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Deutsche Sprachkomik

Ein Überblick für Übersetzer und Germanisten

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Rainer Kohlmayer

Der Autor stellt den Humor der deutschen Sprache und Kultur auf den Prüfstand. Anhand von Beispieltexten und Interpretationen gibt er Einblicke in die Höhepunkte der Sprachkomik vom Mittelalter bis heute. Neben Klassikern wie Eulenspiegel, Heine, Büchner, Nestroy, Loriot, Gernhardt stehen ungewöhnliche Beispiele wie Wittenwilers Ring oder die ironische NS-Kritik, die Sander in seine Wilde-Übersetzung hineinschmuggelte. Der Autor vergleicht und kritisiert die Komiktheorien Bergsons und Freuds, erläutert die linguistischen Witztheorien und bricht eine Lanze für Zijdervelds These, Komik sei eine Form des gewaltlosen Widerstands. Der Schlussteil bringt vier kommentierte Beispiele für die Übersetzung von sprachspielerischen Texten aus dem Englischen und Französischen ins Deutsche.

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14. Kapitel. Linguistische Theorie: Raskin und Attardo

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Abstract: The Semantic Script Theory of Humor, which was developed by Raskin / Attardo, is based a) on Goffman’s principles of semantic frames and scripts, b) on Grice’s theory of cooperation. It is elegant, simple, and applicable for translation. On the other hand, its negligence of pragmatics and of the question of quality is regrettable. There seems to be no limit to what witty recipients might find humorous.

Die SSTH / Semantic Script Theory of Humor wurde in Raskin (1985) vorgestellt und zusammen mit Salvatore Attardo erweitert zur GTVH / General Theory of Verbal Humor. Ich folge hier der ausführlichen Darstellung der weitgehend gemeinsamen Theorie in Attardo (1994). Im Übrigen halte ich die Vorteile der GTVH gegenüber der früheren Fassung nicht für so wichtig wie Attardo (1994: 227–229).

14.1 Script und Rahmen

Die linguistische Theorie der Sprachkomik ist eine Inkongruenztheorie. Sie trennt die Probleme der sozialen oder psychischen oder politischen usw. Funktion der Komik sowie die Frage nach den inneren Motiven des Komikproduzenten von der Suche nach der objektiv gegebenen Bauweise sprachlicher Komik ab. Sie sieht das Wortspiel oder den Witz oder die scherzhafte Erzählung als empirisches Vorkommen von verbal humor, dessen Besonderheiten exakt benannt und erforscht werden können, wenn man über die richtige Semantiktheorie verfügt. Die linguistische Inkongruenztheorie ist einfach; dem Philosophen, Freudianer oder Soziologen könnte sie sogar trivial vorkommen. Aber sie ist leicht anwendbar und ergebnisorientiert. Schauen wir uns die Theorie...

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