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Vornamen als Indikatoren gesellschaftlicher Entwicklungen

Nachgewiesen an einer Ahnenlinie vom 17. Jahrhundert bis 2018

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Inge Pohl

Mit dem Verständnis von Vornamengebung als eines sozialen Akts widmet sich die Studie Vornamen in einer im Jahr 2018 existenten Familie und deren Ahnenlinien bis ins 16./17. Jahrhundert zurück. Die Problematik besteht darin, dass sich das gesellschaftspolitische Determinationsgefüge der Ahnenfamilien um 1800 mit der Ansiedlung in einer deutschen Sprachinsel im polnischsprachigen Umfeld sowie im Jahr 1945 mit deren Auflösung grundlegend verändert hat. Im Rahmen einer soziolinguistisch orientierten Onomastik weist die Autorin diachron-synchron nach, dass in den gewählten Vornamen tradierte private Motivationen und die reaktive Kundgabe einer gesellschaftsbezogenen Meinung der Namengeber mitschwingen. Auf die diskontinuierliche gesellschaftspolitische Entwicklung reagieren die Sprachinselbewohner gegenläufig mit Sprachbewahrung, nicht mit erwartbaren qualitativen Wechseln der Vornamengebung.

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2 Determinationsgefüge der Untersuchung

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2.1 Untersuchungsrelevante Eigenschaften von Vornamen

2.1.1 Vornamen als onomastisches Phänomen

Bezüglich der linguistischen Charakterisierung von VN folge ich der Fachliteratur, insbesondere Seibicke (1987; 1996a; 2008), Kunze (1999), Nübling u.a. (2012) und dem Internationalen Handbuch der Onomastik (HSK 11). VN gehören zu den Eigennamen (Nomina propria) in Abgrenzung zu Gattungsbezeichnungen (Nomina appellativa), sie sind Gegenstand der Wissenschaftsdisziplin Onomastik. In der Fachliteratur finden sich unterschiedliche Gliederungen von Eigennamen, mit der verstärkten onomastischen Forschung werden diese differenzierter, dennoch gibt es keine mehrheitlich anerkannte Aufgliederung. Die Forschung ist sich jedoch darin einig, dass zu den grundlegenden Klassen der Eigennamen die Örtlichkeitsnamen (Toponyme) und die Personennamen (Anthroponyme) gehören. Kunze (1999:10) führt alle in der Fachliteratur genannten weiteren Eigennamen unter „sonstige Namen“ an. Nübling u.a. (2012, die sich auf Debus 2010 stützen) sowie eine Vielzahl der Onomastikforscher arbeiten mit Personennamen (Anthroponymen), Tiernamen (Zoonymen), Ortsnamen (Toponymen), Objektnamen (Ergonymen), Ereignisnamen (Praxonymen) und Phänomennamen (Phänonymen), woraus sich wiederum differenzierte Subklassifizierungen ergeben können (vgl. HSK 11, insbesondere Teilbd. 2). Aus soziolinguistischer Perspektive werden Namen in der Sozioonomastik untersucht, wobei es in Bezug auf VN um Fragen geht, wie: Was sagen VN über den soziokulturellen Hintergrund des VN-Schatzes und der VN-Geber aus? Welche Funktionen haben VN in sozialen Verbänden, wie der Familie? Welche Zusammenhänge gibt es zwischen VN und Geschlecht, Schicht/Klasse oder Ethnie? Insofern ist die vorliegende Untersuchung sozioonomastisch orientiert.

Nachfolgend wende ich mich den VN, einer Klasse...

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