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Unsicherheit als Herausforderung für die Wissenschaft

Reflexionen aus Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften

Series:

Edited By Nina Janich and Lisa Rhein

Das Buch präsentiert eine disziplinäre Vielfalt an Perspektiven auf Unsicherheit in der Wissenschaft. Schwerpunkte sind Klimaforschung, Umweltwissenschaft und Technikfolgenabschätzung. Die Beiträge diskutieren Gründe und Folgen wissenschaftlicher Unsicherheit und einer entsprechenden Verantwortung der Wissenschaft. Vertreten sind Kommunikationswissenschaft, Linguistik, Philosophie, Politikwissenschaft, Soziologie und Volkswirtschaftslehre sowie Chemie und Klimawissenschaft.

Der Band dokumentiert die ungewöhnliche Kooperation zweier Schwerpunktprogramme der Deutschen Forschungsgemeinschaft – «Wissenschaft und Öffentlichkeit» und «Climate Engineering: Risks, Challenges, Opportunities?» –, die sich auf einer Tagung an der TU Darmstadt mit weiteren WissenschaftlerInnen zu Austausch und kritischer Reflexion getroffen haben.

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Verantwortungsvoll das Klima manipulieren? Unsicherheit und Verantwortung im Diskurs um Climate Engineering (Nils Matzner / Daniel Barben)

Nils Matzner & Daniel Barben (Klagenfurt)

Verantwortungsvoll das Klima manipulieren? Unsicherheit und Verantwortung im Diskurs um Climate Engineering

Abstract: At the Paris Conference 2015, international climate policy reached an agreement to limit global warming to a maximum of 2°C (if possible 1.5°C). As this ambitious goal may not be met with conventional mitigation of greenhouse gas (GHG) emissions, it could require the development of new climate engineering (CE) technologies. CE is defined as the intentional, large-scale intervention into planetary systems in order to slow down global warming. Two key issues pertaining to CE that have been raised to date are uncertainty and responsibility (e.g., different kinds of uncertainty CE will bring about, different approaches to responsibly dealing with global warming and CE, respectively). In this article, we will conduct a discourse analysis of “uncertainty” and “responsibility” in five discourse arenas – i.e., science, policy, science-policy interface, NGOs and think tanks – showing how articulations of uncertainty and responsibility vary between as well as within arenas. We will conclude that neither “uncertainty” nor “responsibility” provide any clear guidance on how to deal with CE and global warming but that, instead, one has to comprehend how divergent aspects of uncertainty and responsibility are articulated and framed such that they constitute competing approaches to governing CE and global warming.

Keywords: Klimawandel – Klimapolitik – Geo-/Climate Engineering – Verantwortung – Unsicherheit – Diskursarenen – Wissenssoziologische Diskursanalyse – Responsible Research and Innovation

1 Einleitung

„[Das] Projekt ahmt einen natürlichen Prozess nach, der vorher von Menschen gestört wurde. Eine Wiederherstellung ist wahrscheinlich eine menschliche Verantwortung.“ (John Disney, Firmenvorstand eines privaten Climate-Engineering-Experiments; zitiert nach Buck 2014)

„Lasst es uns klar sagen, es [Climate Engineering] ist vollkommen verrückt!“ (Al Gore; zitiert nach Goldenberg 2014)

Auf der Klimakonferenz 2015 in Paris einigten sich 195 Staaten auf die Begrenzung der Erwärmung der Erdtemperatur im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten auf maximal 2°C, wenn möglich 1,5°C (vgl. UNFCCC 2015). Damit formulierte das Klimaabkommen das erste völkerrechtlich verbindliche Erwärmungsziel. Obwohl diese Vereinbarung von vielen als großer Erfolg gefeiert wurde, fehlen im←143 | 144→ Vertragstext konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der vor dem Hintergrund bisheriger Klimapolitik sehr ambitionierten Ziele. Einige KritikerInnen glauben, dass mit Emissionsreduktion allein sich das 2°C-Ziel nicht erreichen lasse, sondern alternative Methoden zur Klimabeeinflussung notwendig würden (vgl. Anderson/Peters 2016; Geden 2016a).

WissenschaftlerInnen, WissenschaftsberaterInnen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Think Tanks und andere klimapolitische Akteure führen bereits seit über einem Jahrzehnt heftige Kontroversen über die Potenziale, Risiken und Unsicherheiten von neuen Technologien des Climate Engineering (CE), um die globale Erwärmung und deren gefährliche Folgen einzudämmen. Unter CE – öfters, aber weniger präzise, auch als Geo-Engineering gefasst – versteht man Technologien zur gezielten Beeinflussung des Klimageschehens, um den Klimawandel zu verlangsamen (vgl. Royal Society 2009: 1; Rickels et al. 2011). CE ist dabei ein Sammelbegriff, unter den zwei wesentliche Kategorien von Technologien fallen: Erstens könnte versucht werden, Sonnenstrahlung von der Erde zu reflektieren, beispielsweise mit weißeren Wolken oder Nanopartikeln in der oberen Atmosphäre. Das Ziel solcher Maßnahmen wäre, dadurch eine direkte Abkühlung zu erreichen. Dieser Ansatz wird Strahlungsmanagement oder Radiation Management (RM) genannt. Zweitens könnten Methoden, die schon in der Atmosphäre befindliches CO2 entfernen, für eine längerfristige Abkühlung sorgen. Unter Carbon Dioxide Removal (CDR) fallen dabei jene Technologien wie künstliche Bäume, die CO2 aus der Umgebungsluft filtern, oder die Düngung der Meere mit Eisen in der Hoffnung, dass die dann wachsenden Algen mehr CO2 aufnehmen. Sowohl eine direkte Abkühlung durch mehr Sonnenreflektion (RM) als auch die Reduktion des in der Atmosphäre befindlichen Kohlenstoffs (CDR) würden massive Eingriffe in geobiochemische Kreisläufe der Erde bedeuten, während die möglichen Auswirkungen all dieser Technologien bisher erst wenig erforscht sind. Jenseits dieser grundlegenden Kategorisierung sind aber die Metriken zur Bewertung der Anwendungen und Folgen von CE-Technologien bisher umstritten, allerdings auch schwierig zu entwickeln (vgl. Bellamy et al. 2012).1

Die aktuelle Forschung ist sich aber einig, dass alle CE-Technologien im globalen Maßstab ernsthafte Risiken mit sich bringen, wie etwa die Veränderung der←144 | 145→ Niederschlagsmuster, Auswirkungen auf die Biodiversität oder lokal unerwartete Hitze- oder Kälteperioden (vgl. Rickels et al. 2011; Caldeira et al. 2013). Deshalb trifft mitunter selbst auch die Erforschung der möglichen Potenziale und Folgen von CE auf Vorbehalte, wie es sich auch an der zunächst negativen Förderungsentscheidung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gegenüber dem beantragten Schwerpunktprogramm zu CE beobachten ließ.2 International wird in ähnlicher Weise diskutiert, welche Formen der Erforschung und Entwicklung von CE gerechtfertigt werden können.

Unser Beitrag untersucht Rahmungen von Unsicherheit und Verantwortung im ExpertInnendiskurs von CE. Unter Diskurs verstehen wir ganz allgemein die soziale Konstruktion von Sinn (vgl. Angermüller 2015). Die Diskursanalyse – insbesondere die hier angewandte Wissenssoziologische Diskursanalyse (WDA) – ermöglicht es, die kollektive Wahrnehmung eines Problems offenzulegen und seine inhaltliche Struktur anhand von vorfindlichen Äußerungen zu analysieren (vgl. Keller 2008, 2013). Aus dieser Perspektive interessiert uns etwa, wie die Bestimmung wissenschaftlicher, technischer und sozialer Unsicherheiten von CE die Auffassung von verantwortlichem Handeln beeinflusst und umgekehrt, wie Vorstellungen von Verantwortung die Wahrnehmung von Unsicherheit prägen.

Insbesondere Protagonisten der CE-Forschung betonen, dass abschätzbare Risiken, bei denen man die Eintrittswahrscheinlichkeit mit zu erwartenden Folgen multiplizieren kann, ein geringeres Problem als andere Formen von Unsicherheit wie Nichtwissen darstellen: „Wir wissen nicht, was wir nicht wissen“ (vgl. Keith 2013: 33 f., eigene Übersetzung). Bei einigen Unsicherheiten könnte mehr Forschung helfen (bessere Modelle, interdisziplinäres Assessment, etc.), aber bei CE als neuem, auf die Zukunft gerichteten Thema gibt es vieles, von dem wir wissen wie auch nicht wissen, dass wir es nicht wissen („known unknowns“ und „unknown unknowns“).3 Bekannte und unbekannte Unsicherheiten aus der Klima←145 | 146→modellierung, der Komplexität des Klimasystems, der internationalen Politik und aus anderen Handlungsbereichen können sich vermischen und gegenseitig verstärken. Es wäre möglich, dass Gesellschaften von ungeahnten Auswirkungen von CE überrascht werden, natürliche Ereignisse (wie Vulkanausbrüche) diese Effekte verstärken und soziale Konflikte die Lage weiter verkomplizieren. Wie kann demnach unter Bedingungen von Unsicherheit verantwortlich politisch gehandelt werden? Sind internationale Organisationen, nationale Regierungen und Behörden oder ForscherInnen dafür zuständig, verantwortliche Forschung, Entwicklung und Governance von CE durchzusetzen?

Aufgrund der globalen Dimension des Klimawandels liegen Antworten nahe, die durch internationale Institutionen und internationales Recht gerahmt werden. So wurde im Rahmen der Verhandlungsprozesse der Biodiversitäts-Konvention (CBD) 2012 ein Moratorium gegenüber allen Aktivitäten im Bereich CE gefordert, die globale Biodiversität gefährden könnten (vgl. Secretariat of the CBD 2012). Allerdings kam dieser Forderung keine Rechtsverbindlichkeit zu, so dass sie – trotz des großen medialen Echos – ohne regulatorischen Einfluss blieb. Ebenso sieht die Internationale Seeschifffahrts-Organisation die Methode der maritimen Eisendüngung nur für den Zweck der Forschung auf kleiner Skala als legitim an (vgl. International Maritime Organization 2013). Einige ExpertInnen kritisieren, dass bisher kaum einschlägiges internationales Recht existiert und staatliche und überstaatliche Institutionen daher nicht für CE vorbereitet sind (vgl. Parson/Keith 2013; Winickoff/Brown 2013). Anders ausgedrückt, rechtliche und politische Verantwortungsfragen sind nicht geklärt.

Verantwortliche Forschung und Governance bringen auch eine Vielzahl ethischer Probleme mit sich, wie es zunächst vor allem Hans Jonas prominent für moderne Technikkonflikte formulierte (vgl. Jonas 1979: 84). Dieser „Ruf nach Verantwortung“ (Kaufmann 1992: 11) als Reaktion auf CE-Unsicherheiten entspringt auch der Hoffnung, Verantwortung würde Unsicherheiten „absorbieren“ (Luhmann 1976: 174) oder „binden“ (Mieg 1994: 62). Ein verantwortliches Handeln aller Akteure und Organisationen würde Unsicherheiten entschärfen helfen, wenn ein angemessener Handlungsrahmen geschaffen wird.

Der akademische Diskurs um politische, rechtliche und ethische Verantwortung zeigt, dass ‚Verantwortung‘ zunächst unbestimmt ist und als Begriff gefüllt werden muss (vgl. Ott 1998). Begriffliche Unschärfe ist keineswegs auf ‚Verantwortung‘←146 | 147→ beschränkt, doch verbietet sie in diesem Fall, Verantwortung als Allheilmittel (vgl. Kaufmann 1992) gegen Unsicherheiten zu verwenden. Die Installation eines allgemeinen „Prinzips Verantwortung“ (vgl. Jonas 1979) allein wird beispielsweise für komplexe Probleme des Klimawandels noch nicht ausreichend sein, wenn tatsächliche Auffassungen vom verantwortlichen Umgang mit CE divergieren. Vielmehr muss geklärt werden, wie Verantwortung mit Bedeutung gefüllt wird und welche Akteure aufgrund welcher Normen wofür verantwortlich sind. Auf der einen Seite argumentieren NGOs und einige ExpertInnen, es sei unverantwortlich, unsichere CE-Technologien zu erproben und einzusetzen (vgl. ETC Group 2007), auf der anderen Seite argumentieren andere ExpertInnen, es sei unverantwortlich, nicht jedes Mittel gegen den Klimawandel zu erwägen (vgl. Harnisch 2012: 224).

Wir untersuchen deshalb, wie Verantwortung – von Subjekten, für etwas, aufgrund von Normen, kontrolliert von bestimmten Instanzen – und Unsicherheit – aus verschiedenen Gegenstandsbereichen, mit unterschiedlichen Ursachen, Folgen und Lösungsansätzen – im ExpertInnendiskurs von CE artikuliert und gerahmt werden. Dazu untersuchen wir Dokumente aus fünf einflussreichen Diskursarenen (Wissenschaft, Politik, Schnittstelle Wissenschaft-Politik sowie Zivilgesellschaft, letztere unterschieden in NGOs und Think Tanks). Mithilfe der Ergebnisse aus der Analyse gehen wir der Frage nach, wie verantwortliches Handeln von CE unter Bedingungen von Unsicherheit möglich ist.

Im Folgenden legen wir unser methodisches Vorgehen dar, welches im Kontext der Diskursforschung, genauer der wissenssoziologischen Diskursanalyse, zu verorten ist (Abschnitt 2). Anschließend beleuchten wir den klimapolitischen Kontext, der in der CE-Debatte den wichtigsten Bezugspunkt und gleichzeitig die Rechtfertigung für CE-Forschung und Entwicklung darstellt (Abschnitt 3). Wir analysieren dann, wie in verschiedenen Diskursarenen Unsicherheiten von CE mit spezifischen Deutungsmustern versehen werden (Abschnitt 4). Analog untersuchen wir die Deutungen des Verantwortungsbegriffs in den Diskursarenen (Abschnitt 5). Die Analysen von Unsicherheits- und Verantwortungskonzepten im CE-Diskurs nehmen wir zur Grundlage für Überlegungen, wie Bedingungen von Unsicherheit verantwortlich gehandhabt werden können (Abschnitt 6). Wir schließen mit einem Fazit (Abschnitt 7).

2 Methoden

In Technik- und Wissenschaftskonflikten, wie auch denen um CE, sind vor allem Diskurse interessant, die Sichtweisen pointiert zum Ausdruck bringen (z. B. in Form von auf Wissenschaft und Technik bezogenen Versprechen oder Befürchtungen) oder Aufschlüsse über weitere Problemkontexte erlauben (vgl. Simakova←147 | 148→ 2012). So versprechen Vorschläge der gezielten technischen Klimaintervention, das globale Klima abzukühlen und damit eine technische Lösung („technological fix“; Keith 2000: 247) für die Klimaerwärmung zu bieten, was Kritiker als ein durch Hybris gekennzeichnetes Unterfangen verwerfen (wie etwa Gore im Eingangszitat). Für viele überraschend, richtete das Pariser Klimaabkommen besondere Aufmerksamkeit auf bestimmte CE-Technologien, was sowohl die wissenschaftliche als auch politische Diskussion befeuerte (siehe Abschnitt 3). Gerade Diskursforschung ermöglicht es, politische und soziokulturelle Divergenzen offenzulegen und zugleich die spezifische Bewertung wissenschaftlich-technischer Aspekte zu berücksichtigen.

Spätestens seit dem vielbeachteten interdisziplinären Bericht der Royal Society (2009) engagieren sich Geistes- und Sozialwissenschaften zunehmend stark in der CE-Forschung. Viele der bisherigen sozialwissenschaftlichen und diskursanalytischen Arbeiten zu CE haben sich mit Medienrezeption, Metaphern- oder Bildanalysen auseinandergesetzt (vgl. z. B. Buck 2011; Curvelo 2012; Curvelo/Guimarães Pereira 2016). Kulturalistische Analysen zeigten auf, dass weniger die eigentliche Information als die kulturspezifische Rahmung über den Umgang mit CE entscheidet (vgl. Kahan et al. 2015). Analysen von politischen Dokumenten (in diesen Studien werden Texte staatlicher und zivilgesellschaftlicher Herkunft zusammengefasst, während wir zwischen diesen differenzieren) machten klare nationale Unterschiede in der Rahmung von CE deutlich (vgl. Janich/Simmerling 2013; Huttunen et al. 2014; Harnisch et al. 2015). Bibliometrische Analysen wiesen einen starken Anstieg von CE-relevanten Publikationen seit dem Jahr 2000 nach (vgl. Oldham et al. 2014; Linnér/Wibeck 2015).

CE fällt in den breiten Themenkreis wissenssoziologischer Gegenstände, wie „auch Konflikte über Grenzziehungen zwischen Natur und Gesellschaft, über die Definition von Risiken, über Szenarien zukünftiger Gesellschaftsentwicklung usw.“ (Keller 2013: 31). Obwohl CE bis vor zehn Jahren ein vornehmlich naturwissenschaftliches Thema war, sind dennoch sowohl wissenschaftliche als auch nichtwissenschaftliche Praktiken an der „kommunikativen Konstruktion, Stabilisierung und Transformation symbolischer Ordnungen“ (Keller 2004: 57) beteiligt. Diese kommunikativen Praktiken gilt es mit einer wissenssoziologischen Hermeneutik zu erforschen, wobei ‚Hermeneutik‘ weder die Auffassung eines Strukturalismus von Zeichen noch den von dem/der AutorIn intendierten Sinn meint (vgl. Dreyfus/Rabinow 1987: 11–13), sondern vielmehr eine kollektive Sinn- und Subjektkonstruktion (vgl. Bidlo/Schröer 2011: 15; Keller 2013: 44 f.).

Das Erkenntnisziel unserer Studie betrifft die von Reiner Keller vorgeschlagenen wissenssoziologischen Deutungsmuster oder Frames (vgl. Keller←148 | 149→ 2013: 46–49). Diese unterscheiden sich von subjektiven framings, welche zwar ebenfalls bestimmte Probleme definieren, auswerten und Lösungsvorschläge geben, aber vor allem als Mittel der Wahrnehmung gemeint sind (vgl. Entman 1993: 54). Wissenssoziologische Deutungsmuster werden subjektiv verwendet, jedoch im gesellschaftlichen Zusammenhang bereit- und hergestellt (vgl. Keller 2013). Damit sind sie außerdem in narrative Strukturen eingebettet und durch einen „roten Faden“ verbunden.

Konkret verfährt unsere Studie wie folgt: Das Korpus für alle Analysen umfasst gegenwärtig 810 Dokumente. Die Dokumente teilen sich auf in naturwissenschaftliche Studien und Kommentare (498), wissenschaftlich-politische Berichte (93), Dokumente aus Parlamenten, Regierungen oder Regierungsorganisationen (29), Veröffentlichungen von NGOs (103) sowie Veröffentlichungen von Think Tanks (32). Alle Dokumente wurden durch Suchverfahren von Google Scholar, JSTOR oder anderen Ressourcen unter der Verwendung allgemeiner (geo-engineering, climate engineering) wie auch spezieller Suchtermini (etwa iron fertilization oder cloud whitening) beschafft.

Mit der Technik des qualitativen Kodierens wurde in einer Stichprobe des Korpus (mindestens je 10 % der Texte einer der Diskursarenen) nach Deutungsmustern für ‚Unsicherheit‘ und ‚Verantwortung‘ gesucht. In einem ersten Schritt wurden alle Instanzen einer lexikalischen Suche nach Unsicherheit (uncertain*) und Verantwortung (responsib*) unterzogen, um im zweiten Schritt zufällig ausgewählte Texte offen zu kodieren. So konnte sichergestellt werden, dass sowohl explizite als auch implizite Unsicherheits- bzw. Verantwortungskonzepte erfasst wurden. Dabei wurden theoretische Annahmen erst im Nachhinein für die Zusammenfassung von einzelnen Kodes hinzugezogen, während beim ersten Lesen der Texte weitgehend am Material selbst gearbeitet wurde.

3 Climate Engineering vor und nach Paris 2015

Mit dem fünften Sachstandsbericht des Weltklimarates (Intergovernmental Panel on Climate Change/IPCC) wurden die Belege für den menschengemachten Klimawandel noch sicherer und die wahrscheinlichen Schäden für Mensch und Natur noch drastischer (vgl. IPCC 2014). Da ein verbindliches und wirksames Klimaabkommen für viele Jahre nach dem Kyoto-Protokoll (1997) nicht in Aussicht stand, haben sich einige ForscherInnen und ExpertInnen nach neuen Möglichkeiten zur Bekämpfung des Klimawandels umgesehen, wie etwa der gezielten Klimaintervention, dem Climate Engineering (CE). Diese Maßnahmen erschienen deshalb so attraktiv, da sie versprachen, bei geringem Material- und Geldeinsatz eine große Wirkung zu entfalten (vgl. Keith 2000, 2013). Die ak←149 | 150→tuelle internationale Diskussion um CE geht zurück auf zehn Jahre sich stetig intensivierender Forschung und eine wesentlich längere Geschichte von Debatten über Wetter- und Klimamanipulation (vgl. Fleming 2010). Erst mit der Diskursintervention des Chemie-Nobelpreisträgers Paul Crutzen im Jahr 2006 wurde CE als Möglichkeit der Lösung für das „politische Dilemma“ des Klimawandels offen in Erwägung gezogen (vgl. Crutzen 2006). Zu diesem Zeitpunkt nannte der Erdsystem- und Atmosphärenforscher Mark Lawrence – der seit einigen Jahren am Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) Forschung zu CE leitet – Crutzens Intervention „unverantwortlich“ (vgl. Lawrence 2006: 245).

Abb. 1: Publikationen von ExpertInnen zu Climate Engineering über die Zeit

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Charakteristisch für CE sind konkrete technologische Vorschläge und Anwendungsszenarien zur Regulation der globalen Mitteltemperatur. Daher stellt sich im Diskurs zunächst weniger die Frage, wofür oder wie CE verwendet werden könnte, sondern vielmehr, ob überhaupt. Das unterscheidet diesen Diskurs maßgeblich von anderen Technologiediskursen, wie etwa denen zur Bio- oder Nanotechnologie, die sich durch Differenzierungen entsprechend den sehr unterschiedlichen Anwendungsfeldern auszeichnen (vgl. Curvelo 2012: 193). Zumindest heutzutage, denn anfänglich waren auch diese Diskurse durch Fragen nach der prinzipiellen Zulässigkeit gekennzeichnet. Falls die Frage nach der Entwicklung von CE-←150 | 151→Technologien nicht grundsätzlich mit Nein beantwortet wird, ist also zu erwarten, dass sich auch bei CE die Diskussion in die Richtung genauer spezifizierter Ziel- und Anwendungsbestimmungen bewegen wird.

Trotz definierter Anwendungsmöglichkeiten von CE, bekannter Bedrohungsszenarien einer Klimakatastrophe sowie Risiken der CE-Technologien selbst, war bis vor einigen Jahren das Thema vor allem ein wissenschaftliches, an dem sich Medien, Zivilgesellschaft und Politik nur vereinzelt beteiligten, was sich nun zu ändern beginnt (siehe Abb. 1). Der Diskurs ist durch eine Vielstimmigkeit oder „Polyphonie“ (vgl. Angermüller 2011) gekennzeichnet, in der die Wissenschaft den größten Anteil hat. Dabei sind zwei Voraussetzungen zur Betrachtung dieser Vielstimmigkeit zu beachten: Erstens verbleiben viele der diskursiven Äußerungen in den Diskursarenen, in denen sie getätigt werden. Insbesondere wissenschaftliche Studien werden nur sehr selektiv – vor allem, wenn ermittelte CE-Effekte drastisch erscheinen – von Medien verbreitet oder in anderen Arenen diskutiert. Zweitens sind die Positionen der SprecherInnen an ungleich verteilte Ressourcen geknüpft. Neben finanziellen Ressourcen entscheiden auch der Zugang zu Medien wie auch die strategische Nutzung sozialer Netzwerke über die Durchsetzung von eigenen Ansichten und Argumenten (vgl. Tufekci 2017). Kleine Nichtregierungsorganisationen mögen zwar über das Internet offene Kanäle finden, haben aber dennoch weder die finanziellen Mittel, um Medienkampagnen zu tragen, noch die epistemische Autorität, um die Aufmerksamkeit im einschlägigen Wissenschaftsjournalismus zu erlangen. Warum der ExpertInnendiskurs vor allem von WissenschaftlerInnen dominiert wird, lässt sich nicht allein durch Ressourcen begründen, sondern muss durch ein Bündel an Bedingungen begründet werden, wie etwa klimapolitische Trends (vgl. Minx et al. 2017), begünstigte Forschung durch Vorarbeiten aus der konventionellen Klimaforschung (vgl. Wiertz 2015) und die Intervention wissenschaftlicher Autoritäten (vgl. Böttcher/Schäfer 2017).

Bis zu den Pariser Klimaverhandlungen 2015 (COP21) wurde CE vor allem als „Plan B“ gegen den Klimawandel gesehen, während Emissionsreduktion immer noch „Plan A“ blieb. Die britische Royal Society, eine wichtige und geschichtsträchtige Wissenschaftsorganisation, die sich auch an der Schnittstelle zur Politik engagiert, legte 2009 einen einflussreichen Bericht vor. Im Vorwort warnt der damalige Vorsitzende Lord Martin Rees davor, CE als eine einfache Lösung („magic bullet“) zu sehen (vgl. Royal Society 2009: V). Eine Befürchtung war, dass die Möglichkeit, CE als Substitut für Emissionsreduktion zu nutzen, zu einem „Moral Hazard“-Effekt führen könnte. „Moral Hazard“ würde in diesem Fall bedeuten, dass die Rückversicherung durch den Plan B der Klimaintervention die großen Anstrengungen für den Plan A der Emissionsreduktion hinfällig erscheinen las←151 | 152→sen könnte. Über die Wahrscheinlichkeit eines solchen Effektes auf Politik und Öffentlichkeit wurde bisher kontrovers diskutiert (vgl. Übersicht in Lin 2012). Jedoch bleibt die CE-Forschung ambivalent: Die Forschung könnte einen negativen Einfluss auf klimapolitische Bemühungen haben, aber sie könnte auch den Optionsraum der Klimapolitik erweitern. So hat das DFG-Schwerpunktprogramm „Climate Engineering: Risks, Challenges, Opportunities?“ (SPP 1689), in dessen Kontext der vorliegende Beitrag entstanden ist, es sich zur Aufgabe gemacht, die wissenschaftlichen und technischen Grundlagen von CE-Ansätzen sowie ihre ethischen, politischen und gesellschaftlichen Implikationen zu untersuchen, ohne zugleich deren Anwendung zu forcieren (vgl. Oschlies/Klepper 2017).

COP21 endete in dem unerwarteten klimapolitischen Erfolg einer verbindlichen Begrenzungsmarke von maximal 2°C Erwärmung – oder sogar möglichst nur 1,5°C –, woraufhin sich der Stellenwert von CE in der Debatte abrupt änderte (vgl. Anderson/Peters 2016; Minx et al. 2017). Grund dafür ist auch, dass im Text des Pariser Abkommens nicht festgelegt wurde, wie das 2°C-Ziel erreicht werden solle. Der Text ließ offen, ob bestimmte CE-Methoden Verwendung finden dürfen. Mehr noch, das gleichermaßen wichtige wie ambitionierte 2°C-Ziel impliziert schon, dass bestimmte CE-Maßnahmen, oft unter der Bezeichnung negative Emissionen (negative emissions technologies/NETs) geführt, eingesetzt werden, um das Ziel überhaupt einhalten zu können (vgl. Anderson/Peters 2016; Geden 2016b). ForscherInnen gehen davon aus, dass die Emissionen nicht nur auf Null sinken müssten, sondern, ähnlich wie bei sogenannten „negativen Steuern“, als „negative Emissionen“ CO2 der Umwelt zu entziehen hätten. Technologische Konzepte der CO2-Sequestrierung mit Bioenergie (Bioenergy with Carbon Capture and Storage/BECCS) könnten eine kohlenstoffnegative Bilanz erzeugen helfen, sind jedoch erst in der Entwicklung.

Die Idee dieses Verfahrens ist, dass Pflanzen zur Biotreibstofferzeugung (BE) selbst CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und dass die Abgase des verbrannten Treibstoffs aufgefangen und geologisch oder ozeanisch gespeichert werden (CCS). BECCS ist in der Theorie CO2-negativ und in der Praxis kaum erprobt. Es bringt Probleme wie Flächennutzungskonflikte durch Energiepflanzengewinnung und die Voraussetzung geeigneter CO2-Endlagerstätten mit sich. Aus diesem Grund protestieren Umweltorganisationen gegen eine schleichende Konsolidierung von BECCS in der klimapolitischen Debatte (sehr aktiv ist vor allem Biofuelwatch, http://www.biofuelwatch.org.uk/).

BECCS ist nur ein Beispiel für Vorschläge einer „strategischen Nutzung“ (Long/Shepherd 2014) von CE, die jüngst stärker diskutiert wird. Vor COP21 war CE als „Plan B“ das vorherrschende Begründungsschema, was sich nach COP21←152 | 153→ zu einem Ansatz der Kombination von Mitigation und CE wandelte. CE könnte demnach komplementär zur Emissionsreduktion (Mitigation) und Anpassung an mögliche Klimafolgeschäden (Adaption) eingesetzt werden – als Ergänzung des klimapolitischen Portfolios. Während sich die wissenschaftlichen Einschätzungen von Risiken und Unsicherheiten von CE in den letzten zehn Jahren nicht grundsätzlich verändert haben (obwohl sie genauer und differenzierter geworden sind), hat sich jedoch die politische Rahmung gewandelt, innerhalb derer Risiken und Unsicherheiten von CE im Vergleich mit denen des Klimawandels bewertet werden.

Sowohl WissenschaftlerInnen als auch viele andere, die in Politik und Zivilgesellschaft sowie an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik CE kommentieren, fordern eine Regulierung von Forschung, Entwicklung und möglicher Anwendung auf mehreren Ebenen, wie etwa der wissenschaftlichen Selbstverwaltung, der internationalen Politik und der öffentlichen Beteiligung. Governance als offenes Konzept beantwortet jedoch noch nicht, auf welchen Grundlagen Akteure und Kollektive handeln und entscheiden sollen. Aus diesem Grund sind Fragen nach Verantwortung zentral: Wie kann eine verantwortliche Forschung zu CE geschehen? Wäre ein „strategischer Einsatz“ von CE nach Maßstäben internationalen Rechts verantwortbar? Können Verantwortungsprinzipien, wie Verhaltensregeln für die Wissenschaft oder Maßstäbe für die Politik, die großen Unsicherheiten in der CE-Forschung politisch überbrücken, sodass verantwortlich entschieden werden kann? Diese und weitere Fragen waren auch Thema der oben genannten Stellungnahme der DFG (NKGCF et al. 2012). Sie sind Teil der deutschen und internationalen Debatte.

Die Möglichkeit eines zerstörerischen Klimawandels, bei gleichzeitigen Ungewissheiten über dessen Ausmaß, macht die globale Dimension gegenwärtiger Unsicherheiten deutlich (vgl. Beck 2007). Jedoch sind Unsicherheiten allein nicht handlungsleitend (vgl. Luhmann 1991), da sie sowohl politisches Handeln oder Nichthandeln begründen können. Unsicheres Wissen in der Klimaforschung kann die Vorsorge für den Ernstfall begründen oder den Verbleib beim Status quo rechtfertigen. Die Unsicherheit überträgt Individuen, Institutionen und Kollektiven „die ultimative Verantwortung des Entscheidens“ (Beck 2007: 347) mit weitreichenden Folgen. Risikoreiche Technologien wie CE werfen also ganz besondere Verantwortungsfragen auf. Deshalb werden wir den Zusammenhang von Unsicherheit und Verantwortung im Diskurs um CE genauer beleuchten.←153 | 154→

4 ‚Unsicherheit‘ in CE-Diskursen

Unsicherheiten von CE haben verschiedene Ursachen und Folgen, denen auf unterschiedliche Art und Weise begegnet werden kann. In den fünf untersuchten Arenen finden sich divergente Perspektiven auf auftretende Unsicherheiten, sei es als kategorisches Argument gegen CE (wie von einigen NGOs vorgebracht) oder als Begründung für die Notwendigkeit weiterer Forschung (wie von Wissenschaft und Politik gefordert).

Unsicherheiten werden in Deutungsmuster eingefasst, die sich in drei inhaltliche Kategorien sowie in eine funktionale Kategorie unterscheiden lassen:

Ursachen: Eine klare Einteilung von Unsicherheiten entsprechend den Diskursarenen, d. h. in naturwissenschaftlich-technische und soziale Unsicherheiten, würde zwar einer Unterscheidung von Forschung in mathematischen Erdsystem-Modellen einerseits und politisch-sozialen Debattenbeiträgen andererseits entsprechen, allerdings lässt sich diese klare Trennung nicht durchgängig aufrechterhalten. Denn auch aus naturwissenschaftlicher Sicht wird oft danach gefragt, für welche Menschen, Staaten etc. die Unsicherheiten von CE von Bedeutung sind. Außerdem beziehen sich oft gerade WissenschaftlerInnen in ihren Kommentaren auf soziale Unsicherheiten, während andere Akteure wiederum wissenschaftliche Unsicherheiten als Argument (gegen CE oder für mehr Forschung) verwenden. Auffällig ist der hohe Differenzierungsgrad von Ursachen der Unsicherheit, während Folgen und mögliche Lösungen weniger ausgeprägt diskutiert werden. Insgesamt sehr häufig werden Unsicherheiten generell problematisiert, ohne zu spezifizieren, welchen Gegenstandsbereich sie betreffen. Viele Unsicherheiten haben ihren Ursprung in der naturwissenschaftlichen Betrachtung von CE: im wissenschaftlichen Verständnis des Klimawandels sowie von CE allgemein, in Messungen in Feldexperimenten, in der Modellierung (vgl. z. B. den Beitrag von Oschlies in diesem Band), in der Rolle von Kohlenstoff, der technischen Umsetzung von CE, den Folgen auf größerer Skala, den Diskussionen innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft sowie in deren Kommunikation nach außen. Andere Unsicherheitsdeutungen sind nicht oder nicht ausschließlich auf Wissenschaft bezogen: Machbarkeit, Potenziale, Unsicherheitsmanagement, soziale oder politische Unsicherheiten und das Fehlen eines Präzedenzfalles für einen CE-Einsatz.

Folgen: Nicht jede (Neben-)Folge eines großskaligen Feldexperiments oder eines tatsächlichen Einsatzes von CE muss einen Schaden bedeuten. Des←154 | 155→halb sind die Unsicherheiten hier von Risiken zu trennen, denn bei Risiken wäre zumindest sicher, dass ein Schaden eintreten kann, wenn auch unsicher ist, mit welcher Wahrscheinlichkeit und in welcher Größe. Unsichere Folgen werden so gedeutet, dass sie Ökosysteme, Gesellschaften oder Ökonomien betreffen können (wobei die Unterscheidung zwischen Gesellschaft und Ökonomie Teil des Deutungsmusters selbst ist – Ökonomie ist ja, soziologisch gesprochen, Teil von Gesellschaft). Ein wesentlicher Grund für die große Unberechenbarkeit von sozialen Folgen ist die Beschränkung in Erdsystem-Modellen auf einige wenige Ausgabegrößen. Wenn der Einsatz von Schwefelaerosolen in der Atmosphäre nicht nur die Temperatur, sondern auch die Niederschlagsmuster auf der Erde verändern würde, dann wären zwar Schäden durch Dürren oder Überschwemmungen denkbar, was dies aber für Menschen oder Gesellschaften vor Ort bedeutet, hinge von vielen natürlichen und sozialen Faktoren ab. Der tatsächliche Impact kann aus unsicheren Folgen nicht abgeleitet werden, sie können aber zumindest die Aufmerksamkeit auf wichtige Leerstellen lenken.

Lösungen: Ähnlich wie Folgen werden auch die Lösungsansätze von Unsicherheitsproblemen kaum genauer definiert. Da aus einer Unsicherheit keine eindeutige Handlungsoption abgeleitet werden kann, ist eine wichtige Strategie, den aktuellen Status der Unsicherheit aufzulösen. Die Royal Society fordert, Unsicherheiten in Risiken zu überführen, da diese sich in Form des Risikomanagements bearbeiten lassen (vgl. Royal Society 2009: 37 f.). Die Stoßrichtung der meisten in den untersuchten Dokumenten auffindbaren Vorschläge zum Umgang mit Unsicherheiten von CE lautet „mehr Forschung“. Oft wird mehr Forschung generell, nicht selten aber werden entweder bessere Modellierung oder Feldexperimente gefordert (vgl. auch den Beitrag von Held in diesem Band). Insbesondere das Spannungsverhältnis zwischen sicherer Modellierung am Computer und unsicheren Experimenten im Freien ist nicht nur unter WissenschaftlerInnen, sondern auch unter anderen DiskursteilnehmerInnen stark umstritten.

Funktionale Verwendung: Im Prozess des lexikalischen Kodierens aller Instanzen von ‚Unsicherheit‘ (Suchterm: uncertain*) tauchten viele Textstellen auf, die Unsicherheit funktional im Text verwenden. Oft werden im Literaturverzeichnis Titel genannt, die Unsicherheit enthalten, ohne dass der Artikel selbst Unsicherheiten zum Thema macht. Diese Verwendung der Kategorie ist also als eine Art „Ausschuss“ zu sehen.←155 | 156→

Tab. 1: Prozentuale Verteilung von Deutungsmustern von ‚Unsicherheit‘ über die Arenen

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Die Tabelle zeigt die Unterschiede zwischen den gefundenen und interpretativ zusammengefassten Kategorien über die Arenen hinweg. Die Prozentwerte zeigen an, wie die Häufigkeitsverteilung einer einzelnen Kategorie beschaffen ist. Für die folgende Beschreibung der Unsicherheitsbegriffe einer Arena wurde diese Häufigkeitsübersicht als ein Hinweis auf Bedeutungsunterschiede genommen, im Weiteren wurden aber vor allem die Inhalte der kategorialen Zuweisungen – die Textstellen selbst – als interpretative Grundlage verwendet.

‚Unsicherheit‘ in der Wissenschaft: Unsicherheiten sind ein grundlegendes Problem der CE-Forschung. Wer sich mit Klimaforschung beschäftigt hat und anschließend CE-Methoden erforscht, weiß, dass jede zukünftige Entwicklung des Klimas mit breiten Unsicherheitsmarkern versehen werden muss. Innerhalb der Wissenschaft ist unumstritten, dass Klimamodelle allgemein und spezielle Simulationen von CE immer in Unkenntnis verschiedener Prozesse stattfinden (beispielsweise der Änderungsgeschwindigkeit von tiefen Meeresströmungen, die Nährstoffe und Kaltwasser an die Meeresoberfläche bringen, oder der exakten Größe des Material- und Energieaustausches zwischen Stratosphäre und Troposphäre). Die Folgen eines CE-Einsatzes werden vor allem in ökologischer Hinsicht adressiert, da ökonomische und gesellschaftliche Größen nicht zum Repertoire von Erdsystem-Modellen gehören. Sogenannte Integrated Assessment Models (IAMs), welche einige ökonomische Faktoren berücksichtigen, spielen bisher eine untergeordnete Rolle, nehmen aber in ihrer Bedeutung zu. Die im Diskurs vertretenen CE-ForscherInnen fordern ausnahmslos mehr Forschung, während einige wenige Außenseiterstimmen, wie z. B. der IPCC-Autor Raymond Pierrehumbert, Forschung ablehnen. Einige WissenschaftlerInnen halten Feldexperimente für so unsicher, dass diese vorerst nicht durchgeführt werden sollten, andere wiederum möchten Unsicherheiten in Modellierungen durch Messungen im Rahmen von Feldexperimenten reduzieren.

Unsicherheiten in der Klimaforschung sind nicht aus der Welt zu schaffen. Zwar hängt die Genauigkeit von Klimamodellen unter anderem von der vorhandenen Rechenkapazität der Supercomputer ab und Klimamodelle müssen immer etwas ungenauer gemacht werden, damit sie überhaupt funktionieren (vgl. Edwards 2001: 55 f.), aber gleichzeitig fördert auch die Verbesserung von Modellen bei gesteigerter Rechenleistung oft noch mehr Unsicherheiten zutage (vgl. Maslin/Austin 2012: 183). Die auf Klimamodelle gestützte Forschung zu CE erbt diese Paradoxie der Unsicherheit aus der Klimaforschung, da dieselben Modelle in leicht angepasster Form auch hier Verwendung finden.←157 | 158→

‚Unsicherheit‘ an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik (SciPol): Dokumente von der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik (engl. science-policy interface, SciPol) umfassen Berichte von parlamentarischer Technikfolgenabschätzung (z. B. Umweltbundesamt 2011), Stellungnahmen von Wissenschaftsorganisationen (z. B. Deutsche Physikalische Gesellschaft 2012) oder ähnlicher Schnittstellen-Organisationen (z. B. IPCC; zum Konzept der „boundary organizations“ vgl. Guston 2001; Beck 2009). Die oft interdisziplinär arbeitenden ExpertInnen müssen ihre Berichte differenziert und ausgewogen gestalten. Die Namen auf den Berichten sind oft dieselben wie auf wissenschaftlichen Publikationen, jedoch haben die AutorInnen in dieser Diskursarena die Rolle der Beurteilung und teils auch der Politikberatung. In den Berichten werden zahlreiche soziale und wissenschaftliche Ursachen von Unsicherheit thematisiert, wobei im Vergleich zu den anderen Arenen die sozialen Unsicherheiten besonders stark betont werden (soziale Unsicherheiten kommen zu ungefähr 60 % in dieser Arena vor, siehe Tab. 1). Die Konstruktion des Forschungsgegenstandes im Rahmen eines klimapolitischen Stillstandes wird in SciPol besonders reflektiert, was auch den Beiträgen von Sozial- und GeisteswissenschaftlerInnen geschuldet ist. In monodisziplinären Gutachten von wissenschaftlichen Fachverbänden kommt naturgemäß vor allem die eigene disziplinäre Ausrichtung zum Tragen. Beispielsweise betont ein Ingenieursverband, dass Ingenieure sich schon immer mit dem Management von Unsicherheiten beschäftigt hätten und von daher für die Entwicklung von CE geeignet seien (vgl. Engineering Committee for Oceanic Resources 2011: 48).

‚Unsicherheit‘ in der Politik: Nur eine geringe Anzahl an Texten aus Parlamenten und Regierungen ließ sich finden, die sich dezidiert mit CE befassen. In ihnen werden die Machbarkeit und das wissenschaftliche Verständnis von CE-Methoden generell angezweifelt. Immer wieder wird betont, dass der Politik nicht genügend Forschungsergebnisse vorlägen, um CE abschließend bewerten zu können. Dieses Defizit drückt auch die internationale Organisation zum Schutz der Meere aus:

Geo-Engineering könnte Teil einer Antwort auf diese Herausforderungen [hier: Ozeanversauerung, N.M./D.B.] sein: allerdings geht die Familie an Technologien mit einer erweiterten Familie von Problemen einher. Governance und Regulierung, selbst die der Forschung, stecken noch, wie die Technologien selbst, in den Kinderschuhen. (Global Ocean Commission 2013: 11, eigene Übersetzung)

Es müssten erst mehr Unsicherheiten beseitigt werden, bevor man überhaupt eine Stellungnahme abgeben könne. Diese Einstellung in den vorliegenden Do←158 | 159→kumenten trägt auch zur Erklärung bei, warum CE in vielen anderen Bereichen der Politik kaum diskutiert wird und es beispielsweise keine offizielle Stellungnahme der US-Regierung gibt. So hatte das Global Change Research Program der Obama-Administration vorgeschlagen, die „Möglichkeiten, Beschränkungen und potenziellen Nebenfolgen“ von CE zu erforschen (U.S. Global Change Research Program 2017: 37).

‚Unsicherheit‘ bei Nichtregierungsorganisationen (NGOs): In der Diskursarena der NGOs sammeln sich Umweltorganisationen, Aktionsnetzwerke und Hilfsorganisationen. Ihre Einstellung zu CE spaltet NGOs in zwei Lager. Eher traditionelle, linksorientierte NGOs lehnen CE als zu unsicher und unverantwortlich ab. Sogenannte „ökopragmatische“ NGOs fordern dagegen einen pragmatischen und verantwortlichen Umgang mit CE-Unsicherheiten.

Traditionelle NGOs nutzen Risiken und Unsicherheiten als Argumente gegen CE-Forschung und -Entwicklung. Die Forschung selbst sehen sie als Ablenkung vom eigentlichen Ziel, das Klima durch Emissionsreduktionen nachhaltig zu schützen. Unsicherheiten werden von ihnen als Ressource (vgl. Groß 2007) genutzt, um CE zu verhindern. Darüber hinaus werden einige Unsicherheiten und Risiken in Gewissheiten übersetzt. „Techniken und Experimente im Geo-Engineering werden spezifische negative Auswirkungen auf das soziale Gefüge und die Umwelt haben.“ (Bronson 2012: 52)4

Die ökopragmatischen NGOs deuten CE als eine zum aktuellen Zeitpunkt unsichere, aber möglicherweise vorteilhafte und kontrollierbare Technologie: Damit CE für den Klimaschutz genutzt werden könne, müssten zuerst Unsicherheiten aufgelöst und Potenziale erforscht werden (vgl. EDF et al. 2011). Diese NGOs arbeiten mit ForscherInnen und Think Tanks zusammen, um CE auf eine sichere und verantwortungsvolle Weise zu entwickeln.

‚Unsicherheit‘ bei Think Tanks: Think Tanks, Stiftungen und ähnliche Organisationen bieten eine große Vielfalt an Perspektiven auf Erforschung, Entwicklung und mögliche Anwendung von CE. In ihren Gutachten werden Bewertungskategorien stark ausdifferenziert, ohne eigene Präferenzen deutlich zu markieren. Dennoch unterscheiden sich progressive Think Tanks wie das Woodrow Wilson Center, welche Global Governance anstreben, und konservative Think Tanks←159 | 160→ wie das American Enterprise Institute, welche auf nationale Interessen abzielen, deutlich. Allen Think Tanks ist die Problematisierung und Analyse insbesondere von politischen sozialen Unsicherheiten wichtig (siehe Tab. 1).

Über alle Arenen hinweg wird eine große Vielschichtigkeit bei der Thematisierung von Unsicherheiten mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen deutlich. Viele Diskursakteure verwenden Unsicherheiten als argumentative Ressource. Für die Wissenschaft, aber auch viele andere, sind Unsicherheiten eine Begründung für größere Forschungsinvestitionen. Für die Politik bedeuten Unsicherheiten in der Forschung ein Hindernis für eine aktuelle politische Bewertung. An der Schnittstelle zwischen Politik und Wissenschaft wird eine differenzierte Betrachtung von Unsicherheiten als eigenes Qualitätsmerkmal verstanden. Traditionelle NGOs hingegen sehen manche Unsicherheiten als schon weitgehend sichere Gefahren, während ökopragmatische NGOs ein Management von Unsicherheiten in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren forcieren. Think Tanks nutzen Unsicherheiten zur Analyse von CE, deren Perspektive durch die jeweilige, möglicherweise politische, Programmatik gefärbt sein kann.

Eine besondere Rolle kommt den NaturwissenschaftlerInnen zu. Verschiedene Akteure beziehen sich in den meisten, freilich nicht allen, Deutungen von Unsicherheiten auf die Natur- und Ingenieurswissenschaften. Unsicherheiten werden von allen Akteuren vorgebracht und thematisiert, jedoch jeweils unterschiedlich bewertet oder argumentativ genutzt (vgl. Janich/Simmerling 2013). Insbesondere Unsicherheiten im Klimasystem und in dessen Modellierung, welche von NaturwissenschaftlerInnen seit ungefähr zwei Jahrzehnten für CE untersucht werden, sind im Diskurs besonders stark vertreten. Soziale und politische Unsicherheiten (wie etwa mögliche zukünftige Konflikte im internationalen System) werden zwar von NaturwissenschaftlerInnen angesprochen, jedoch von Sozialwissenschaften, Politik, NGOs und Think Tanks weitaus differenzierter problematisiert und analysiert.

5 ‚Verantwortung‘ in CE-Diskursen

Philosophiegeschichtlich ist Verantwortung ein junger Begriff und ersetzt oder ergänzt den viel älteren Gerechtigkeits-Begriff. Angesichts großer Potenziale und Risiken moderner Technologien liegen Fragen nach der Verantwortung in Forschung und Entwicklung nahe. Die als „Russel-Einstein-Erklärung“ bekannte Warnung vor den Gefahren der Nuklearwaffen war in den 1950er-Jahren ein Appell an die kollektive Verantwortungsübernahme durch WissenschaftlerInnen (vgl. Neuneck 2007; Bartosch et al. 2017). Doch nicht immer wollten Akteure aus←160 | 161→ Wissenschaft, Politik und Wirtschaft Verantwortung für die Folgen ihres Handelns übernehmen, insbesondere wenn die Handlungen in eine andere Sphäre hineinreichen, wie es bei der Verantwortungsübernahme der Atomwissenschaftler für den möglichen Einsatz der Technologien geschehen ist. Edward Teller, einer der „Väter“ der Wasserstoffbombe und gleichzeitig Befürworter von RM-Forschung, sprach sich damals zwar dafür aus, die Bevölkerung zu informieren, aber die Wissenschaft habe trotzdem die Pflicht, Kernenergie schrankenlos und schnell zu entwickeln (vgl. Mitcham 1987: 11).

In einer Sprechsituation bedeutet ‚etwas verantworten‘ normalerweise, Rechenschaft schuldig zu sein. „Der Kern des Verantwortungsbegriffs ist das ‚verantwortende‘ Ablegen von Rechenschaft vor anderen für eigene Verhaltensweisen als zurechenbare Handlungen angesichts geltender Normen und Werte“ (Ott 1998: 580, Hervorhebungen im Original). Dabei muss betont werden, dass Verantwortung selbst keine Norm ist, sondern sich auf Normen und Werte bezieht. Wenn also von verantwortungsvoller Politik, Wissenschaft etc. gesprochen wird, existiert noch kein normativ begründetes Handeln. Erst muss erklärt werden, was Verantwortung bedeutet: Wer verantwortlich ist (Subjekt), wofür (Objekt), aufgrund wovon (Norm) und wem gegenüber (Institution) (vgl. auch den Beitrag von Janich/Stumpf in diesem Band). Statt der hier vorgeschlagenen vier Stellen ließe sich etwa auch ein Verantwortungsbegriff mit nur drei oder mit bis zu sieben Stellen konstruieren (vgl. Ropohl 1996). Hier geht es allerdings um einen handhabbaren, dem Untersuchungsgegenstand angemessenen Begriff.

Schon bei der kursorischen Lektüre und im lexikalischen Durchsuchen des Korpus zeigte sich, dass Governance ein zentrales Thema ist, während Verantwortung eine eher untergeordnete Rolle zu spielen scheint. Governance, im Sinne von politischem Entscheiden und regulativem Handeln, wird in allen Teildiskursen als wichtige Herausforderung für die Erforschung, Entwicklung und Anwendung von CE gesehen, während Verantwortung zwar als wichtig erscheint, ohne meistens aber genauer bestimmt zu werden. Für die vier Instanzen von Verantwortung sind im Korpus vielfältige Deutungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten je nach Diskursarenen nachweisbar. Hier werden zunächst die tatsächlich gefundenen Kategorien erklärt.

Die Sprechakte von Verantwortung in allen Diskursarenen lassen sich in sechs Kategorien einteilen, wobei die ersten vier die Leerstellen des Verantwortungsbegriffes betreffen und die letzten beiden weitere Funktionen erfüllen:←161 | 162→

Subjekt: Im doppelten Sinn von Subjekt (vgl. Foucault 2005: 245) können Akteure selbst verantwortlich handeln (Handlungssubjekt) oder aber verantwortlich gemacht werden (unterworfenes Subjekt). Als Subjekte von Verantwortung können Gruppen (wie WissenschaftlerInnen, UnternehmerInnen oder PolitikerInnen), Organisationen (wie NGOs) oder Institutionen der internationalen Politik (wie Staaten oder die UN) gemeint sein. Im CE-Diskurs können Subjekte nicht immer identifiziert werden. In den untersuchten Dokumenten wird oft auf das Attributionsproblem hingewiesen, welches Unsicherheit in der Zuordnung von Effekten zu handelnden Subjekten markiert.

Objekt: Das Objekt bezeichnet, wofür ein Subjekt verantwortlich gemacht wird. Dabei handelt es sich um weitreichende Ziele, wie das Bewahren der Erde oder die Zukunft der Menschheit, oder auch die konkrete Forschungsarbeit oder die Anwendungsentscheidung. Wenn Subjekte für Emissionen verantwortlich gemacht werden, ist damit eine historische Schuld gemeint und nicht, wie in den vorangegangenen Beispielen, eine Aufgabenverantwortung (siehe hierzu auch unten: Typen von Verantwortung).

Norm: Verantwortung ist selbst keine Norm, sondern rekurriert auf Normen (vgl. Ott 1998: 582). Normen bilden die Grundlage für verantwortliches Handeln. Sie werden nicht immer klar benannt, teilweise sind sie implizit vorhanden, aber oft nicht aus konkreten Sprechakten zu identifizieren. Wenn Normen erkennbar sind, beziehen sie sich auf dem Thema CE übergeordnete Größen, wie etwa verantwortliche Forschung und/oder verantwortliche Governance, Rationalität oder Schuld. Im Korpus werden Normen selten begrifflich diskutiert und bleiben unbestimmt.

Institution: Im Zusammenhang mit Verantwortungsbegriffen meinen Institutionen eine Kontrollinstanz. Zwar können Subjekte autonom unter akzeptierten Normen auf ein Verantwortungsobjekt hin handeln; wenn eine Norm als Handlungsanleitung nicht ausreicht, können Institutionen oder ähnliche Instanzen dieses Handeln kontrollieren. Verantwortliche Forschung und Governance wären von internationaler Politik oder Recht zu kontrollieren oder aber von der wissenschaftlichen Gemeinschaft selbst.

Typen von Verantwortung: Verantwortungstypen liegen quer zu den vier vorgenannten Kategorien. So wäre wissenschaftliche Verantwortung für ein Impact Assessment auf Grundlage von Regeln verantwortlicher Forschung eine Art Berufsethik, während für die Emissionen von Industriestaaten, die zum Klimawandel geführt haben, eine historische Verantwortung übernommen werden muss. Diese Beispiele aus unseren Ergebnissen zeigen, wie unterschiedlich die Bezugnahme auf Verantwortung erfolgen kann.←162 | 163→

Funktionale Verwendungen: Im Prozess des lexikalischen Kodierens aller Instanzen von ‚Verantwortung‘ (Suchterm: responsib*) tauchten viele Textstellen auf, die den Begriff der Verantwortung funktional im Text verwenden. Der häufigste Fall ist, dass die verantwortlichen AutorInnen genannt werden. Damit wird Verantwortung zwar wörtlich verwendet, aber keine Verantwortung adressiert, die im Rahmen von CE Bedeutung hätte. Diese Kategorie ist wieder als eine Art „Ausschuss“ zu sehen.

Tab. 2: Prozentuale Verteilung von Deutungsmustern von ‚Verantwortung‘ über die Diskursarenen

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←163 | 164→

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Analog zu Tabelle 1 zeigt Tabelle 2 die aggregierten Kategorien von ‚Verantwortung‘ über die fünf Diskursarenen hinweg. Die Prozentzahlen zeigen die jeweilige Häufigkeit einer Einzelkategorie relativ zu den jeweils anderen Arenen.

‚Verantwortung‘ in der Wissenschaft: In wissenschaftlichen Studien halten sich WissenschaftlerInnen zumeist an das Objektivitätsgebot und sprechen, bis auf ←164 | 165→ wenige Ausnahmen, wenig über Verantwortlichkeiten. In den Einleitungen und Resümees der Studien wird in sehr allgemeiner Form von ethischer Verantwortung angesichts der großen Hebelwirkung von CE gesprochen. Beispielsweise begründen die AutorInnen einer Modellierungsstudie ihre CE-Forschung damit, dass man CE-Risiken erforsche und den Klimawandel „verantwortlich adressieren“ müsse (Mitchell et al. 2011: 258). Im Gegensatz zu dieser forschungsethischen und -politischen Verwendung von Verantwortung, zeigt sich in der Textsorte der Wissenschaftstexte ein anderer Umgang mit verantwortlich. Sätze wie „CO2 ist verantwortlich für den Klimawandel“ (z. B. Titel „CO2-induced climate change“ in Bala/Caldeira 2000) zeichnen sich durch eine agenslose Sprache aus, bei der die menschlichen Handlungen, die zu Emissionen geführt haben, hinter der Beschreibung von CO2-Wirkungen zurücktreten. Statt über von Menschen verursachte Emissionen zu sprechen, steht das nicht weiter erläuterte Molekül CO2 als Stellvertreter für einen ganzen Grund-Folge-Zusammenhang.

In wissenschaftlichen Kommentaren und Editorials befürworten viele WissenschaftlerInnen eine Selbstregulierung der Forschung gemäß verantwortungsbezogener und rationaler Prinzipien. WissenschaftlerInnen adressieren sich oft selbst als Verantwortungssubjekte (siehe Tab. 2, Subjekt: CE-ForscherInnen). Dabei führen sie Debatten über legitime Forschungspolitik und Feldexperimente (siehe Tab. 2, Objekt: Forschungsgovernance, Normen: verantwortliche Governance, Forschung und Anwendung), wie sie sich auch in der Idee der „erlaubten Zone“ für Feldexperimente widerspiegelt („allowed zone“, Wood/Ackerman 2013: 468). Die Forschungsergebnisse sollen der Öffentlichkeit und der Politik mitgeteilt werden, damit letztere entsprechend verhandeln und entscheiden können. Regierungen werden in der Verantwortung gesehen, Forschung zu fördern. Auch in den USA gibt es eine große Forschungsgemeinschaft, aber bislang kein nationales Forschungsprogramm, wie in Deutschland etwa das Schwerpunktprogramm 1689 der DFG. Abgesehen von ihren wissensbezogenen Aufgaben sprechen WissenschaftlerInnen offen über ihre Befürchtungen bezüglich der Folgen des Klimawandels. Normen nüchtern-rationaler Wissenschaft und die Sorge um unsere Welt können sich im selben Artikel gegenüberstehen.

Innerwissenschaftliche Kontroversen zeichnen sich im vorliegenden Korpus ab, aber auch vor allem in den geführten Interviews (systematische Auswertungen werden später veröffentlicht), auf Konferenzen und Mailinglisten, zu denen die AutorInnen Zugang haben. Streitpunkte sind vor allem die Notwendigkeit und Nützlichkeit von Feldexperimenten sowie die Einschätzung von Potenzialen und Risiken einzelner Technologien. So lässt sich durchaus von „Lieblingstechnologien“ einiger WissenschaftlerInnen sprechen, die im Diskurs gegeneinander antreten.←165 | 166→

‚Verantwortung‘ an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik (SciPol): Parlamentarische Technikfolgenabschätzung, Wissenschaftsverbände und Organisationen, in denen wissenschaftliches Wissen auf seine Politikrelevanz geprüft und weiterverarbeitet wird, weisen einen stark politik- und rechtsbezogenen Verantwortungsbegriff auf. Als Verantwortungssubjekte werden vor allem nationale Regierungen und internationale Institutionen (UNO, Mitglieder des UNFCCC5, nationale Agenturen wie die US Environmental Protection Agency etc.) angesprochen, welche sich um einen demokratischen Prozess in der Verhandlung über die Erforschung und Entwicklung von CE bemühen sollen. Verantwortungsvolle Governance und Forschung sowie Wohlfahrt und Demokratie sind grundlegende Normen in diesen Gutachten. Hier wären wiederum internationale Institutionen und Recht Kontrollinstanzen. Rechtliche, politische und naturwissenschaftliche Fragen verschränken sich im Attributionsproblem. Während FachwissenschaftlerInnen und Wissenschaftsorganisationen die aktuelle Erderwärmung eindeutig anthropogenen Ursachen zurechnen (vgl. Cook et al. 2016), sind konkrete und lokale Klimaschäden schwer dem Handeln einzelner Akteure zuzuordnen. Intentionale Eingriffe in das Erdsystem benötigen demnach klar nachweisbare Zurechenbarkeiten, damit diejenigen, die einen Eingriff durchführen, dafür zur Rechenschaft gezogen werden können.

‚Verantwortung‘ in der Politik: In Dokumenten aus parlamentarischen oder Regierungskreisen wird CE vor allem als Problem der Unsicherheits- und Risikoregulierung gesehen. Während ethische Fragen keine Rolle spielen, werden negative Auswirkungen von CE besonders betont. In der professionalisierten Politik werden Regierungen in der Verantwortung nicht nur für Lösungsansätze gegenüber dem Klimawandel, sondern auch für Entscheidungen über die Erforschung, Entwicklung und mögliche Anwendung von CE gesehen. Vertrackte Sachlagen, die der Ausdruck „wicked problems“ (Grundmann 2016) beschreibt, tauchen auch im Diskurs der Politikarena auf: Die internationale Politik ist sowohl für die Verschärfung des Klimawandels verantwortlich als auch für Lösungsbeiträge in Form von Emissionsreduktionen und Anpassungsmaßnahmen gegenüber Klimafolgeschäden sowie für Entscheidungen über die Verwendung von CE. Entscheidungskompetente Akteure sind in institutionelle Settings unterteilt, als←166 | 167→ einzelne Politiker, Ministerien, Regierungen und internationale Organisationen. Auch in den wenigen aktuell vorhandenen politischen Dokumenten zu CE zeigt sich, dass der kaum vorhandene Rechtsrahmen für CE (Proelß 2013) viel Raum für Diskussionen bietet. Einig ist man sich darüber, dass es keine auf alle CE-Methoden passende Regulierung geben wird (d. h. keinen „one-size-fits all approach“, Armeni/Redgwell 2015).

‚Verantwortung‘ bei NGOs: Auch in der Deutung von Verantwortung differenzieren sich die NGOs in ein traditionelles und ein ökopragmatisches Lager (siehe Abschnitt 4).

Die traditionellen NGOs – allen voran die ETC Group – verwenden einen historischen Verantwortungsbegriff, indem sie die Länder des globalen Nordens für die Klimamisere verantwortlich machen und kritisieren, dass diese Länder in CE einen einfachen Ausweg sähen. Die Länder des globalen Südens hingegen seien Leidtragende des Klimawandels und würden gleichzeitig CE-Fehlschläge schlechter verkraften. Die Schuld der Industriestaaten leugnet nahezu niemand im CE-Diskurs, allerdings sprechen die traditionellen NGOs diesen Punkt prominent an. Außerdem fordern sie ein verbindliches Moratorium auf Feldexperimente und den Einsatz von CE. In einem Bündnisaufruf, unterschrieben von 167 NGOs, wird eine sichere, langfristige, demokratische und friedliche Lösung der Klimakrise mittels CE als äußerst unwahrscheinlich abgetan (vgl. H.O.M.E. 2011).

Ökopragmatische NGOs, wie der Environmental Defense Fund (EDF), fordern ebenfalls demokratische und transparente Verfahren. Allerdings möchte der EDF die Erforschung und Entwicklung von CE konstruktiv-kritisch begleiten. Deshalb fordert er verantwortliche Forschung und Governance von CE, während die ETC Group ein solches Engagement von vorneherein als unverantwortlich ablehnt.

‚Verantwortung‘ bei Think Tanks: Unabhängig von ihrer politischen Färbung setzen Think Tanks auf einen politischen und auch rechtlichen Verantwortungsbegriff. Sie analysieren politische Optionen und sehen verschiedene Verfahren der Governance als möglich an, wobei konservative Think Tanks nationale Interessen in den Vordergrund stellen.

Festzuhalten ist, dass ‚Verantwortung‘ sowohl zwischen den ausgewählten Diskursarenen als auch oft innerhalb dieser ganz verschieden gedeutet wird. Nicht nur wird jeweils anderen Akteuren Verantwortlichkeit zugeschrieben, auch sind die adressierten Verantwortungsbereiche, Normen und Kontrollinstanzen sowie die Typen der Verantwortungsbegriffe unterschiedlich. Am Beispiel der Spaltung im Lager der NGOs ist deutlich zu sehen, wie die technologiepolitische Einstellung zu CE den Verantwortungsbegriff selbst formt. Während traditionelle NGOs einen historischen Begriff der Schuld verwenden, um die Problemverursacher←167 | 168→ des Klimawandels zu benennen, wollen ökopragmatische NGOs den Weg einer verantwortlichen Forschung und Governance mit CE gehen.

6 Verantwortung unter den Bedingungen von Unsicherheit

Für den Unsicherheitsbegriff gilt: Wird er als Argument gegen CE verwendet, dann ist kein Interesse für Unsicherheitsreduzierung durch weitere Forschung vorhanden. Sollen aber mehr oder weniger unbestimmte Unsicherheiten in abschätzbare Risiken überführt werden, kann über verantwortliche Forschung weiter nachgedacht werden. Für den Verantwortungsbegriff gilt: Wird er retrospektiv (historisch) verstanden, dann wird es schwierig, mit diesem Begriff verantwortungsvolle zukünftige Forschung zu begründen. Soll aber Verantwortung für Forschung und Governance übernommen werden, dann kann dies dabei helfen, Unsicherheiten zu überbrücken.

Wenn Verantwortung als Regulativ verstanden wird, wie es prominente PhilosophInnen und SoziologInnen aus verschiedenen Perspektiven tun (z. B. Jonas, Kaufmann), dann kann sie andere Formen der Regulierung, wie etwa Governance von Technologien, ersetzen oder ergänzen. Anders sieht dies in streng formalisierten Verfahren der Regierung oder Verwaltungsbürokratie aus, in denen Akteure nicht selbstverantwortlich, sondern lediglich regelkonform handeln müssen. Luhmann sieht Ethik als „Störgröße“ (Schramm 2001: 106), wenn Verantwortungsprinzipien überkommene Steuerungsvorstellungen retten – und aus seiner Sicht fehlleiten – sollen (vgl. Luhmann 1997: 776 f.). In der aktuellen Diskussion um die Governance von Technologien wird nicht von einem derartig zentralisierten Steuerungsbegriff ausgegangen, wie Luhmann ihn kritisiert, wenngleich eine staatliche Gestaltungsmacht unter Zuhilfenahme diverser Instrumente angenommen wird (vgl. Offe 2008: 68 f.). Verantwortungsbewusste Governance hat weniger ein Steuerungsproblem als vielmehr ein Problem der Unbestimmtheit des Verantwortungsbegriffes, wie unsere empirische Analyse gezeigt hat.

Wie bereits diskutiert, ist ‚Verantwortung‘ selbst keine Norm, sondern bedarf einer normativen Bestimmung sowie eines Bezugs auf Verantwortungssubjekte, Objekte und Institutionen. Eine verantwortungsbewusste Governance von CE müsste auf ein grundlegendes Verantwortungskonzept verweisen können, um wirkmächtig werden zu können.

Verantwortungsprinzipien sind wichtige Elemente im CE-Diskurs, aber keine feste Größe. Das zeigt die Geschichte einiger Initiativen der CE-Forschung. Als im Jahr 2009 durch eine interdisziplinäre WissenschaftlerInnengruppe die Kieler Thesen „Wissenschaft und Verantwortung“ in Bezug auf CE formuliert←168 | 169→ wurden, stand man in Deutschland der CE-Forschung wesentlich skeptischer und vorsichtiger gegenüber als in den USA, Kanada und Großbritannien, wo CE-Forschung damals schon offener als mögliche Politikoption wahrgenommen wurde. Die Vorsicht hat sich – aufbauend auf den Kieler Thesen – auch im Prozess der Einrichtung eines SPP 1689 bei DFG erhalten, welches sich dezidiert nur mit problemorientierter Grundlagenforschung befassen sollte, und zwar fernab von Technologieentwicklung oder -erprobung. Die anfänglich deutlich sichtbare Verantwortungsrhetorik in den Kieler Thesen, die durchaus gut begründet war, hat sich, so unser Eindruck, in den später bewilligten Anträgen sowie der tatsächlichen Forschungsarbeit des SPP abgeschwächt. Der Governance-Begriff hingegen ist in viele internationale Forschungsprogramme und Initiativen maßgeblich eingeflossen. Ein prominentes Beispiel ist die Solar Radiation Management Governance Initiative (SRMGI), gegründet von der Royal Society, dem Environmental Defense Fund und der World Academy of Sciences, welche ForscherInnen und AktivistInnen aus dem globalen Süden mit in die Diskussion um Erfordernisse für eine globale Governance von CE einbezieht (vgl. SRMGI 2011). Die Initiative resümiert in ihrem Bericht, dass die Wahrscheinlichkeit, Unsicherheiten von CE aufzulösen, von der Fähigkeit abhängt, zukünftige Forschung effizient und verantwortlich regulieren zu können (SRMGI 2011: 9). Während versucht wird, Governance durch Verantwortung genauer zu bestimmen, bleibt auch hier Verantwortung selbst weiter unbestimmt.

Was seit einigen Jahren unter dem Label „Responsible Research and Innovation (RRI)“ diskutiert wird, könnte für CE Chancen bieten. RRI zielt auf einen transparenten und interaktiven Prozess, bei dem mit Innovation befasste Akteure sich wechselseitig mit Positionen auseinandersetzen, die sie als akzeptabel, nachhaltig und sozial wünschenswert erachten. Eine solche Gestaltung von Innovationsprozessen soll auch zur besseren gesellschaftlichen Einbettung von wissenschaftlichem und technologischem Fortschritt beitragen (vgl. Schomberg 2011). Dieses prozessorientierte und reflexive Verständnis von verantwortlicher Forschung und Entwicklung würde Governance nicht an externe Instanzen delegieren, sondern bei einer global relevanten Technologie wie CE alle interessierten oder betroffenen Akteure zur Beteiligung einladen. Die gut begründete Vorsicht, welche die DFG dem SPP 1689 in Form von Grundlagenforschung ohne Technologieentwicklung verordnet hatte (NKGCF et al. 2012), führte zu einem Quasi-Ausschluss von IngenieurInnen aus dem bisher größten nationalen CE-Forschungsprojekt. Im Sinne einer RRI müssten also IngenieurInnen in Überlegungen einbezogen werden, wie CE-Technologien gesellschaftlich verantwortlich entwickelt werden könnten – auch in Forschungsansätzen, die über reine Computermodellierung←169 | 170→ hinausgehen. Ansonsten bliebe die Technologieentwicklung außerhalb von Forschungsprogrammen, die an Verantwortlichkeit orientiert sind. Schließlich bildet RRI einen zentralen Baustein des europäischen Forschungsrahmenprogrammes „Horizon 2020“, welches darauf abzielt, dass auch Geistes- und Sozialwissenschaften mit Natur- und Ingenieurwissenschaften zu globalen Herausforderungen eng zusammenarbeiten (vgl. European Commission 2015).

Die Verbindung von CE mit RRI böte also den Vorteil, daraus prozessuale Vorschläge für die Besetzung der Leerstellen bezüglich Akteuren, institutionellen Rahmungen von Verantwortung u. a. m. zu gewinnen. In diesem Sinne ist RRI eher eine „Entwicklungsstrategie“ (Schomberg 2013) als eine Norm oder gar Vorschrift.

Unsere nach Diskursarenen differenzierte Analyse hat gezeigt, wie unterschiedlich Unsicherheits- und Verantwortungsbegriffe sind. Umso wichtiger sind Prozesse, wie sie von RRI und verwandten Ansätzen vorgeschlagen werden, welche Akteure aus verschiedenen Wissensfeldern bzw. gesellschaftlichen Handlungsbereichen miteinander in Beziehung setzen. Dabei soll RRI freilich nicht als technokratisches Vorhaben verstanden werden, sondern vielmehr als Leitlinie für eine verantwortungsbewusste, an der Bewältigung globaler Herausforderungen orientierte Praxis.

7 Fazit

Wir konnten zeigen, dass ‚Unsicherheit‘ und ‚Verantwortung‘ über die fünf untersuchten Diskursarenen sehr unterschiedliche Deutungen erfahren, wenngleich es einige Ähnlichkeiten und gegenseitige Bezüge gibt. Deutungsmuster können auch programmatisch geprägt sein, wie bei NGOs und Think Tanks, die CE entsprechend ihrer politischen Perspektive interpretieren: entweder als chancenreiche Innovation oder als Verheißung mit zu vielen Ungewissheiten.

Unsicherheit ist ein zentrales Problem von Technologien, die auf Klimaintervention zielen. Während viele Unsicherheiten aus wissenschaftlich-technischen Quellen zu entspringen scheinen, sind andere wiederum sozialer oder politischer Herkunft. Gleichzeitig sind viele Fragen abhängig von den Arenen, in denen sie gestellt werden. Beispielsweise wäre vor allem wissenschaftlich interessant, Unsicherheiten bei sehr spezifischen Klimasimulationen oder den möglichen Erkenntnisgewinn durch kleinskalige Tests für die Analyse des globalen Klimas zu untersuchen.

Ein ähnliches Bild ergibt sich für den Verantwortungsbegriff. Auch er ist arenenspezifisch besetzt und aufgefächert. Der Verantwortungsbegriff kann ohne nähere Bestimmung für die Bearbeitung von Unsicherheiten nicht genutzt←170 | 171→ werden. Es muss geklärt werden, was verantwortliche Forschung und Governance bedeuten können. Die Diskussionen um RRI können helfen, einen solchen Prozess zu organisieren, an dem sich relevante Stakeholder beteiligen.

Bei bisherigen Initiativen der öffentlichen Beteiligung wurden Haltungen zur Erforschung und zum Einsatz von CE oft kategorisch abgefragt. Zukünftig sollte bei der Durchführung solcher Maßnahmen darauf geachtet werden, unter welchen Umständen Akteure sich eine verantwortungsvolle CE-Forschung vorstellen können und, falls CE als unverantwortlich angesehen wird, auf welcher Grundlage diese Einschätzung entsteht.

Danksagung

Diese Forschung wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Schwerpunktprogramm „Climate Engineering: Uncertainties, Risks, Opportunities?“ (SPP 1689) im Rahmen des Projekts CE-SciPol (Fördernummer BA 1992/5–1) gefördert. Wir bedanken uns bei Stefanie Bauer und Vanessa Erat für die Unterstützung bei der Kodierung und viele hilfreiche Hinweise, sowie bei den Herausgeberinnen und anonymen GutachterInnen für ihre konstruktiven Kommentare.

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1 Hingewiesen sei auf die in Vorbereitung befindliche Studie von Nils Matzner, Matthias Matzner, Nadine Mengis und David Keller, welche disparate Benennungen und ungleichmäßige Verteilungen von Metriken über naturwissenschaftliche Studien von CE kartographiert. Welche Metriken zur Bewertung von CE, wie etwa globale Mitteltemperatur, Niederschlagsmenge und Meeresspiegelanstieg, untersucht werden sollen und wie diese gewichtet werden, ist bisher nicht geklärt.

2 Dieser innerhalb der DFG kontrovers diskutierten Entscheidung folgte eine Stellungnahme des Nationalkomitees für Global Change Forschung und zweier DFG-Senatskommissionen (vgl. NKGCF et al. 2012), welche einen baldigen Einsatz von CE wegen noch zu großen Wissensdefiziten als nicht zu rechtfertigen ansieht, aber Forschung zur Erweiterung der Wissensbasis empfiehlt.

3 Wir beziehen uns hier auf die u. E. sehr nützliche Unterscheidung verschiedener Formen von incertitude, die Stirling (2008) systematisch entwickelt hat: risk, uncertainty, ambiguity und ignorance. Da im deutschen Sprachgebrauch der Ausdruck Unsicherheit verschiedene Bedeutungsschichten umfasst, also auch Ungewissheit, benutzen wir im Folgenden oft Unsicherheit, obwohl es im Sinne einer strikten Übersetzung von Stirlings incertitude strenggenommen Ungewissheit heißen müsste. In dem Fall fällt, terminologisch gesehen, die verallgemeinerte Bedeutung von Unsicherheit mit der spezifischen zusammen. Den LeserInnen dürfte dies keine Probleme der Unterscheidung bieten.

4 Bronson, eine Vertreterin der ETC Group, argumentiert hier, dass negative Folgen sicher zu erwarten sind. Typisch für CE-kritische NGOs scheint die Argumentation zu sein, dass negative Konsequenzen wahrscheinlich zu erwarten sind oder drastische Schäden zwar unwahrscheinlich, aber so groß sein könnten, dass aus dem Vorsorgeprinzip heraus CE abgelehnt werden müsse.

5 Die rechts- und politikwissenschaftliche Literatur nennt vor allem internationale Organisationen wie die Organisation der Vereinten Nationen (UNO) und die Klimarahmenkonvention (UNFCCC) als mögliche Subjekte einer internationalen Regulierung von CE. Allerdings haben diese Organisationen bis dato keine entsprechenden Schritte unternommen (vgl. Maas/Scheffran 2012; Zürn/Schäfer 2013).