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Arnold Zweig und Stefan Zweig in der Zwischenkriegszeit

Publizistisches Engagement, Beziehungsgeschichte und literaturwissenschaftliche Rezeption bis in das 21. Jahrhundert

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Jasmin Sohnemann

Arnold und Stefan Zweig sahen sich als „geistige Führer", gelten aber, bis auf ihr Interesse an der Psychoanalyse, als sehr verschieden. Die Auswertung ihrer Publizistik – darunter viele unbekannte Texte – zeigt erstmals systematisch, wie sie sich an Debatten der Zwischenkriegszeit beteiligten. Die Autorin prüft Aussagen über Demokratie, Sozialismus, Nationalismus, Europa, Pazifismus, die UdSSR, ihr jüdisches Erbe, Zionismus und Antisemitismus. Die Zweigs erscheinen als unabhängige Zeitkritiker, die oft übereinstimmend und wegweisend urteilten. Ihre unveröffentlichten Briefe (1919–1940) bieten Einblick in diese kaum bekannte Beziehung. Die Studie stellt in der Germanistik verbreitete Zweig-Bilder infrage, die wesentlich durch den Kalten Krieg beeinflusst wurden.

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III. „im Analysieren Psycholog“ – Zwei Schriftsteller gleichen Namens und gleicher Passion

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III. „im Analysieren Psycholog“ – Zwei Schriftsteller gleichen Namens und gleicher Passion

Abstract: A comparison of the Zweigs’ statements about Freud shows their often strikingly similar expressed enthusiasm for the analyst and his theory as an essential communality. Yet, in two studies from 1925, they drew different conclusions about Kleist’s mental condition. The examination of their letters reveals an increasingly ambivalent relationship.

1. Freundschaft mit Freud und publizistisches Engagement für den „Vater“ und „Meister“

Ihre Beziehung zu Sigmund Freud wurde für beide Schriftsteller mehrfach betrachtet und bewertet.1 Bekanntere Interpretationen sind die des Psychiaters und Psychoanalytikers Johannes Cremerius, der in separaten Texten die Verbindung der Zweigs zu Freud untersucht hat.2 Bei Arnold Zweig erkannte er eine „neurotische Übertragungsliebe“, „in der Weise, daß er die seinem jeweiligen Analytiker geltenden Übertragungsgefühle auf Freud verlagerte“ (132). Für die Vaterfigur Freud habe er einerseits blinde Bewunderung bzw. „glühende Sohnesliebe“ als Ausdruck „infantiler Triebbefriedigung“ empfunden, ihm allerdings unbewusst←105 | 106→ auch negative Gefühle entgegengebracht und ihn später in der DDR zugunsten des Sozialismus verleugnet (138). Seine Schriften über Freud ließen „jeden Ansatz zu einer kritischen Auseinandersetzung vermissen“ (132). Bei Stefan Zweig diagnostizierte Cremerius eine vom Ideal-Ich ausgehende „heroische Identifizierung“ und Ambivalenz (37). Er habe ebenfalls nach außen eine übertriebene Bewunderung an den Tag gelegt, unbewusst aber Rivalität, sogar Hass empfunden. Durch dilettantische Publikationen über Freud und die Psychoanalyse habe Stefan Zweig der Rezeption dieser Wissenschaft zudem nachhaltig geschadet. Cremerius’ Urteil über...

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