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denken, schreiben, tun

Politische Handlungsfähigkeit in Theorie, Literatur und Medien

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Edited By Amália Kerekes, Marion Löffler, Georg Spitaler and Sabine Zelger

Die Leitfrage des Bandes bezieht sich auf das interpretatorische Potenzial des Begriffs agency, verstanden als individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit, wie sie in der politischen Theorie zentral ist. Möglichkeit und Effektivität demokratischer Praxis wurde im Zuge politischer Krisendiagnosen westlicher Gesellschaften infrage gestellt, so zum Beispiel in der Debatte um »Postdemokratie«. Vor dem Hintergrund dieser gegenwärtigen Problematik, nehmen die Beiträge des Bandes auch historische Tiefenbohrungen vor und erkunden, wie im Lauf des 20. Jahrhunderts und aktuell politische Denk- und Handlungsräume an den Schnittstellen von Theorie, Literatur und Medien bearbeitet und erschlossen wurden und werden.

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Entscheidungssimulationen: Handlungsfähigkeit am Beispiel des Computerspiels Papers, please

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Bálint Kovács/Judit Szabó

Die aufklärerischen Visionen über Willensfreiheit, moralische Freiheit, Autonomie und Würde des Menschen sind mit dem Anbruch der Moderne ins Wanken geraten. So ging am Ende des 18. bzw. in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Epoche der großen handlungsfähigen Individuen zu Ende. In historischer Hinsicht liegt dieser epistemologischen Wende eine Reihe struktureller Wandlungen zugrunde, u.a. die Herausbildung der Nationalstaaten, die Etablierung bürokratischer Institutionen, die Industrialisierung und der Kapitalismus. Infolgedessen ist die idealistische Begründbarkeit menschlichen Handelns verabschiedet worden, zudem auch der Glaube an das bedeutsame Wirken des Einzelnen auf soziokulturelle Strukturen oder historische Prozesse. Mag also das Konzept des handlungsfähigen, selbstbestimmten Individuums mit dem Untergang des klassisch-idealistischen Gedankengutes schwinden, der Glaube an die eigene Handlungsfähigkeit wie auch die Zuversicht in die Wirksamkeit des eigenen Handelns gelten nach wie vor als selbstverständliche psychische Grundbedürfnisse.

Der vorliegende Beitrag untersucht das Konzept der Handlungsfähigkeit in einem speziellen medialen Kontext und weist das Computerspiel als die Kunstform schlechthin aus, die Handlungsfähigkeit (agency) konkret erfahrbar macht. Das Spiel macht nämlich auf interaktive Handlungsspielräume aufmerksam, die Voraussetzungen für sinnvolles Handeln zur Verfügung stellen und die kausale Wirksamkeit menschlichen Agierens erlebbar machen. Die folgenden Ausführungen verzichten auf einen metaphysischen Begriff der Handlungsfähigkeit, dem das Konzept der Willensfreiheit zugrunde liegt, und nehmen auch Abstand von strukturalistisch geprägten Auffassungen, die die subjektive Handlungsfähigkeit – wenn sie davon nicht gänzlich...

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