Show Less
Restricted access

Das Konzept des kollektiven ‹‹iǧtihād›› und seine Umsetzungsformen

Analyse der Organisation und Arbeitsweise islamischer Rechtsakademien

Series:

Ahmed Gad Makhlouf

Das Aufkommen der Moderne und eine mit ihr einhergehende zunehmend globalisierte Welt hinterlassen auch ihre Spuren in der islamischen Normenlehre. So zeichnet sich ein Wandel einer ihrer Schlüsselbegriffe und bedeutendsten Instrumente, des iǧtihād, ab, welcher sich von nun an nicht mehr nur als individueller, sondern auch als kollektiver Reflexionsakt präsentiert. Dieser Entwicklung lag die Umstrukturierung des heutigen islamischen Rechts zugrunde. Das Interesse dieser Arbeit gilt deshalb der Untersuchung des kollektiven iǧtihād sowohl in der Theorie, als auch in der Praxis. Diese Studie legt den inhaltlichen und theoretischen Rahmen des kollektiven iǧtihād durch die innermuslimischen Diskurse dar und typisiert seine weltweit verbreiteten Institutionen. Dazu analysiert sie eingehend die Struktur und Arbeitsweise dreier exemplarischer Gremien.

Show Summary Details
Restricted access

3 Geschichte des kollektiven iǧtihād

Extract

3 Geschichte des kollektiven iǧtihād

Schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts erhoben zahlreiche Gelehrte wie Šāh Walī Allāh ad-Dihlawī,175 Muḥammad ibn ʿAbd al-Wahhāb176 und aš-Šawkānī177 ihre Stimme für die Öffnung des Tors zum iǧtihād. In diesen Forderungen, den iǧtihād anzuwenden, vor allem vonseiten der salafitischen Bewegung, manifestierte sich die Tendenz zu einer iǧtihād-Praxis, die sich direkt auf den Koran und die Sunna bezieht. Intendiert wurde dadurch, die islamische Gesellschaft von den nicht-islamischen Bräuchen (vornehmlich den sufischen) zu befreien.178 In unmittelbarem Zusammenhang mit der zunehmenden Neigung der Reformer, insbesondere seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, zur Fortsetzung der iǧtihād-Praxis, kamen immer mehr Postulate auf, den iǧtihād in einer (neuen) kollektiven Form auszuüben, welche zur Versöhnung der Kluft zwischen den Rechtsschulen beitragen und die potenziellen Irregularitäten des individuellen iǧtihād vermeiden könne.

Das vorliegende Kapitel zielt darauf ab, sich mit der Geschichte der Idee des KI zu befassen. Demnach wird es sich zahlreichen Aufrufen zur Kollektivierung des iǧtihād sowie Denkmodellen und Vorschlägen zur Schaffung von Institutionen oder rechtswissenschaftlichen Projekten auf Basis einer kollektiven Form des iǧtihād widmen. Hierbei geht es jedoch nicht um eine intensive Behandlung und Analyse der Persönlichkeit der Gelehrten oder ihres gesamten Denkens auf dem Gebiet des islamischen Rechts. Denn auf diese Weise könnte lediglich eine begrenzte Anzahl von Appellen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.