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Rassismus in Geschichte und Gegenwart

Eine interdisziplinäre Analyse. Festschrift für Walter Demel

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Edited By Ina Ulrike Paul and Sylvia Schraut

Rassismus als Ideologie der Ausgrenzung funktioniert transnational, interkulturell, global. Die gesellschaftliche Aktualität und Relevanz des Themas ist unbestritten. Biogeographischer Rassismus geht nicht selten mit Antisemitismus, Antifeminismus oder neuerdings Rechtspopulismus enge Verbindungen ein. Diese Verschränkung des Rassismus mit anderen „-ismen" der Moderne veranschaulicht die Interdisziplinarität der Beiträge in diesem Buch. Sie liefern einen weitgefächerten Überblick über die Ansätze und Methoden der Kultur- und Sozialwissenschaften im Umgang mit dem Forschungsthema „Rassismus". In Fallbeispielen werden die „Grundlagen des rassistischen Denkens" dargestellt und mit systematischem Zugriff der „Rassismus in seiner Verschränkung" bearbeitet.

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Vorwort

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1

Ein japanischer Doktorand und sein akademischer Betreuer sitzen gemeinsam zu Tisch. Der Hochschullehrer äußert seine Freude darüber, dass der allein in eine ihm unvertraute Umgebung gekommene Doktorand binnen kurzem Studienfreunde gefunden und in den letzten Wochen zusätzlich zu einem Landsmann engeren Kontakt geknüpft hätte. Der Doktorand ist ratlos. Wen der Professor denn meine? Einen Landsmann? Wüsste er jetzt nicht. Aber sie hätten doch Anfang der Woche in der Cafeteria gemeinsam Tee getrunken und er hätte kurz mit ihnen gesprochen, insistiert der Professor. Ach so, Sie meinen den Österreicher! antwortet der Student.

Schon oft wurde diese wahre Begebenheit erzählt, wenn es um den „kleinen“ oder Alltagsrassismus ging, den Rassismus selbst derer, die sich für einigermaßen vorurteilsfrei und ganz gewiss für nicht rassistisch halten. „Wie rassistisch bin ich selbst?“, fragte vor solchem Hintergrund eine Radiosendung des Deutschlandfunks Kultur im Mai 2018.2 Sie bildete den Auftakt zahlreicher Diskussionsrunden und Besprechungen, die sich kritisch interessiert mit der gelungenen Sonderausstellung des Dresdner Hygiene-Museums „Rassismus. Die Erfindung von Menschenrassen“ auseinandersetzten, in der es um den Rassismus als „menschenfeindliche Ideologie und gleichzeitig […] alltägliche Praxis“ geht.3 Der gesellschaftlich geächtete Begriff der Rasse und die wissenschaftlichen ←13 | 14→Rassismus-Theorien, deren Komplexität die einschlägige Forschung und die zugehörigen Diskussionsrunden betonen, scheinen sich von dem praktizierten neuen (Alltags-)Rassismus rechtspopulistischer Parteien getrennt zu haben. Diese fordern im Zeichen der globalen Fluchtbewegungen die „Zählung“ bestimmter Bevölkerungsgruppen, bringen vors...

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