft geknechtet und vernichtet werden. Eine besonders satirische Szene ist die gespenstische Schulkonferenz zu Beginn des...

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