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denken, schreiben, tun

Politische Handlungsfähigkeit in Theorie, Literatur und Medien

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Edited By Amália Kerekes, Marion Löffler, Georg Spitaler and Sabine Zelger

Die Leitfrage des Bandes bezieht sich auf das interpretatorische Potenzial des Begriffs agency, verstanden als individuelle und kollektive Handlungsfähigkeit, wie sie in der politischen Theorie zentral ist. Möglichkeit und Effektivität demokratischer Praxis wurde im Zuge politischer Krisendiagnosen westlicher Gesellschaften infrage gestellt, so zum Beispiel in der Debatte um »Postdemokratie«. Vor dem Hintergrund dieser gegenwärtigen Problematik, nehmen die Beiträge des Bandes auch historische Tiefenbohrungen vor und erkunden, wie im Lauf des 20. Jahrhunderts und aktuell politische Denk- und Handlungsräume an den Schnittstellen von Theorie, Literatur und Medien bearbeitet und erschlossen wurden und werden.

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Praktiken des Schreibens und des Beschränkens mit Blick auf die Handlungsfähigkeit rumäniendeutscher Lyriker

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Kende Varga

 

 

Im Zentrum dieser Fallstudie steht die politische Handlungsfähigkeit der Literatur im Rumänien der 1970er Jahre, und zwar rund um die heute als »rumäniendeutsch« definierte deutschsprachige Literatur. Zu den Akteuren gehören einerseits banatschwäbische AutorInnen, die aufgrund ähnlicher literarischer Techniken und Einstellungen am Ende der 1960er Jahre den jungen, energischen Literaturkreis Aktionsgruppe Banat gründeten, andererseits die staatlich gesteuerte Institution der Zensur. Im Fokus stehen die wichtigsten Aspekte des praxistheoretischen Ansatzes, der seine Basishypothesen der Kombination von Soziologie und Kulturwissenschaft verdankt. Im Sinne des praxeologischen Modells von Andreas Reckwitz sollen dabei Grundlagen für eine mögliche Anwendung des Konzepts auf literarische Praktiken geschaffen werden. Im ersten Teil der Fallstudie wird das Modell von Reckwitz mit dem Phänomen der »Praktiken« kurz behandelt, um es dann im zweiten Teil auf zwei literarische Beispiele aus der rumäniendeutschen Literaturszene übertragen zu können.

Reckwitz, der die Praxistheorie »als Integration interpretativer und strukturalistischer Kulturtheorien«1 begreift, hat im Anschluss Theodore Schatzki die »Strukturmerkmale einer […] Theorie ›sozialer Praktiken‹ herausgearbeitet«2 und dabei die wichtigsten Grundannahmen artikuliert. Für diese Fallstudie scheinen »die ›Materialität‹ sozialer Praktiken in ihrer Abhängigkeit von Körpern und Artefakten« und das »Spannungsfeld von Routinisiertheit und systematisch begründbarer Unberechenbarkeit von Praktiken«3 die wichtigsten Faktoren zu sein. Diese Form der Praktik als »kleinste Einheit des Sozialen« wird ←257 | 258→von Reckwitz als »eine Praktik der Verhandlung«4 beschrieben, als »ein Komplex aus regelmäßigen...

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