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"Kontaminierte Landschaften"

Mitteleuropa inmitten von Krieg und Totalitarismus. Eine exemplarische Bestandsaufnahme anhand von literarischen Texten

Edited By Alexander Höllwerth

Der Band befasst sich mit dem schweren Erbe von Krieg und Totalitarismus in Mitteleuropa. Er enthält die Texte von 21 Autorinnen und Autoren aus Tschechien, Polen, Ungarn, Österreich und Deutschland. Diese gehen in ihren Beiträgen der Frage nach, welche Rolle der Literatur bei der Aufarbeitung der Traumata der Vergangenheit zukommt. Besprochen werden die Werke zeitgenössischer Autoren wie Pollack, Weber, Bodor, Topol, Sabuschko u. a. sowie von Autoren, die aus unmittelbarer Zeitzeugenschaft heraus schreiben (Wojdowski, Buczkowski). Dabei soll auch aufgezeigt werden, welchen Beitrag die Literatur bei der Durchbrechung national beschränkter Erinnerungskulturen hin zu einer transkulturellen (mittel-)europäischen Erzählung leisten kann. Gerade heute ist dieses Thema wieder hochaktuell.

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Ankommen. Literatur und Europa

Ankommen. Literatur und Europa.

Essay

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Ursula Knoll

Jeden Morgen erwarten mich Momo, die Maus, Li, der Hase, Henrik, das Schwein und Willi, der Hund. In dünnen Bleistiftlinien auf Manuskriptseiten gezeichnet hält Momo Silbenschilder hoch, verschwindet Li hinter der großen Schultasche, winselt Willi, um danach mit dem Schwanz zu wedeln, und jagt Henrik dem Moment hinterher, an dem er sich verlieben könnte. Zusammen hocken sie auf den schön in Klarsichthüllen geordneten Papierseiten, zwei dicke Ordner, und warten, dass ich mich in Gang setze, mich in jede Menge Workflows stürze, damit sie illustriert und an ihren Platz gesetzt werden. Momo unter das M und O, Li unter das L und I, Willi unter das W und Henrik unter das H, das E, das N, das R und das K. Damit das Schulbuch, in dem sie sich tummeln, begutachtet, für gut befunden, wieder und wieder Korrektur gelesen, abgenommen und in Druck gegangen, in zwei, drei Jahren aufgeblättert werden kann, an dem einen oder anderen Morgen, in dieser oder jener Schule, in der sich Kinder an ihren Tisch gesetzt haben werden, um es endlich zu lernen: das Lesen, das Schreiben. Oder genauer formuliert, was es heißt, zu lesen und zu schreiben: der Geschichte einer anderen zuzuhören, ihr zu folgen, mit ihr mitzugehen, sie als Anlass zu nehmen, die eigene Welt zu durchdringen. Nicht jeden Morgen freue ich mich, Momo, die Maus, Li, den Hasen, Henrik, das Schwein oder Willi, den Hund, zu sehen, und nicht jeden...

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