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Zwischen Wunsch und Wirklichkeit einer egalitären Gesellschaft

Die kritische Rekonstruktion der anti-porn-Debatte im Horizont einer anerkennungstheoretisch profilierten Diskurstheorie

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Anne Weber

Wie gefährdet demokratische Prozesse sind, wurde im Blick auf die soziopolitischen Entwicklungen der letzten Jahre deutlich. Die Autorin nimmt diese Diagnose ernst und erinnert im Horizont Kritischer Theorie an die Ermöglichungsbedingungen egalitärer Vergesellschaftung. Die problemsensible Rekonstruktion dieser Bedingungen verbindet sich dabei mit der Analyse quantitativ und qualitativ auffälliger Phänomene in der Lebenswelt. Unter feministischen Vorzeichen legt die Autorin den Fokus auf Präsenz und Konsum von Mainstream-Pornographie und die Frage nach der Realität von Geschlechteregalität. In diesem Zusammenhang untersucht sie die potentielle Interdependenz von pornographischen Narrativen, der Habitualisierung anerkennungsvergessener Einstellungen und der Verödung kommunikativer Praxis.

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4.0 Pornographische Narrative als Handlungsorientierung? Zur empirischen Plausibilisierbarkeit starker Kausalitäts-Thesen und der Autorität von Pornographie

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Die erkenntnisleitende Aufgabe für das folgende Kapitel ist es, wie angedeutet, im Rekurs auf gegenwärtige wahrnehmungs- und sozialpsychologische Theorien zu klären, ob eine starke, d.h. notwendige Kausalität zwischen einer Exposition gegenüber einem Faktor X und einer entsprechenden Reaktion x angenommen werden kann. Ist es, anders formuliert, plausibel, dass die regelmäßige Konfrontation mit bestimmten (medialen) Bildern und den in ihnen enthaltenen Narrativen und Informationen eine spezifische Wahrnehmung der Welt fördert oder sogar ein spezifisches Verhalten auslösen kann? In diesem Zusammenhang gilt es ebenso zu klären, welche weiteren Faktoren dabei gegebenenfalls eine Rolle spielen, d.h. begünstigend oder entschärfend wirken. Um dieser Frage näher zu kommen, will ich einleitend zunächst die These einer straken Kausalität herausfordern. Dazu erinnere ich einerseits and die von Diane Russell aber auch Anne W. Eaton formulierten Bedenken hinsichtlich einer monokausalen Bestimmung des Gewaltpornographie-Konsums als Ursache für die Erhöhung der Bereitschaft zur Anwendung sexueller Gewalt oder Vergewaltigung. Dazu möchte ich exemplarisch kurz die Diskussion um die Auswirkungen von Gewaltdarstellungen in Filmen, Serien oder Videospielen rekapitulieren und dadurch die Geltungskraft von empirischen Studien problematisieren. Daran anschließend will ich dann die analoge Diskussion in der Pornographie-Debatte, die jedoch auf weitaus weniger empirische Untersuchgen zurück greift, skizzieren und mit Deborah Cameron und Elizabeth Fraser die Unterstellung einer behavioristischen Konditionierung, d.h. die Annahme einer starken Kausalität, zurückweisen (Abschnitt 4.1).

Auch wenn im Blick auf die Auswertung der sich...

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