Show Less
Restricted access

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit einer egalitären Gesellschaft

Die kritische Rekonstruktion der anti-porn-Debatte im Horizont einer anerkennungstheoretisch profilierten Diskurstheorie

Series:

Anne Weber

Wie gefährdet demokratische Prozesse sind, wurde im Blick auf die soziopolitischen Entwicklungen der letzten Jahre deutlich. Die Autorin nimmt diese Diagnose ernst und erinnert im Horizont Kritischer Theorie an die Ermöglichungsbedingungen egalitärer Vergesellschaftung. Die problemsensible Rekonstruktion dieser Bedingungen verbindet sich dabei mit der Analyse quantitativ und qualitativ auffälliger Phänomene in der Lebenswelt. Unter feministischen Vorzeichen legt die Autorin den Fokus auf Präsenz und Konsum von Mainstream-Pornographie und die Frage nach der Realität von Geschlechteregalität. In diesem Zusammenhang untersucht sie die potentielle Interdependenz von pornographischen Narrativen, der Habitualisierung anerkennungsvergessener Einstellungen und der Verödung kommunikativer Praxis.

Show Summary Details
Restricted access

6.0 Zwischen detranszendentalisierter Vernunft und Kolonialisierung der Lebenswelt – Die Diskurstheorie als Realisierung des emanzipatorischen Erkenntnisinteresses

Extract



Trotz der Vielschichtigkeit der bis hierhin skizzierten intersubjektivitäts- und kommunikationstheoretischen Überlegungen darf nicht aus den Augen verloren werden, dass sie im Horizont des Bemühens stehen die kritische Theorie neu zu fundieren. Es geht um nichts anderes als einen Begriff von Vernunft vorzubereiten, durch den die berechtigte Ideologie- und Gesellschaftskritik sich nicht selbst zur Totalität auswächst, d.h. rationale Rationalitätskritik ohne performativen Selbstwiderspruch erhalten bleibt. In diesem Sinne sind sie theoretische Vorarbeit, um das Projekt der Moderne so fortzusetzen, dass die Komplexitätssteigerung und Ausdifferenzierung spätmoderner Gesellschaften nicht in eine Totalabsage an die Möglichkeit orientierungsstiftender Reflexion münden, oder sich in ethischer Indifferenz verlieren. Es kann m.E. nicht oft genug betont werden, dass Habermas’ Theorie als Fortsetzung kritischer Gesellschaftsanalyse einem emanzipatorischen Anspruch verpflichtet, d.h. motiviert ist durch das in einer rationalen Bezugnahme auf die Wirklichkeit angelegte Versprechen individueller, wie auch gesellschaftlicher Befreiung.663

Emanzipation als Funktion rationaler, (selbst-)kritischer Reflexion wird auch von Habermas entsprechend als Bewusstmachung von (irrationalen) Zwängen und gleichzeitiger Ermächtigung des Menschen zu einem selbstbestimmten Leben zuzüglich eines gleichberechtigten Zugangs zu allgemeinen Bürger- und Menschenrechten verstanden. In diesem Sinne stellt er heraus: „Vernunft erfährt ← 301 | 302 → sich als interessierte im Vollzug der Selbstreflexion.“664 Nicht nur im Blick auf die Diagnose des dialektischen Verlaufs der Rationalisierung und dem zur universellen Wirklichkeitsdeutung avancierten, szientistischen Positivismus hat das emanzipatorische Versprechen der Aufklärung sich an einem instrumentell verkürzten Vernunftbegriff gebrochen. Auch das noch in den...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.