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Beiträge zum Islamischen Recht XII

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Edited By Silvia Tellenbach and Thoralf Hanstein

Der von der «Gesellschaft für Arabisches und Islamisches Recht» (GAIR) veröffentlichte Band ging aus der Jahrestagung der Gesellschaft im Oktober 2016 in Freiburg am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht hervor. Die Vorträge liegen nun ergänzt um zwei weitere, themenrelevante Beiträge publiziert vor. Die Artikel beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit dem islamischen Strafrecht im Iran und in Pakistan, vor allem mit Bezug zum Religionsstrafrecht (Lästerung und Schmähung von als geheiligt geltenden Personen oder Gegenständen) und Sexualstrafrecht (Ehebruch, Homosexualität und Vergewaltigung). Hinzu kommen Untersuchungen zu Strafzwecken im schiʻitischen Strafrecht, zur Auslegung der Scharia im Islamischen Staat (IS) und zur Iranischen Rechtsanwaltskammer.

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Schmähungen von muqaddasāt im iranischen Strafrecht (Seyed Emadeddin Tabatabaei)

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Schmähungen von muqaddasāt im iranischen Strafrecht1

Seyed Emadeddin Tabatabaei, Freiburg i.Br.

Vorbemerkung

In rechtsvergleichenden Arbeiten ist die Wiedergabe von Fachbegriffen von zentraler Bedeutung. Darum gehört diese zu den ersten Punkten, die dabei zu beachten sind. Für den folgenden Beitrag bedeutet das, dass weder die Begriffe sabb und tauhīn im iranischen Strafrecht als genaues Gegenstück von Schmähung, Beschimpfung oder Beleidigung übersetzt werden können, noch dass sich das Wort muqaddasāt genau mit den Begriffen Heiligtümer, heilige Personen oder heilige Werte deckt. Aber dennoch kann der Begriff Schmähung eine Annäherung an die iranischen Begriffe bieten. Dagegen ist keiner der obengenannten deutschen Begriffe geeignet, für muqaddasāt benutzt zu werden; vielmehr muss hier wie auch bei anderen Begriffen aus dem islamischen Recht – wie z. B. ḥadd – der arabische Begriff unübersetzt bleiben.

Dieser Artikel wirft zunächst einen Blick auf die Stellung der Religion im iranischen Rechtssystem. Dann beschreibt er die Schmähung von muqaddasāt im iranischen Gesetz und berichtet schließlich einige Fälle der Schmähung von muqaddasāt in der iranischen Praxis.

1.   Die Stellung der Religion im iranischen Rechtssystem

Wenn man über das islamische Rechtssystem spricht, behandelt man ein theoretisches System, das epistemologisch Gott zum zentralen Bezugspunkt hat. Das ist im Kern der Unterschied zu den Denksystemen, die auf den Menschen bezogen sind. Auf der moralphilosophischen Ebene wird dann statt vom Menschen und seinen...

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