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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹

Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938

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Edited By Primus-Heinz Kucher and Rebecca Unterberger

Die Oktoberrevolution von 1917 und die Gründung der Sowjetunion zog politisch-ideologisch wie kulturell-künstlerisch im deutschsprachigen Raum hohe Aufmerksamkeit auf sich und polarisierte die intellektuelle Öffentlichkeit. Insbesondere in der Ersten Republik bzw. im ›Roten Wien‹ stießen manche ihrer Impulse auf Resonanz, andere auf dezidierte Zurückweisung. Auch im bürgerlichen Kunst- und Literaturbetrieb, zum Beispiel dem der Musik, des Theaters oder des Films wurden (sowjet)russische Entwicklungen wahrgenommen und diskutiert. Der Band widmet sich solchen Rezeptionsbeziehungen, arbeitet ihre zum Teil erstaunliche Resonanz heraus, verortet sie in zeittypischen Diskursen wie dem des Aktivismus, der Theater- und Musikavantgarde, aber auch, kontrastierend-komplementär, dem des zeitgenössischen Amerika-Diskurses.

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„… zwischen der nüchternen Phantastik des Ostens und der phantastischen Nüchternheit des Westens“:

Rebecca Unterberger

„… zwischen der nüchternen Phantastik des Ostens und der phantastischen Nüchternheit des Westens“:

Miszellen zum zwischenkriegszeitlichen Amerika-Russland-Diskurs

Abstract: The article addresses a variety of journalistic, essayistic as well as literary texts, for example by Theodore Dreiser, Ernst Fischer, Julius Haydu, and Ann Tizia Leitich that discussed the (dis-)advantages of the Soviet Union and the USA. Both ‘New Worlds’ were screened as possible models for post-war Europe, and especially for the First Republic.

1 Ford – Trotzki: Nur „Nuancen“?

Als eine ungeheure gigantische Frage liegt das russische Riesenreich über die ganze Länge des größten der fünf Kontinente hingebreitet, verlockend, rätselhaft und gewitterdrohend. […] Die Unklarheit und Neuartigkeit der politischen Zustände, ihre Unberechenbarkeit, die nicht ahnen läßt, […] was übermorgen an versteckten Unterströmungen aus der geistigen Grundlage des Russentums als repräsentativer Teilbestandteil dieses komplexen Begriffes nach oben geworfen […] wird, sie zerstreuen vollends jede Hoffnung eines Westländers, das Rätsel zu entwirren,1

konstatierte Edwin Rollett 1924 in einem literaturkritischen Essay über das im Wiener Eurasia-Verlag erschienene Reisebuch Schatten des dunklen Ostens. Das, laut Untertitel, „Stück Sittengeschichte des russischen Volkes“ von Ferdynand A. Ossendowski vermochte den Wiener Zeitung-Redakteur, der den ‚dunklen Osten‘ aus eigener Anschauung kannte – erst 1920 war Rollett aus sibirischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt –, nicht zu überzeugen: Ossendowski zeichne darin lediglich „Schattenseiten“ nach und unterschlage für die russischen „Orientalen“ gleichfalls Typisches wie deren „beneidenswerte Phantasiebegabung“ oder „poetische Gemütstiefe“. Auch an die ihnen eigene „Geringschätzung des Menschenlebens“ als einer von der „alte[n]; russische[n] Regierung“ nur zu gerne instrumentalisierten „natürliche[n] Folge des ewigen Kampfes mit ←97 | 98→den Naturgewalten“ erinnerte Rollett: „Der brutale Landbewohner war gleichzeitig ja auch der beste Soldat“.2

Nicht (nur) um die kontrovers geführte Diskussion über das Werk Ossendowskis3 zu skizzieren, wird hieraus zitiert: Rolletts Rezension versprach grundlegendere Einblicke in das Themenfeld, so der Titel seiner Ausführungen, „Rußland und wir“, und bot hierfür ein Arsenal an Stereotypen betreffend „den“ Russen beziehungsweise „das“ Russische auf. Um sich über das „russische Riesenreich“, dortige Licht- und Schattenseiten eines neu Herandämmernden zu informieren, war man auf Augenzeugenberichte angewiesen: Für den in der Zwischenkriegszeit boomenden Sektor „Reiseschreibung“ zählte das bolschewistische Russland zu Destinationen von besonderem Interesse. Gleiches galt für die kapitalistischen USA, und die beiden ‚Neuwelten‘ im Westen beziehungsweise Osten wurden in der reiseschreiberischen Nachbereitung diskursiv auffallend eng geführt. Darauf hat R. Seth Knox in seiner Studie Weimar Germany Between Two Worlds von 2006 den Blick gelenkt: Autoren wie Arthur Holitscher, Egon Erwin Kisch, Arthur Rundt, Ernst Toller und Alfons Goldschmidt bereisten sowohl Amerika als auch Russland, die beiden „competing world systems“ der Nachkriegszeit, was ihnen die Möglichkeit bot, Optionen für Deutschlands Zukunft(en) in Augenschein zu nehmen.4 „America had projected its military and industrial strength abroad, and Russia had given birth to the world’s first socialist country through revolution.“5

Von den vier als kommunismus- beziehungsweise sozialismusnahe zu charakterisierenden Autoren Kisch, Toller, Holitscher und Goldschmidt nahm Kisch laut Knox am dezidiertesten für die Sowjetunion Partei. Revolutionäres Aufbegehren konnte er bei seinem USA-Besuch nicht ausmachen, was die Botschaft seiner Russland-Reisetexte nur intensivierte, und zwar: dass der deutsche Arbeiter sich für eine hoffnungsvolle Zukunft gen Osten orientieren müsse. ←98 | 99→Rundt dagegen artikulierte Skepsis gegenüber sowohl dem amerikanischen Kapitalismus als auch dem sowjetischen „Bolschewismus“ als in ihren gegenwärtigen Ausprägungen unzureichenden Gesellschaftsformen.6 Mit: „Ford – Trotzki, nur Nuancen! Hier wie dort: Bändigung der Masse zum Gleichsein, obendrauf feste Hand“,7 resümierte der aus dem polnischen Kattowitz Gebürtige 1926 im Reisebericht Amerika ist anders seine Beobachtungen in den USA. Der Mensch wird umgebaut lautete der Titel seines 1932 bei Rowohlt erschienenen Russland-Reiseberichts, der in der Weimarer Republik breit diskutiert wurde.8 Der Lebensmittelpunkt Rundts lag aber in Wien, wo er regelmäßig Beiträge in der Neuen Freien Presse zur Veröffentlichung brachte.9 1931 berichtete er zum Beispiel von einer „Autofahrt durch die wegelose mongolische Steppe“ unter dem programmatischen Titel: „Asiate – dein Gott wohnt in Detroit“. Angesichts des voranschreitenden technischen Auf- und „Umbauwerk[s];“ prophezeite Rundt darin den Triumph von „Amerikas glatte[r] Sachlichkeit“ „im Zeichen des Sowjetsternes“.10

2 Julius Haydus Rußland 1932

Nicht nur ‚Doppelreisende‘ stellen für das Vorhaben, Schlaglichter auf den Amerika-Russland-Diskurs zu werfen, ein lohnendes Sujet dar: Auch deutschsprachige Russland-Reisende führten die beiden Neuwelten als Chiffren für zwei konkurrierende politische resp. wirtschaftliche Systeme im mentalen Gepäck mit. Walter Fähnders hat für deutsche Reiseberichte aus der UdSSR die „Konnotation von ‚Moskau/Russland‘ mit ‚Zukunft‘ “ und somit mit einem Attribut, das den USA beziehungsweise metonymisch „Amerika“ zugewiesen worden war, als Diskursmuster definiert.11 Eine solche Konnotation findet sich auch bei ←99 | 100→dem Essayisten und Romanschriftsteller Julius Haydu, der zwar ‚nur‘ die Neue Welt im Osten bereist, dabei aber die USA mit in den Blick genommen hat – vor allem um Sowjetrussland für (ein zukünftiges) Europa plausibel zu machen. Im 1928 erschienenen utopischen Roman der Sonne ließ Haydu eine Arbeiterregierung „die Menschheit […] zu einem neuen, besseren Dasein“ führen, nachdem ein „drohende[r]; Krieg zwischen Amerika und den versklavten europäischen Staaten“ abgewendet habe werden können, so Fritz Rosenfeld über „ein antikapitalistisches und vom Bekenntnis zur sozialistischen Zukunft der Menschheit erfüllte[s] Buch“.12 Ein solches Bekenntnis überraschte nicht aus der Feder des 1886 im ungarischen Somogyszil geborenen Juristen, Politikers und Schriftstellers, der 1918 Mitglied der ungarischen Räterepublik gewesen war und 1930 zu den Mitbegründern des Bundes der proletarisch-revolutionären Schriftsteller Österreichs zählte.

Haydu hatte die UdSSR in den 1920ern zweimal bereist und über das, was sich bis zu seiner dritten Reise von 1931 geändert hat (beziehungsweise habe), in dem Reisebuch Rußland 1932 Auskunft erteilt. Mit der Formel: „Propaganda für den Fünfjahresplan“ schloss der Rezensent der Neuen Freien Presse sein ablehnendes Urteil darüber kurz. Haydu versuche, „alles in Rußland Werdende als das große Heil hinzustellen“, zeige (auch mit den vom russischen Staatsverlag bereitgestellten Propagandabildern) „lediglich die Licht-, nicht aber die Schattenseiten des großen russischen Planes“.13 Probleme wie etwa Wohnungsknappheit oder die Unterversorgung mit alltäglichen Bedarfsartikeln werden in Rußland 1932 zwar gestreift, doch mitunter lapidar abgetan. „Gegenrevolutionäre Bewegungen stoßen auf eine gut organisierte politische Polizei“, heißt es da zum Beispiel hinsichtlich der Fama von Russland als „Riesenzuchthaus“; denn mit all diesen „Schwierigkeiten“ habe Russland ja „weit weniger die Einführung eines neuen Systems als die Rückständigkeit während des alten zu begleichen“.14 Lieber berichtet Haydu ausführlich von voranschreitender Technisierung und Motorisierung und von bereits realisierten Bau-Projekten, die er ohne Einschränkungen seitens des staatlichen Reisebüros Intourist hatte besuchen können. Die USA ←100 | 101→werden dabei immer wieder als negative Kontrastfolie beschworen.15 Um etwa den ‚Umbau‘ von Zuwanderern in idealtypische Sozialisten zu veranschaulichen, wählt Haydu als Fallbeispiel „Miß Eve“, eine 18-jährige wohlstandsverwahrloste Newyorkerin, die aus Fadesse auf Reisen gegangen, in Russland „in eine Versammlung der Jungkommunisten“ geraten – und geblieben ist. Miß Eve sei nunmehr überzeugte Kommunistin,16 wie zahllose andere Amerikaner auch: Sie haben die „Hoffnung verloren, das Leben in dem amerikanischen Eldorado weiterfristen zu können“.17

Um die Durchschlagskraft des Sozialismus hervorzukehren, verschlug es Haydu wohl nicht von ungefähr auf ‚Konvertiten‘ aus den Vereinigten Staaten, in denen ein ‚Red Scare‘ die politische Szenerie mit prägte.18 Als US-amerikanisches Spezifikum erläuterte Alfred Tyrnauer um 1926 potenziellen österreichischen Auswanderern, dass sich in den USA keine „politische Arbeiterbewegung“ formiert habe; „sogar die schlechtestbezahlten amerikanischen Arbeiter [sind] in europäischem Sinne Kapitalisten“.19

3 Im „halbasiatischen Märchenland“: Zu Theodore Dreisers travelogues

Dass die US-amerikanische Sozialismus-Skepsis im bürgerlich-liberalen Lager mit Wohlwollen beobachtet wurde, davon zeugen die Erwartungen, die etwa seitens der Neuen Freien Presse Theodore Dreisers Russlandreise von 1927 entgegengebracht wurden. Im Oktober 1928 würdigte Felix Salten das Schaffen des US-amerikanischen Romanciers für das bürgerliche Leitorgan Wiens als „längst schon notwendiges Gegengewicht zur zermalmenden, auflösenden Dichtung der Russen“, als Remedium gegen die „Jahrzehnte dauernde Vergiftung der deutschen, der europäischen Seele durch Tolstoi und Dostojewski“.20 In seinen Wortmeldungen über die Reise, die in der ersten Hälfte des Jahres in der Neuen Freien ←101 | 102→Presse erschienen waren, hatte der Amerikaner selbst sich aber durchaus angetan von Russland, namentlich von einer – in seiner Wahrnehmung – allenthalben ausmachbaren neuen, sehr bürgerlich anmutenden Behaglichkeit gezeigt, etwa in einem Interview mit Ann Tizia Leitich:

„Wenn ich nicht Amerika verfallen wäre, so würde ich unbedingt nur in Moskau leben; der malerische Charakter der Stadt […] ist ungeheuer stimulierend. Rußland hat die größte Zukunft vor sich, es ist heute ungefähr in dem Status, in dem unser Westen 1849 war […].“

„Ist es richtig, […] daß in manchen Gebieten Rußlands Hungersnot herrscht?“

Absolutely not. Es ist genug zu essen da, und wer keine Arbeit findet, bekommt 15 Rubel monatlich.“

„Und wie wirkt sich der Kommunismus in den Menschen aus?“

„Jeder arbeitet, aber es gibt keine Konkurrenz […]. Es ist eine neue Situation, die natürlich viel mehr der Entwicklung von innerer Kultur zuträglich ist als unser amerikanisches Leben. […]“

„Ist keine Gefahr vorhanden, daß die Maschine Rußland mechanisiert?“

„Nein, weil man nur immer hofft, durch die Maschine mehr Zeit zum Nachdenken zu erzielen, während man in Amerika daraus Geld und Vergnügen zu gewinnen hofft.“21

Stimulierendes (Stadt-)Leben, kommende Zukunft, kein Hunger, dafür soziale Absicherung der Arbeitslosen, kein inhumaner (kapitalistischer) Konkurrenzkampf auf Kosten ‚innerer Kultur‘ und ein ‚vernünftiges‘ Visavis zur Maschinisierung: Etwaige Schattenseiten blieben hier ausgespart, obgleich Dreiser in seinen Reiseessays den Blick sehr wohl auf Problematisches, Prekäres gelenkt hatte. Die erste Folge trug den symptomatischen Titel „Das Land der Gegensätze“, in dem armselige Bauernhütten neben staatlichen Musterlandwirtschaften fortexistieren.22 Dreiser wies auf die „Propagandasintflut“ zum Zwecke der „Einimpfung“ antikapitalistischer Ideen, auf Spionage und Zensur, auf hohe Preise und niedrige Löhne, auf Warenmangel hin – und darauf, dass die „Diktatur des Proletariats“ realiter „eine Diktatur der kommunistischen Partei“ sei.23 Im Vergleich zu den USA erscheine dieses Land „natürlich grauenhaft, ja hoffnungslos“; nichtsdestotrotz faszinierte Dreiser die „Willensstärke“ der Russen im ←102 | 103→Kampf gegen die „grausamen Klassenunterschiede“ und gegen „den Egoismus“, wovon er sich eine Strahlkraft auf die USA erhoffte:

Roosevelt hat immer gesagt, wir in Amerika müßten der Hinterlist im öffentlichen Leben Herr werden, so wie wir die Habgier gebändigt haben. In Rußland haben die Kommunisten ein System erdacht, um beide niederzuhalten. […] Es gibt keinen Grundbesitz, kein Eigentum, kein Erbgut. Jeder Weg zu persönlicher Bereicherung ist durch die Diktatur versperrt. (Sehr zweifelhaft. Anm. d. Red.)24

Nicht nur die Neue Freie Presse-Redaktion zog die von Dreiser aufgezeigten „Lichtseiten der Diktatur“25 wiederholt in Zweifel: Für den sozialdemokratischen Journalisten Karl Sailer, der Dreisers 1929 dann in deutscher Übersetzung bei Zsolnay erschienenes Russland-Reisebuch für die Zeitschrift Der Kampf rezensierte, offenbarte sich darin vor allem eine nach seinem Dafürhalten für Amerikaner typische „Naivität“.26 Immerhin ziehe Dreiser aber „das große Erlebnis des Sozialismus“ an,

fühlt er, […] „… daß unser eigenes Land schließlich und endlich sowjetisiert werden kann – vielleicht noch zu meinen Lebzeiten. Es ist kein so großer Schritt von einer Nation der vertrusteten Warenhäuser, Hotels und Zeitungen […] zu einem sowjetistischen Staatstrustsystem unter der Führung einer herrschenden Gruppe, wie dies in Rußland besteht.“27

Sympathien für eine Sowjetisierung der USA hat René Fülöp-Miller28 von Dreiser mitnichten vernommen, dafür aber den Versuch einer unangebrachten Beschönigung russischer Verhältnisse, obschon sich Dreiser der sowjetrussischen Wirklichkeit schlussendlich nicht verschließen habe können:

Verläßt er […] die „projektierten“ großartigen Fabriken, Fürsorgeanstalten und Gartenstädte der bolschewistischen Theorie, […] dann ändern sich wie mit einem Schlag seine Eindrücke und Stimmungen. […] Wohl gebe es genug der erhabenen Pläne, […] daneben aber herrschten bittere Armut, Bettelei, Arbeitslosigkeit, Zensur und Terror.29

Wovon Fülöp-Millers Rezension vor allem zeugt, ist Wehmut über die ‚Entmachtung‘ der Alten Welt: Europa habe aufgehört, das „bewunderte Vorbild“ ←103 | 104→für sowohl Russland als auch die USA zu sein. „Amerikanisierung des Sowjetstaates“ laute die Parole der „bolschewistischen Erneuerer“, und die US-amerikanischen Dichter feiern „die kommunistische Wirtschaftsordnung“, womit sie das Lesebedürfnis der finanzpotenten amerikanischen Bourgeoisie bedienen, die nach Berichten über das „halbasiatische Märchenland an der Wolga“ verlange, in dem „Genossen“ „in paradiesischer Eintracht“ leben.30

4 „Dostojewski-Russen“ im Lichte amerikanischer Sachlichkeit

Ein Interesse an dem „eurasischen Riesenreich der unbegrenzten Möglichkeiten“31 bestand unleugbar auch in der Ersten Republik, wo man sich von offizieller Seite bemüht zeigte, nicht zu sehr mit dem ‚Roten Osten‘ auf ‚Tuchfühlung‘ zu gehen.32 Eine Entsprechung fand dies in im Feuilleton der bürgerlichen beziehungsweise konservativ-reaktionären Tagespresse lancierten Warnungen vor sowjetverherrlichender ‚Tendenzschreiberei‘ und ‚Propaganda‘.33 1928 etwa echauffierte sich der im bürgerlichen Boulevard verankerte Hans Liebstoeckl darüber, dass das „Ausland […] außerordentlich nett zu den Russen“ sei und „waggonweise“ deren literarisiertes „Nationalleid“ importiere, „obzwar man die ganze russische Literatur kennt, wenn man einen davon gelesen hat“.34 In dieser Aburteilung klingen Topoi an, die immer wieder in kritischen Aperçus zur russischen Literatur(-tradition) auftauchen: zum einen, dass es sich hierbei stets um eine, so etwa Fritz Rosenfeld, „politisch mehr oder minder scharf tendierte Literatur“ gehandelt habe (schließlich haben im 19. Jahrhundert Roman, Drama und Gedicht „die verbotene politische Streitschrift ersetzen“ müssen);35 zum anderen, dass ungeachtet dieser gesellschaftskritischen Tendenz bis dato vornehmlich, wie Stefan Zweig es formuliert hat, „Adelsdichter“ wie Lev Tolstoj oder ←104 | 105→Fёdor Dostoevskij dem „russischen Volk“ ihre Stimme geliehen haben.36 Doch „[n];ach dem Bilde der russischen Literatur baute der Westen seine Anschauung […] und erhielt so jenes sentimental-romantische Bild, dem weißer und roter Terror unverständlich und unfaßlich erscheinen“, so Georg Kollmann über jene „Dostojewski-Russen, die Europa vor den Augen seiner Phantasie hat“37 und die, glauben wir Maria Lazar, 1927 noch immer den Blick darauf verstellen, dass

[i];n Rußland […] vor zehn Jahren […] die Sowjetrepublik gegründet [wurde]. Das bedeutete […] eine neue Welt für alle und jeden. Auch für den Dichter. […] Das Leben hatte ein neues Gesicht bekommen. Ein zerschundenes, ein blutiges – aber ein neues und junges Gesicht. ‚Das ist alles Tendenz und Propaganda‘, sagt achselzuckend die europäische Bourgeoisie, wenn von neuer und neuester russischer Literatur die Rede ist. Und sucht die russische Seele […] in den kindisch bunten Verkleidungen des Blauen Vogels. Und man hat recht. […] Wer in den ersten Jahren des Selbsterhaltungskampfes der Sowjetrepublik in Rußland hätte sich fernhalten können von Tendenz und Propaganda?38

Als Exponenten einer „Propaganda des Durchhaltens“ porträtierte die Wiener Schriftstellerin in ihrem in der Arbeiter-Zeitung veröffentlichten Essay vor allem Il’ja Ėrenburg und Fёdor Gladkov. Dessen Zement sei der „größte Tendenzroman der Gegenwart, unerreichbar in seiner wuchtigen Gestaltungskraft“, so Lazar, die einleitend auch die literarische Produktion der USA gestreift hat, und zwar als Komplement zur sowjetrussischen Literatur der Gegenwart. „Die Weltliteratur, die immer der getreueste Spiegel der Weltsituation ist, schwankt derzeit zwischen zwei Extremen: zwischen Rußland und Amerika, zwischen der nüchternen Phantastik des Ostens und der phantastischen Nüchternheit des Westens“, während die literarische Produktion in Europa sich „in die großväterlichen Formen der achtziger Jahre“ flüchte.39 „Man muß die jungen Russen, die jungen Amerikaner lesen, um dem eigenen Leben ins Antlitz zu sehen“, wird ein Jahr später am selben Ort auch Ernst Fischer klarstellen. Der (bürgerliche) europäische Literat nämlich begnüge sich damit, „Worte, Probleme, Erkenntnisse, die vor 1914 in der Luft lagen“, durchzukauen – scheinbar unbeeindruckt vom Sieg der Revolution in Russland, vom entfesselten amerikanischen Kapitalismus und vom Chaos in Europa, wo „Demokratie, Fascismus, Sozialismus um die Zukunft [ringen]“. Als die beiden „einander ergänzenden, einander widersprechenden Dokumente unserer Seele“, die nach Fischers Dafürhalten die weltliterarische ←105 | 106→Vormachtstellung der beiden Neuwelten belegen, werden John Dos Passos’ Roman Manhattan Transfer und Gladkovs Zement genannt.40

Mit Zement hat sich Fischer bereits 1927 für die sozialdemokratische Zeitschrift Der Kampf befasst – als idealtypischem Beispiel für eine vom „Geist des Bolschewismus“ affizierte Literatur, für die nicht länger individuelle Schicksale resp. ein „Ewigkeitswert“, sondern „Aktualität und politische Wirkung“ – eben: Tendenz und Propaganda – zentral stehen, obgleich Gladkov „sachlich und objektiv“ auch „Schwächen und Mängel der bolschewistischen Gesellschaft“ schildere. Der Roman, durchströmt von einem „unromantische[n]; Wille[n] zur Lebensgestaltung“, erscheine nur dem „unrussisch“, der lediglich die „Dichter des Zarenreiches“ als „russisch“ gelten lasse: „Das ist nicht mehr die ‚russische Seele‘, die man wie eine rätselhafte Gottheit verehrte“, nicht mehr jener „Schatten Dostojewskis“, der vielen Europäern „als der Inbegriff des ‚Russentums‘ (einer unveränderlichen und undefinierbaren Substanz) gilt“.41

Mit „Wandlung des russischen Geistes“ hat Fischer seinen Essay überschrieben: Der neue russische „Geist“ erschöpfe sich nicht länger in einem „sentimental-romantischen“ Russentum nach Dostoevskij’scher Fasson, das sich so gar nicht in Übereinstimmung mit revolutionärem „Terror“ bringen lasse;42 an der Persistenz dieser Mirages haben vergleichbar auch Fritz Rosenfeld und Paul Hatvani Anstoß genommen.43 Der aus der literarischen Tradition gespeisten Fama der (alt-)russischen „Seele“ hält Fischer einen nachrevolutionären „Geist“ entgegen, den nicht länger „Trägheit, Schwermut und Passivität“ kennzeichnen – sondern vor allem auch ein „Bekenntnis“ zum „kapitalistische[n];, mechanistische[n] Amerika“, zu Elektrifizierung, Taylorismus und Technik. Das versteht Fischer – wie vor ihm bereits der für die österreichische Sozialdemokratie maßgebende Politiker (und Theoretiker) Otto Bauer44 – als nachvollziehbare ←106 | 107→Reaktion auf Russlands wirtschaftliche Un-Entwickeltheit: „Das Bekenntnis zu Amerika, es war das Bekenntnis zu den Voraussetzungen der Sozialisierung, die man in übermenschlicher Arbeit der Geschichte abtrotzen wollte.“45 Auch Fischers ‚Typologie‘ stützt sich auf literarische Quellen, doch der ‚Kanon‘ ist ein anderer, ein aktualisierter. Gleiches gilt für Lazar, aber auch Oskar M. Fontana, der künstlerischen „Dokumenten“ wie zum Beispiel dem Potemkin-Film oder Il’ja Ėrenburgs Roman Michail Lykow (1927) den Vorzug gibt vor Berichten aus der Feder von Reisenden, die das „russische Leben“ gleich „Kriegsberichterstattern“ nach wenigen Wochen beurteilen möchten.46

Ėrenburg, der auch bei Lazar als Prototyp neuer russischer Literatur genannt wird, hat sein autopoetisches Selbstverständnis als Reporter-Literat, dem vor allem an „Objektivität“ gelegen ist, in der Wiener Zeitschrift Radiowelt 1930 wie folgt erläutert: „Der junge Mensch, der zwischen den Maschinen aufwächst, kann nicht anders als in seinen schriftlichen Beobachtungen das Spiegelbild seiner Umwelt getreu aufzeichnen. Die Phantasie hat an literarischer Wertschätzung eingebüßt“. Dieser Rapport zur Sachlichkeit wird von Ėrenburg als Facette des Amerika-Kults der russischen Jugend skizziert: „Über Rußland geht heute der Stern Amerikas auf“, die Technik beschlagnahme „die Gedanken der heranwachsenden Generation“, die „den Fußball entschieden dickleibigen Dostojewsky-Bänden vor[zieht]“.47

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5 Ohne Amerika geht es nicht?

Bei Ėrenburg und Fischer erschien der neue amerika(nismus)affine russische Tatmensch vor allem dank seines Technisierungsenthusiasmus als logische Konsequenz der Revolution plausibel. Joseph Roth dagegen, für den die USA und die Sowjetunion zentrale Pole seiner geopolitischen Orientierung um das (Epi-)Zentrum der untergegangenen Monarchie stellten,48 war besorgt im Angesichte eines gleichfalls ‚amerikanisiert‘ daherkommenden „neuen russischen Typ[s];“. Vor den Schaufenstern des „Nep-Mann[es]“, Proponent der seit Beginn der 1920er allmählich durchgesetzten Neuen Ökonomischen Politik (NEP), stehe das Proletariat heute neuerdings, ohne sich die feilgebotenen Waren leisten zu können – wie in einem „kapitalistische[n] Staat“. Der NEP-Mann als Händler und Industrieller ist der „auferstandene Bourgeois“,49 den Nikolaus Basseches als Manifestation einer umfassenderen ‚Wandlung des russischen Geistes‘ skizzierte: Der von den Kulturrevolutionären vermeinte „neue Mensch“ sei nichts anderes als „ein guter Staatsbürger, der die Ordnung liebt“, und darin vergleichbar dem „idealen Staatsbürger der bürgerlichen Staaten“. Der prototypische „neue Mensch“ ist demnach, so auch der Titel des Leitartikels aus der Feder des Neue Freie Presse-Moskau-Korrespondenten, „Der verbürgerlichte Kommunist“.50

Die hier feuilletonistisch geleistete ‚Verbürgerlichung‘ der Sowjetunion fand eine Entsprechung in einem immer wieder beschworenen bürgerlichen Habitus der USA. „Es gibt nur amerikanische Bürger“,51 begeisterte sich etwa der Wiener Mediziner Burghard Breitner, dem mit dem sibirischen Kriegstagebuch Unverwundet gefangen 1921 ein Bestseller gelungen war,52 in dem USA-Reisebericht ←108 | 109→Mormonen und Medizinmänner (1930) über die fehlende Durchschlagkraft des Sozialismus in Amerika – im Gegensatz zu Wien, das von „bolschewistischen Pocken“ befallen sei.53 Denn, wie sich hier mit Ann Tizia Leitich anknüpfen ließe, der amerikanische Arbeiter hat es „nicht notwendig, Bolschewist zu werden“. Dank der Lohnpolitik eines Henry Ford sei er nämlich zufrieden, was die aus Wien gebürtige USA-Korrespondentin der Neuen Freien Presse 1925 mit folgendem Bekenntnis zu Amerika quittierte: „Ich bin weder Bolschewistin noch Sozialistin, lediglich Amerikanerin – in diesem Sinn – und als solche sage ich: Jeder, wo immer er geboren ist, soll die Möglichkeit haben, sein Leben auszugestalten“.54 Den Osten hatte Leitich, ohne Russland aus eigener Anschauung zu kennen, auch als Romanschriftstellerin im Blick, als sie 1930 in dem in der Neuen Freien Presse veröffentlichten „Roman einer Frau der Zeit“ Ein Leben ist nicht genug die ‚rasende Reporterin‘ Lassa Lumis Amerika und Europa durchmessen ließ. Der Durchbruch als Journalistin ist Lassa mit dem Reportageroman Als Arbeiterin durch das bolschewistische Rußland, als – in Anlehnung an Lili Körbers Tagebuch-Roman55 – ‚Frau, die den roten Alltag bereist‘, gelungen. Als Starreporterin beim Medienkonzern Transcontinental Press mit Hauptsitz in New York ist sie dann zunächst in Paris als Korrespondentin, dann in Berlin als Leiterin der Propagandaabteilung der Bequi, einer Tochtergesellschaft der Transcontinental, tätig. Das Luftfahrtunternehmen interessiert sich für einen von deutschen Wissenschaftlern entwickelten Flugzeug-Treibstoff; als die Hauptfinanciers dieser Forschungen, die deutschen Sonner-Werke, marodieren und sich nur durch einen Vertrag mit der Sowjethandelsvertretung in Berlin sanieren könnten, wird Lassa beauftragt, den Vertragsabschluss zu verhindern. Doch sie scheitert ganz bewusst: Die Sonner-Werke werden 42.000 Traktoren nach Russland liefern, und Lassa scheidet aus der Bequi aus. Was für eine ‚Karrieristin der Zeit‘ die Katastrophe bedeuten müsste, gerät für eine Leitich-Protagonistin zum Happy End, in dem Amerika und Europa, das heißt Lassa und der für Sonner tätige Ingenieur Montanus, endlich zueinander finden.56 Dieses Happy End transportiert für das ‚bürgerliche‘ Lager in den 1920er Jahren durchaus typische philo-amerikanistische Sentiments, als deren Sprachrohr Leitich auch mit ihren journalistischen Beiträgen figurierte. Von einer nach amerikanischem Vorbild modernisierten Gesellschaft versprach man sich die ‚Bändigung‘ der Massen durch demokratische Zugeständnisse und damit einen Weg vorbei ←109 | 110→an sozialistischer Revolution. Im Roten Wien war eine solche Positionierung transparent nicht nur für antisozialistische Ressentiments, sondern auch für ein kritisches Visavis zur österreichischen Sozialdemokratie.57

Ihr philo-amerikan(ist)isches Credo von 1925 formulierte Leitich in Reaktion auf den Essay „Die Monotonisierung der Welt“, in dem Stefan Zweig der von den USA überschwappenden „Welle der Einförmigkeit“ als Pendant den zudem von Russland herandrängenden „Willen zur Monotonie“ und „Uniformität“ an die Seite gestellt hatte; bedrängt von beiden liege Europa in der Mitte als letztes „Bollwerk“ des Individualismus.58 Dieses Schema legte auch Franz Werfel seinem „flammenden Aufruf“ Realismus und Innerlichkeit (1931) zugrunde. Hatte Werfel unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkriegs dem „kapitalistischen“ Kunst-Betrieb die Sowjetkultur noch als Modell entgegengestellt,59 definierte er „Amerika und Rußland“ nunmehr als die beiden für Europa „tödlichen Zangenkiefer“, aus deren „radikal-realistische[m]; Lebensgefühl“ die Tendenz resultiere, „individuelle[s] Bewußtsein […] durch ein leichtlenkbares Kollektivbewußtsein zu ersetzen“.60 Unter dem Eindruck von „Amerikanismus“ und „Bolschewismus“ als „Verkörperungen desselben materialistischen Nihilismus“ fand Egon Friedell gleichfalls 1931 in seiner Kulturgeschichte der Neuzeit zu einer ähnlich alarmierenden Diagnose: „Amerikanisch und bolschewistisch ist die Ausschaltung der Seele aus den sozialen Beziehungen, die infernalische Devise ‚Zeit ist Geld‘ […] und die restlose Mechanisierung der Arbeit“.61

Während Friedell noch keine Prognose zu wagen mochte, welches der beiden Systeme künftig reüssieren werde, entwarf Richard Coudenhove-Kalergi 1931 in der Broschüre Stalin & Co. eine weit ausgreifende, tendenziell philo-amerikanistische Zukunftsvision. Dem sowjetischen „Übergewicht“ könne nur ←110 | 111→durch einen „Europäischen Bund“ mit gemeinsamer Außen-, Handels- und Verteidigungspolitik beigekommen werden – zunächst, denn: „Die Ergänzung des europäischen bildet der abendländische Zusammenschluß: Atlantis. Zwischen Paneuropa, den britischen Dominions und Panamerika muß eine innige Gemeinschaft geschaffen werden“.62 Die Neue Freie Presse gestand dem Führer der Paneuropa-Bewegung zu, mit seiner Broschüre Stalin richtig als „roten Napoleon“, dessen Diktatur das Versagen der kommunistischen Wirtschaftsmethoden beweise, entlarvt zu haben,63 wohingegen Haydu sich in Rußland 1932 an Coudenhove-Kalergis Fehlprognosen stieß.64 Bereits in dem mit statistischem Material und Aperçus zu aktueller ökonomischer Wissenschaftsliteratur durchwirkten Essay Ins Chaos? hatte Haydu die Weltwirtschaftskrise als Beleg für die Dysfunktionalität des kapitalistischen (Welt-)Systems skizziert.65 Ohne Amerika geht es nicht, gab sich 1930 dagegen auch der aus der Ukraine gebürtige Wiener Schriftsteller Emil Müller-Sturmheim überzeugt, als er angesichts der wirtschaftlichen Instabilität Zentraleuropas für eine „Verschmelzung amerikanischen und europäischen Wesens“ plädierte und als Grund hierfür ins Treffen führte: „Der Durchschnittsrusse hat den Lebensstandard eines besseren Haustieres, während tausende amerikanische Arbeiter mit eigenem Auto zur Fabrik fahren.“66

6 Synopse(n): AMERIKA EUROPA RUSSLAND

Pathogramme, die das Vorwalten von „Amerikanismus“ und „Bolschewismus“ als Menetekel für den Untergang des ‚Abendlandes‘ deuteten, provozierten auch dazu, Perzeptionsmustern nachzuspüren. Eine „falsche Angst vor der Mechanisierung des Lebens“ mache „so verstockte Intellektuelle wie etwa Franz Werfel zu Maschinenstürmern“, polemisierte Béla Balázs gegen Werfels Warnruf vor Hyper-„Realismus“ als zugleich Plädoyer für bürgerliche „Innerlichkeit“: Sie werfen „Amerikanismus und Bolschewismus in einen Topf, weil das russische Proletariat nicht gewillt ist, auch weiterhin in unzivilisierter, tierischer Primitivität zu leben“, und träumen sich „in ihrer dampfgeheizten und elektrisch ←111 | 112→beleuchteten Wohnung in irgend ein vorindustrielles Paradies zurück“.67 Der Wiener Kunsthändler Paul Wengraf schlug Stefan Zweig in seinem 1927 erschienenen Essay AMERIKA EUROPA RUSSLAND den gegenwartsfernen „Anwälte[n]; und Apostel[n] des europäischen Geisteslebens“ zu,68 als er den bürgerlichen Philo-Amerikanismus als modernistisch gewandete Reaktion entlarvte. Das Bürgertum suche nur deshalb politischen, wirtschaftlichen und geistigen Anschluss an Amerika, weil es sich davon „eine Erstarkung der bürgerlichen Weltordnung und einen Schutzwall gegen den Bolschewismus“69 erhoffe:

Amerika schafft ohne Zwang, doch zwangsläufig einen neuen Bürgertypus: den Babbit, der, so frei, so individualistisch er sich dünkt, nichts anderes ist als der Kollektivmensch, von dem Rußland träumt: uniform, schablonisiert, von Sitte, Massenartikeln, Warenhauskultur um jede Individualität gebracht: ein Massenmensch.70

Wengrafs Vision dagegen war eine die „bürgerliche Welt“ allmählich ablösende „Kollektivwelt“, die aus der gegenseitigen Durchdringung von Amerika und Russland resultieren sollte, eine „antikapitalistische, unbürgerliche Gesellschaftsordnung“: „Schön eröffnet sich am Horizont die ungeheure Perspektive eines bolschewisierten Amerikas, eines amerikanisierten Rußlands“.71 Eine solche ideale Gesellschaftsform als Kultur(en)symbiose72 hatte Robert Müller bereits 1920 in dem Essay Bolschewik und Gentleman entworfen: „Im Sibirjaken kündigt sich etwas wie ein slawisch-mongolischer Amerikaner an; Unternehmermensch, Aktivist“.73

Mit der Frage: „Gibt es eine Synthese, die diese Gegensätze [Rußland und Amerika] eint?“,74 beschloss Fischer 1928 seinen Essay über den „Geist des Amerikanertums“. Synthese: Das ist die Schnittmenge zwischen Wengrafs – und ähnlich Müllers – ‚Kollektivwelt‘ (Zivilisation + Antikapitalismus = Unbürgerlichkeit), der bei Fischer erläuterten ‚richtigen‘ Amerikanisierung der Sowjetunion (Technisierung im Dienste der Revolution), der von Dreiser imaginierten ←112 | 113→Sowjetisierung der USA (sowjetistisches Staatstrustsystem) und auch des Leitich’schen Philo-Amerikanismus (Evolution mit ‚sozialistischen‘ Zugeständnissen anstelle ‚bolschewistischer‘ Revolution). Dass ein Bedürfnis nach Synthese in Wien scheinbar besonders dringlich gewesen ist, lässt sich wohl mit dem politischen Habitus einer ‚Roten Metropole‘, das heißt den Spannungen zwischen Sozialdemokratie und dem ‚Bürgerblock‘, in Zusammenhang bringen. Und überblickt man die hier konsultierten Dokumente, so hat sich der Wille zur Konsolidierung, zur Synthese, projiziert auf den internationalen Wettstreit zwischen den ‚Systemen‘ Amerika und Russland, seit Ende der 1920er Jahre, zur Zeit der zunehmenden politischen Polarisierung in der Ersten Republik, noch intensiviert.75 „Der Bürger kann sich in Wien nicht mehr halten. Sie erwürgen den Kapitalisten auf kalte Manier“: Dergestalt lamentierte ein österreichischer Industrieller bereits 1927 resigniert über die Wiener „Bolschewiki“ – (zumindest) in Ernst Tollers Bericht über eine „Reise ins sozialistische Wien“, die ihm „mit wundervoller Gewalt das depressive Empfinden [zerstört], das der deutsche radikale Sozialist in sich verkrustet trägt“, denn: „Nur Rußland leistet in kulturellem Bezirk Ähnliches“.76

Als Orientierungsfahrten hat Simon Huber in seiner Studie von 2014 Sowjetunion- und USA-Reiseberichte der Zwischenkriegszeit beleuchtet, für die die Auseinandersetzung mit Modernisierungsphänomenen wie der Infragestellung tradierter sozialer Rollen oder der fortschreitendenden Technisierung und Rationalisierung charakteristisch ist. Dabei interessierten die beiden Länder nicht nur als „eigenständige Experimente“, sondern aufgrund ihrer „Orientierungsfunktion“ für die Weimarer Republik.77 Dieser Befund lässt sich natürlich auch – nicht zuletzt eingedenk der von Huber bedachten AutorInnen österreichischer Provenienz wie Kisch oder Marta Karlweis – auf die Erste Republik ausweiten. Zudem bedurfte es natürlich nicht der Gattung Reiseschreibung, um sich anhand der beziehungsweise mit Blick auf die beiden ‚Neuwelten‘ mit Facetten der Modernisierung zu befassen: Die „Übereinstimmung“ der beiden „modernsten Staaten der Welt“ war laut Wengraf insbesondere „an der Stellung ←113 | 114→der Frau“ und „den Methoden der Kindererziehung“ in den USA respektive Russland evident.78 Tatsächlich wurden die beiden ‚modernsten Staaten der Welt‘ auch in diesbezüglichen Diskussionen über innerösterreichische Entwicklungen im Feuilleton beleuchtet – je nach ideologischer Positionierung als vorbildliche oder abschreckende Beispiele und oftmals im Verbund. Als „Moralbolschewismus“79 im (Roten) Wien ahndeten katholisch-konservative Kreise etwa die „Revolutionierung der bisher strengen moralischen Anschauungen“,80 als deren ‚Urheber‘ sich der „neue Frauentypus der vermännlichten, […] ‚versachlichten‘ Frau“81 ausmachen und sich den amerikanischen und russischen Frauen gleichermaßen ‚anlasten‘ ließ.

In Wechselschau zwischen Russland und Amerika wurden in beziehungsweise für Österreich auch Phänomene wie der „rationalisierte Haushalt“82 diskutiert und realisiert: Margarete Schütte-Lihotzky entwarf ihre eigentlich für den Wiener Siedlungsbau konzipierte Frankfurter Küche unter Berücksichtigung von Forschungen zur Arbeitseffizienz im kapitalistischen, taylorisierten Produktionsprozess und sowjetmarxistischer Sozialforschung zur Arbeitserleichterung im Dienste der Emanzipation.83 Dass, um abschließend noch auf im vorliegenden Band aufgezeigte Wechselwirkungen hinzudeuten, Max Brand kompositorisch sowohl dem Klang des Ostens als auch dem des Westens ‚lauschte‘,84 Wohnbauprojekte im ‚Roten Wien‘ Anleihen an amerikanischer Architektur nahmen85 oder Joseph Gregor und René Fülöp-Miller Zwillingspublikationen über das Theater in Russland und den USA als den beiden „Polen der Gegenwartskultur“86 vorlegten, belegt zudem die Virulenz des Amerika-Russland-Diskurses zur Zeit der Ersten Republik.


1 Edwin Rollett: Rußland und wir. In: Wiener Zeitung (30.8.1924), S. 1–4.

2 Ebd.

3 In der Reichspost wird er als bolschewikischen Repressalien trotzender Ostasienfahrer gewürdigt (Maria Lang-Reitstätter: Die geheimnisvolle Mongolei. In: Reichspost [fortan: RP] (21.9.1924), S. 1–3), während ihn der Tag als „Pole[n];, dem es im zaristischen Rußland sehr gut ging“ und der „in seinem neuen Buch so eine Art Dankespflicht gegen jenes Rußland abzustatten“ versuche, aburteilt (M.: Schattenbilder aus dem neuen Rußland. In: Der Tag (31.10.1928), S. 6).

4 Vgl. R. Seth C. Knox: Weimar Germany between Two Worlds. The American and Russian Travels of Kisch, Toller, Holitscher, Goldschmidt, and Rundt. New York u.a.: Peter Lang 2006 (= Studies on Themes and Motifs in Literature, Vol. 81), S. 3 bzw. 9.

5 Ebd., S. 1.

6 Vgl. ebd., S. 132 bzw. 212–214.

7 Arthur Rundt: Amerika ist anders. Berlin: Wegweiser 1926, S. 133.

8 Vgl. Matthias Heeke: Reisen zu den Sowjets. Der ausländische Tourismus in Russland 1921–1941. Berlin: Lit 2003 (= Arbeiten zur Geschichte Osteuropas), S. 615. Zu Der Mensch wird umgebaut vgl. auch den Beitrag von P.-H. Kucher.

9 Vgl. Knox, Weimar Germany, S. 193.

10 Arthur Rundt: Asiate – dein Gott wohnt in Detroit. In: Neue Freie Presse [fortan: NFP] (29.11.1931), S. 34. Der Beitrag ist dem Russlandbuch entnommen; neben z.T. modifizierten Kapiteln aus Der Mensch wird umgebaut finden sich in der NFP auch Rundt’sche Originalbeiträge über Russland, z.B. der Essay „Gefährliche Verbesserungen“ (9.8.1931, S. 26), in dem gleichfalls die Amerikanisierung der UdSSR Gegenstand ist.

11 Walter Fähnders: „Amerika“ und „Amerikanismus“ in deutschen Russlandberichten der Weimarer Republik. In: Wolfgang Asholt/Claude Leroy (Hgg.): Die Blicke der Anderen. Paris–Berlin–Moskau (= Reise Texte Metropolen, Bd. 2). Bielefeld: Aisthesis 2006, S. 101–120, zit. S. 101–103.

12 Fritz Rosenfeld: Neue Bücher. In: Salzburger Wacht (2.5.1928), S. 6f.

13 Otto Deutsch: Rußland 1932. In: NFP (2.7.1932), S. 15.

14 Julius Haydu: Rußland 1932. Wien–Leipzig: Phaidon 1932, S. 155f. bzw. 233.

15 Gleich zu Beginn wird das industrialisierte Morden in den legendären Chicagoer Schlachthäusern thematisiert und mit Einrichtungen in Moskau verglichen; vgl. ebd., S. 11f.

16 Vgl. ebd., S. 212.

17 Ebd., S. 214.

18 Darüber wurden „Freunde und Leser in Rußland“ z.B. in einem in der Übersetzung von Hermynia Zur Mühlen veröffentlichten Offenen Brief orientiert von: Upton Sinclair: Rußland und der Krieg. In: Die Weltbühne, Nr. 25/1927, S. 978f.

19 Alfred Tyrnauer: Amerika und seine Einwanderer. Wien–Leipzig: Braumüller 1926, S. 28f.

20 Felix Salten: Ein großer amerikanischer Erzähler. In: NFP (7.10.1928), S. 1–4.

21 Ann Tizia Leitich: Gespräche mit berühmten amerikanischen Schriftstellern. In: NFP (8.4.1928), S. 40f.

22 Theodore Dreiser: Das Land der Gegensätze. In: NFP (21.3.1928), S. 2f.

23 Vgl. ders.: Kommunistenpropaganda in Sowjetrußland. In: NFP (23.3.1928), S. 2; ders.: Spionage und Zensur in Sowjetrußland. In: NFP (24.3.1928), S. 2; ders.: Wie die Sowjets die öffentliche Meinung machen. In: NFP (25.3.1928), S. 2f.; ders.: Kommunistenerziehung in Rußland. In: Neue Freie Presse (27.3.1928), S. 1f.

24 Ders.: Einige Lichtseiten der Diktatur. In: NFP (29.3.1928), S. 3.

25 Ebd.

26 Z.B. wenn er lange Schlangen vor den Geschäften als Ausdruck eines (behaupteten) Wohlstands der Russen deutet; vgl. K.H.S.: Sowjetrußland. In: Der Kampf, Nr. 5/1929, S. 241f.

27 Ebd.

28 Zu Fülöp-Miller vgl. ausführlich den Beitrag von K. Plachov.

29 René Fülöp-Miller: Newyork – Moskau. In: NFP (7.4.1929), S. 25f.

30 Vgl. ebd.

31 st-g. [d.i. Julian Sternberg]: Globetrotter erzählen über Sowjetrußland. In: NFP (20.5.1931), S. 11.

32 Vgl. dazu den Beitrag von J. Köstenberger.

33 Vgl. Arnold Höllriegel [d.i. Richard A. Bermann]: Der Bolschewismus als Gefahr und als Hoffnung. In: Der Friede, Nr. 51/1919, S. 582; Edwin Rollett: Leonid Leonow. In: Wiener Zeitung (18.8.1926), S. 3; Nikolaus Basseches: Russische Jugend und ihre Ziele. In: NFP (25.12.1927), S. 9f.; L.H.: Vom altrussischen Heldenlied zur bolschewikischen Dichtung. In: RP (31.8.1924), S. 15.

34 Hans Liebstoeckl: Russendrama. In: Wiener Sonn- und Montags-Zeitung, H. 38/1928, S. 4.

35 Fritz Rosenfeld: Maxim Gorki. In: Bildungsarbeit, H. 4/1928, S. 79–82.

36 Stefan Zweig: Rede zu Ehren Maxim Gorkis. In: NFP (25.3.1928), S. 31f.

37 Georg Kollmann: Rußlandbücher. In: Die Waage, Nr. 26/1923, S. 804–807, zit. S. 804.

38 Maria Lazar: Tendenz und Propaganda. In: Arbeiter-Zeitung [fortan: AZ] (6.11.1927), S. 21.

39 Ebd.

40 Ernst Fischer: Geist des Amerikanertums. In: AZ (15.1.1928), S. 17. Zu Fischer vgl. auch den Beitrag von J. Egyptien.

41 Ders.: Wandlung des russischen Geistes. In: Der Kampf, Nr. 11/1927, S. 499–507. Vgl. auch: Paul Wertheimer: „Zement.“ In: NFP (10.6.1928), S. 28f.; Grete Ujhely: „Zement“, oder: Der Leidensroman des neuen Russland. In: Der Tag (15.1.1928), S. 21; Leo Lania: Maschine und Dichtung. In: AZ (22.10.1927), S. 3f.

42 Ernst Fischer: Wandlung des russischen Geistes. In: Der Kampf, Nr. 11/1927, S. 499–507.

43 Vgl. Fritz Rosenfeld: Russische Erzähler. In: Bildungsarbeit, H. 12/1922, S. 94f.; Paul Hatvani: Der russische Mensch. In: Die Waage, Nr. 10/1923, S. 296–300.

44 Vgl. Otto Bauer: Der „neue Kurs“ in Sowjetrußland. Wien: Verlag der Wiener Volksbuchhandlung 1921, S. 31–36. Angesichts des „Chaos im Osten“ empfahl Bauer 1919 zudem, den Blick auf die „angelsächsischen Ländern“ zu richten, „in denen sich die Demokratisierung und Sozialisierung ohne Bürgerkrieg, unter dem bloßen Drucke von Streiks, Wahlkämpfen und parlamentarischen Machtverschiebungen“ vollziehe. Über „das Schicksal der kapitalistischen Welt“ werde zukünftig v.a. in den USA entschieden; im „große[n] Weltprozeß der sozialen Revolution“ sei der Bolschewismus „nur eine der vorübergehenden Formen und Phasen“ (Ders.: Weltrevolution. Wien: Wiener Volksbuchhandlung 1919 (= Sozialistische Bücherei, H. 11)). Von seinem kritischen „Verhältnis zum Bolschewismus“ hat Bauer auch Zeugnis abgelegt in: ders.: Acht Monate auswärtiger Politik. Rede, gehalten am 29. Juli 1919. Wien: Wiener Volksbuchhandlung Ignaz Brand & Co. 1919 (= Sozialistische Bücherei, H. 12), bs. S. 8–10.

45 Ernst Fischer: Wandlung des russischen Geistes. In: Der Kampf, Nr. 11/1927, S. 499–507.

46 Oskar M. Fontana: Das heroische und das alltägliche Rußland. In: Der Tag (15.1.1928), S. 17.

47 Ilja Ehrenburg: Romane – nein, elektrische Kraftwerke. In: Radiowelt, H. 3/1930, S. 75; auch in: Primus-Heinz Kucher/Rebecca Unterberger: „Akustisches Drama“. Radioästhetik, Kultur und Radiopolitik in Österreich 1924–1934. Bielefeld: Aisthesis 2013, S. 152f.

48 Vgl. Gerhard R. Kaiser: Altes Europa. USA-kritische Bezüge in der deutschsprachigen nichtfiktionalen Paris-Literatur zwischen 1918 und 1933 […]. In: Walter Fähnders u.a. (Hgg.): Berlin, Paris, Moskau. Reiseliteratur und die Metropolen (= Reisen Texte Metropolen, Bd. 1). Bielefeld: Aisthesis 2005, S. 71–85, hier S. 77; vgl. auch den Beitrag von E. Voloshchuk.

49 Joseph Roth: Der auferstandene Bourgeois. In: Prager Tagblatt (24.10.1926), S. 4.

50 Nikolaus Basseches: Der verbürgerlichte Kommunist. In: NFP (5.6.1928), S. 1f. Basseches, der in Moskau geborene Sohn eines österreichischen Großhändlers, war seit 1922 für die NFP als Korrespondent tätig. Zu Beginn der 1930er Jahre setzte sich Stalin persönlich für die Ausweisung des einzigen österreichischen Pressevertreters ein, provoziert von dessen kritischer Berichterstattung über die Kolchosen; vgl. Heeke, Reisen zu den Sowjets, S. 53f.

51 Burghard Breitner: Mormonen und Medizinmänner. Wien: Amalthea 1930, S. 151f.

52 1935 erschien im Verlag E. Hofmann (Darmstadt–Leipzig) eine erweiterte Ausgabe u.d.T. Sibirien. Unverwundet gefangen, laut deren Vorsatz sich die ursprünglich im Wiener Rikola-Verlag erschienene Ausgabe 11.000 Mal verkauft habe.

53 Breitner, Mormonen, S. 143.

54 Ann Tizia Leitich: Ein Wort für Amerika. In: NFP (25.3.1925), S. 1–4.

55 Vgl. dazu den Beitrag von W. Fähnders.

56 Der Roman erschien zwischen 23.8. und 30.10.1930 in der NFP.

57 Vgl. dazu: Rebecca Unterberger: Amerika, du hast es besser? Reiseschreibung aus der Neuen Welt. In: Primus-Heinz Kucher/Julia Bertschik (Hgg.): „baustelle kultur“. Diskurslagen in der österreichischen Literatur 1918–1933/38. Bielefeld: Aisthesis 2011, S. 125–158.

58 Vgl. dies.: Monotonisierungsdebatte. Online unter: http://litkult1920er.aau.at/?q=stichworte/monotonisierungsdebatte (letzter Zugriff: 1.10.2016)

59 Vgl. Walter Zettl: Literatur in Österreich von der Ersten zur Zweiten Republik. In: Herbert Zeman (Hg.): Geschichte der Literatur in Österreich von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bd. 7: Das 20. Jahrhundert. Graz: Akademische Druck- und Verlagsanstalt 1999, S. 15–220, hier S. 31.

60 Franz Werfel: Realismus und Innerlichkeit. Berlin–Wien–Leipzig: Zsolnay 1931, S. 5 bzw. 17.

61 Egon Friedell: Amerika und Rußland. In: Heribert Illig (Hg.): Das Friedell-Lesebuch. München: C.H. Beck 1988, S. 232–235.

62 Richard Coudenhove-Kalergi: Stalin & Co. Leipzig: Paneuropa 1931, S. 32.

63 N.N.: Der gewandelte Bolschewismus. In: NFP (22.11.1931), S. 5.

64 Vgl. Haydu, Rußland 1932, S. 235–241.

65 Vgl. ders.: Ins Chaos? Tragödie der Bauern, der Arbeiter, des Kapitals. Zürich–Leipzig–Wien: Amalthea 1931.

66 Emil Müller-Sturmheim: Ohne Amerika geht es nicht. Wien: Amalthea 1930, S. 5f. bzw. 59.

67 Béla Balázs: Die Furcht der Intellektuellen vor dem Sozialismus. II. In: Die Weltbühne, Nr. 4/1932, S. 131–134.

68 Paul Wengraf: AMERIKA EUROPA RUSSLAND. Wien: Zahn & Diamant 1927, S. 59f.

69 Ebd., S. 40.

70 Ebd., S. 45.

71 Ebd., S. 11–15.

72 Vgl. Daniela Magill: Nachwort. In: Robert Müller: Irmelin Rose – Bolschewik und andere verstreute Texte. Paderborn: Igel Verlag 1993, S. 209–215.

73 Robert Müller: Bolschewik und Gentleman. In: ebd., S. 139–208, zit. S. 179–181.

74 Ernst Fischer: Geist des Amerikanertums. In: AZ (15.1.1928), S. 17.

75 Vgl. Bruno Frei: Wien liegt zwischen London und Moskau. In: Die Weltbühne, Nr. 44/1927, S. 690f.: Der 15. Juli 1927 hat „die Legende zerstört […], als ob dieses Land an unheilbarer Gemütlichkeit erkrankt wäre“.

76 Ernst Toller: Das sozialistische Wien. In: Die Weltbühne, Nr. 11/1927, S. 407–409. Vgl. dazu auch den Leitartikel mit dem symptomatischen Titel: N.N.: Bürgertum und Sozialismus. Der große Kampf der Gegenwart. In: NFP (1.1.1930), S. 1f.

77 Simon Huber: Orientierungsfahrten. Sowjetunion- und USA-Berichte der Weimarer Republik. Bielefeld: Aisthesis 2014 (= Moderne-Studien 17), S. 17 bzw. 230.

78 Wengraf, AMERIKA EUROPA RUSSLAND, S. 41.

79 Georg Bichlmair: Moralbolschewismus. In: RP (28.9.1930), S. 3f.

80 N.N: Die Frau in Amerika. In: Die Unzufriedene, Nr. 27/1927, S. 3.

81 J[osefine] W[idmar]: Amerika und das neue Frauenideal. In: RP (29.4.1928), S. 17.

82 Rosie Graefenberg: Hausfrau in Moskau. In: Prager Tagblatt (23.12.1928), S. 3f.

83 Vgl. Helmut Weihsmann: Das Rote Wien. Sozialdemokratische Architektur und Kommunalpolitik 1919–1934. Wien: Promedia 22002, S. 43.

84 Vgl. den Beitrag von M. Hoffmann.

85 Vgl. den Beitrag von V. Faber.

86 Vgl. den Beitrag von K. Ifkovits.