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Das Konzept des kollektiven ‹‹iǧtihād›› und seine Umsetzungsformen

Analyse der Organisation und Arbeitsweise islamischer Rechtsakademien

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Ahmed Gad Makhlouf

Das Aufkommen der Moderne und eine mit ihr einhergehende zunehmend globalisierte Welt hinterlassen auch ihre Spuren in der islamischen Normenlehre. So zeichnet sich ein Wandel einer ihrer Schlüsselbegriffe und bedeutendsten Instrumente, des iǧtihād, ab, welcher sich von nun an nicht mehr nur als individueller, sondern auch als kollektiver Reflexionsakt präsentiert. Dieser Entwicklung lag die Umstrukturierung des heutigen islamischen Rechts zugrunde. Das Interesse dieser Arbeit gilt deshalb der Untersuchung des kollektiven iǧtihād sowohl in der Theorie, als auch in der Praxis. Diese Studie legt den inhaltlichen und theoretischen Rahmen des kollektiven iǧtihād durch die innermuslimischen Diskurse dar und typisiert seine weltweit verbreiteten Institutionen. Dazu analysiert sie eingehend die Struktur und Arbeitsweise dreier exemplarischer Gremien.

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4 Gegenstand des kollektiven iǧtihād

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4 Gegenstand des kollektiven iǧtihād

Das vorliegende Kapitel steckt sich das Ziel, den Fachausdruck iǧtihād ǧamāʿī, seinen Anwendungsbereich und seine Grundzüge darzustellen. Darüber hinaus soll die Legitimation und die Frage bearbeitet werden, inwiefern der KI die Meinungspluralität und iǧtihād-Freiheit anderen Fiqh-Institutionen und einzelnen Gelehrten gewährt.

In einem ersten Unterkapitel werden die Arten von Fragen herausgearbeitet, in denen der KI Anwendung findet bzw. die in seinen Zuständigkeitsbereich fallen. Sodann widmet sich das zweite Unterkapitel der Darlegung wesentlicher Merkmale und Grundzüge, die das Bild des KI konstituieren. Im Vordergrund stehen hierbei insbesondere Charakteristika, durch welche sich der KI von anderen Doktrinen wie dem individuellen iǧtihād, dem iǧmāʿ und der šūrā abgrenzt. Das folgende Unterkapitel erörtert die Grundlage der Legitimation des iǧtihād ǧamāʿī sowohl anhand von Veränderungen an der Konzeption relevanter Prinzipien von Intellektuellen als auch mithilfe der islamischen Rechtsquellen. Schließlich befasst sich das letzte Unterkapitel mit der Frage, ob der KI einen Pluralismus an Rechtsauffassungen zulässt oder nicht.

4.1 Der Anwendungsbereich des kollektiven iǧtihād

In der Schlusserklärung des Symposiums, das im Jahre 1996 in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfand, wird der Anwendungsbereich des KI auf rechtliche Fragen fixiert, die durch einen nicht-eindeutigen oder/und präsumtiv erwiesenen Text (Koran oder Sunna) abgedeckt werden (laysa fīh dalīl qaṭʿī ad-dalāla wa aṯ-ṯubūt).388 Ebenso findet sich diese...

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