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Arnold Zweig und Stefan Zweig in der Zwischenkriegszeit

Publizistisches Engagement, Beziehungsgeschichte und literaturwissenschaftliche Rezeption bis in das 21. Jahrhundert

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Jasmin Sohnemann

Arnold und Stefan Zweig sahen sich als „geistige Führer", gelten aber, bis auf ihr Interesse an der Psychoanalyse, als sehr verschieden. Die Auswertung ihrer Publizistik – darunter viele unbekannte Texte – zeigt erstmals systematisch, wie sie sich an Debatten der Zwischenkriegszeit beteiligten. Die Autorin prüft Aussagen über Demokratie, Sozialismus, Nationalismus, Europa, Pazifismus, die UdSSR, ihr jüdisches Erbe, Zionismus und Antisemitismus. Die Zweigs erscheinen als unabhängige Zeitkritiker, die oft übereinstimmend und wegweisend urteilten. Ihre unveröffentlichten Briefe (1919–1940) bieten Einblick in diese kaum bekannte Beziehung. Die Studie stellt in der Germanistik verbreitete Zweig-Bilder infrage, die wesentlich durch den Kalten Krieg beeinflusst wurden.

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3.2 Haltungen zum Zionismus und zu Palästina als jüdischer Heimstatt

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3.2 Haltungen zum Zionismus und zu Palästina als jüdischer Heimstatt

„Hitlerjuden“ – so lautet der Titel des zweiten Teils einer im Sommer 1938 publizierten Serie, in der Arnold Zweig die „Tatsache“ untersucht, „daß nur ein begrenzter Teil der palästinensischen Bevölkerung von antihitlerischem Geist getragen ist“.459 Schon vor dem Ersten Weltkrieg hatte er sich zum jüdischen Nationalismus bekannt, doch nach rund dreieinhalb in Haifa verbrachten Jahren stellt er fest: „Ein großer Teil dieser Judenschaft steht schweigend beiseite, und ein kleiner Teil bewundert Hitler schrankenlos und nennt ihn im vertrauten Kreise den größten Mann des Jahrtausends“ (ebd.). Bald darauf, im sechsten Teil, spezifiziert er die letztgenannte Gruppe: „Die aufrichtigste Bewunderung unter den←326 | 327→ Juden wird Hitler durch zionistische Gruppen gespendet“ (245). Stefan Zweig hatte zuvor die Ankündigung des Namensvetters, über Palästina zu schreiben, brieflich mit der Mahnung kommentiert, dass man „in dieser Stunde mit dem Judentum vorsichtig sein muss wie mit einem Schwerkranken“ und die Idee einer neuen Heimat in diesem Land „für viele noch eine letzte Hoffnung“ darstelle.460 Zu ähnlicher Zeit schrieb er in einer Solidaritätsadresse an das „American Committee for Jewish Palestine Participation at the New York World’s Fair 1939“: „[I]n Palästina – in der Idee: Palästina – hat das jüdische Volk seit Jahrhunderten wieder sich selbst gefunden und nur dank dieses innern Aufbaus wird es diese Zeit der furchtbarsten Prüfung zu überstehen vermögen.“461 Die „Idee: Palästina“ ist freilich der...

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