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Vornamen als Indikatoren gesellschaftlicher Entwicklungen

Nachgewiesen an einer Ahnenlinie vom 17. Jahrhundert bis 2018

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Inge Pohl

Mit dem Verständnis von Vornamengebung als eines sozialen Akts widmet sich die Studie Vornamen in einer im Jahr 2018 existenten Familie und deren Ahnenlinien bis ins 16./17. Jahrhundert zurück. Die Problematik besteht darin, dass sich das gesellschaftspolitische Determinationsgefüge der Ahnenfamilien um 1800 mit der Ansiedlung in einer deutschen Sprachinsel im polnischsprachigen Umfeld sowie im Jahr 1945 mit deren Auflösung grundlegend verändert hat. Im Rahmen einer soziolinguistisch orientierten Onomastik weist die Autorin diachron-synchron nach, dass in den gewählten Vornamen tradierte private Motivationen und die reaktive Kundgabe einer gesellschaftsbezogenen Meinung der Namengeber mitschwingen. Auf die diskontinuierliche gesellschaftspolitische Entwicklung reagieren die Sprachinselbewohner gegenläufig mit Sprachbewahrung, nicht mit erwartbaren qualitativen Wechseln der Vornamengebung.

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5 Zum Problem des Sprachkontakts am Beispiel von anthroponymischen Kosenamen und Haustiernamen in der II. Zeitspanne

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Da die für die Untersuchung ausgewählten Familien in der II. Zeitspanne in Sprachinseln lebten, wird die Beziehung zwischen der deutschsprachigen Sprachinsel und der diese umgebenden Mehrheitssprache Polnisch relevant. Es ist von Sprachkontakten zwischen der polnischen und der deutschen Bevölkerung innerhalb der Sprachinsel (Bedienstete und ländliche Hilfsarbeiter waren meist polnischsprachig), aber auch nach außen agierend (Kontakte zu Geschäften und offiziellen Ämtern in der benachbarten Stadt), auszugehen. Die Argumentationen in der Fachliteratur belegen zudem, dass Sprachinseln nur äußerst selten in absoluter sprachlicher Isolation leben. Sprachkontakt entsteht „immer da, wo verschiedenen Sprachen oder Varietäten einer Sprache aufeinander treffen, entweder im Kopf eines mehrsprachigen Sprechers oder in mehrsprachigen Gruppen“ (Riehl 2009:12). Mit dem Begriff „Sprachkontakt“ werden die beteiligten Sprachen, mit dem Begriff „Mehrsprachigkeit“ die beteiligten Sprecher in den Mittelpunkt gerückt. Da beim Sprachkontakt notwendig Sprecher bzw. Sprechergruppen beteiligt sein müssen, ist die angeführte soziolinguistische Begriffsbestimmung von Riehl sinnvoll. Ob es sich zwischen den beiden Sprechergruppen bezüglich der Sprachinsel Hochweiler/Markowka lediglich um interlinguale oder auch um interethnische Beziehungen handelt, ist aufgrund meiner Kenntnisse und aufgrund des historischen Abstands nicht eindeutig zu klassifizieren. Eine Reihe von polnischsprachigen Fremdwörtern/Lehnwörtern99 aus den Sachbereichen von Gebrauchsgegenständen, Genuss-/Nahrungsmitteln, Verwandtschaft, territorialen Gegebenheiten und Frisuren sind mir jedoch bekannt geworden,100 wie z.B. Arbuse – Wassermelone (poln. arbuz); Babe – Napfkuchen (poln. baba/babka); Balleron – Rollschinken (poln. baleron); Blotte – nasser Straßenschmutz (poln. błoto); Britschke – leichter, offener Pferdewagen (poln. bryczka); Faziat – Mansarde (poln. facjata); Kapotte – (fr...

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