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Zwischen Wunsch und Wirklichkeit einer egalitären Gesellschaft

Die kritische Rekonstruktion der anti-porn-Debatte im Horizont einer anerkennungstheoretisch profilierten Diskurstheorie

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Anne Weber

Wie gefährdet demokratische Prozesse sind, wurde im Blick auf die soziopolitischen Entwicklungen der letzten Jahre deutlich. Die Autorin nimmt diese Diagnose ernst und erinnert im Horizont Kritischer Theorie an die Ermöglichungsbedingungen egalitärer Vergesellschaftung. Die problemsensible Rekonstruktion dieser Bedingungen verbindet sich dabei mit der Analyse quantitativ und qualitativ auffälliger Phänomene in der Lebenswelt. Unter feministischen Vorzeichen legt die Autorin den Fokus auf Präsenz und Konsum von Mainstream-Pornographie und die Frage nach der Realität von Geschlechteregalität. In diesem Zusammenhang untersucht sie die potentielle Interdependenz von pornographischen Narrativen, der Habitualisierung anerkennungsvergessener Einstellungen und der Verödung kommunikativer Praxis.

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8.0 Das harm-Potential von Pornographie im Horizont der Pathologiediagnosen einer anerkennungstheoretisch profilierten Diskurstheorie

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Nimmt man die vorausgegangenen Analysen ernst und führt ihre Ergebnisse zusammen, dann lässt sich m.E. eine komplexe harm-Diagnose formulieren:

Pornographie erotisiert als Genre und auf inhaltlicher Ebene Verdinglichung. Verdinglichende Einstellungen müssen nicht per se moralisch problematisch sein, sondern werden es dann, wenn sie im Sinne einer permanenten Anerkennungsvergessenheit auf Dauer gestellt sind. Eine solche dauerhafte Anerkennungsvergessenheit bzw. Habitualisierung verdinglichender Einstellungen wird einerseits aufgebrochen, sobald alternative Deutungen menschlicher Beziehungen existieren. Sie wird andererseits wiederum dann vertieft, wenn auch in anderen popkulturellen und medialen Skripten (die neben Peergroups und Familie als entscheidende Sozialisationsquellen gelten) sexistische bzw. verdinglichende oder vereinseitigende Narrative verwendet werden. Eine Vertiefung von Anerkennungsvergessenheit wird erstens dadurch beschleunigt, dass und wenn solche Narrative wirtschaftliche Vorteile garantieren und ihr Erhalt somit eine Funktion ökonomischer Interessen ist. Zweitens wird die Perpetuierung und Internalisierung solcher Einstellungen immer dann begünstigt, wenn die diskursive Praxis (im Sinne der Counter-Speech) verödet oder ihre Ermöglichungsbedingungen gefährdet sind. Im Zusammenwirken mit anderen verdinglichenden Narrativen und ohne eine explizite Distanzierung von ihnen ist Pornographie in diesem Sinne zum einen am Erhalt und der Verstetigung von Anerkennungsvergessenheit beteiligt und zum anderen ein Symptom der bereits in der Intim- und Privatsphäre habitualisierten verdinglichenden Einstellungen. Insofern Anerkennung und nicht-verdinglichende Bezugnahmen zudem integrale Momente der Ich-Identitäts-Entwicklung sind und sich damit für die Stabilisierung diskursiver Praxis (als verfahrenstheoretischer Modus Operandi emanzipatorischer, egalitärer Vergesellschaftung) als unerlässlich erweisen, gefährden die unkommentierte, unkritische Produktion, Distribution und der Konsum von Pornographie...

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