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Beiträge zum Islamischen Recht XII

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Edited By Silvia Tellenbach and Thoralf Hanstein

Der von der «Gesellschaft für Arabisches und Islamisches Recht» (GAIR) veröffentlichte Band ging aus der Jahrestagung der Gesellschaft im Oktober 2016 in Freiburg am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht hervor. Die Vorträge liegen nun ergänzt um zwei weitere, themenrelevante Beiträge publiziert vor. Die Artikel beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit dem islamischen Strafrecht im Iran und in Pakistan, vor allem mit Bezug zum Religionsstrafrecht (Lästerung und Schmähung von als geheiligt geltenden Personen oder Gegenständen) und Sexualstrafrecht (Ehebruch, Homosexualität und Vergewaltigung). Hinzu kommen Untersuchungen zu Strafzwecken im schiʻitischen Strafrecht, zur Auslegung der Scharia im Islamischen Staat (IS) und zur Iranischen Rechtsanwaltskammer.

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Von Macaulay zu Zia ul-Haq - Das pakistanische (Religions-)Strafrecht zwischen kolonialem Erbe und Islamisierung (Benedikt Naarmann)

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Von Macaulay zu Zia ul-HaqDas pakistanische (Religions-)Strafrechtzwischen kolonialem Erbe und Islamisierung1

Benedikt Naarmann, Berlin

I.   Das Rechtssystem Pakistans – rechtsvergleichende und verfassungsrechtliche Grundlegungen

Durchmisst man die rechtsvergleichende Literatur, wird Pakistan aufgrund des kolonialen Erbes üblicherweise dem Rechtskreis des common law zugeordnet, im selben Atemzug jedoch regelmäßig auf den Hybridstatus verwiesen, der sich aus der Einfügung islamischer Elemente in das Rechtssystem ergebe.2 Der vergleichende Verfassungsrechtler Ran Hirschl zählt Pakistan zum Kreis der sog. „constitutional theocracies“, die sich idealtypisch durch folgende kumulative Charakteristika auszeichneten: das Bekenntnis zu Elementen tradierter Verfassungsstaatlichkeit wie einer zumindest formalen Trennung zwischen politischer und religiöser Autorität oder dem Vorhandensein eines gerichtlichen Prüfungs- und Kontrollregimes (judicial review); die Anerkennung einer privilegierten bzw. „Staats“-Religion; die Maßgeblichkeit religiöser Rechtsquellen als die oder zumindest eine Quelle für Gesetzgebung und richterliche Gesetzesauslegung; und schließlich das Vorhandensein religiöser Spruchkörper und Tribunale neben der säkularen Gerichtsbarkeit.3 ← 71 | 72 →

Gemessen an diesen Kriterien Hirschls erfüllt der status quo in Pakistan in der Tat alle Definitionsmerkmale einer „constitutional theocracy“: Ideologisch ist dessen Staatswerdung am 15. August 1947 unmittelbare Konsequenz der sog. „Zwei Nationen-Theorie“, welche sich die All-India Muslim League in einer im Februar 1940 in Lahore gefassten Resolution als offizielle Position zu eigen gemacht hatte. Demnach seien die Muslime Britisch-Indiens als eine eigene Nation anzusehen, die sich durch eine gemeinsame Religion, Kultur und Geschichte von ihrer hinduistisch geprägten Umgebung abhebe. Um der Gefahr...

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