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Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹

Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938

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Edited By Primus-Heinz Kucher and Rebecca Unterberger

Die Oktoberrevolution von 1917 und die Gründung der Sowjetunion zog politisch-ideologisch wie kulturell-künstlerisch im deutschsprachigen Raum hohe Aufmerksamkeit auf sich und polarisierte die intellektuelle Öffentlichkeit. Insbesondere in der Ersten Republik bzw. im ›Roten Wien‹ stießen manche ihrer Impulse auf Resonanz, andere auf dezidierte Zurückweisung. Auch im bürgerlichen Kunst- und Literaturbetrieb, zum Beispiel dem der Musik, des Theaters oder des Films wurden (sowjet)russische Entwicklungen wahrgenommen und diskutiert. Der Band widmet sich solchen Rezeptionsbeziehungen, arbeitet ihre zum Teil erstaunliche Resonanz heraus, verortet sie in zeittypischen Diskursen wie dem des Aktivismus, der Theater- und Musikavantgarde, aber auch, kontrastierend-komplementär, dem des zeitgenössischen Amerika-Diskurses.

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Neues Bauen in einem Neuen Wien?

Vera Faber

Neues Bauen in einem Neuen Wien?

Österreich und der sowjetische Konstruktivismus

Abstract: The following contribution explores relations between Austrian and Russian contemporary concepts in architecture and living space planning. Regardless of more intensive exchanges with German colleagues, Richard Neutra was one of the few architects perceived also in Soviet Union, but rather as an “American” for he lived in the United States since 1923. Margarethe Schütte-Lihotsky and her minimalistic-functionalist ideas will also be compared to Russian concepts.

1 Einleitung

In den 1920er Jahren zählte die Internationalisierung der Kunst zu den wichtigsten Grundsätzen der Avantgarde. Die bereits vom Futurismus proklamierte Überschreitung von Gattungsgrenzen (Intermedialität) wurde im Konstruktivismus durch die Internationalität, die Transgression von sprachlichen, kulturellen und politischen Grenzen, ergänzt. Der Konstruktivismus war somit die erste Strömung der Avantgarde, die dezidiert versuchte, Künstler aus Ost und West in einen produktiven wechselseitigen Diskurs und Austausch zu bringen. Das westeuropäische1 Ausland wurde in der Sowjetunion vor allem in der Zwischenkriegszeit intensiv rezipiert. Auch in der Architektur sorgte die Vernetzung der konstruktivistischen Gruppierungen dafür, dass es zu einem lebhaften Austausch zwischen Ost und West kam, sodass der russische Konstruktivismus einen bedeutenden Einfluss auf westeuropäische Strömungen hatte, die umgekehrt wiederum auch in Russland rezipiert wurden. Neben der international relativ bekannten russischen Zeitschrift Sovremennaja Architektura (dt. Architektur der Gegenwart), die zwischen 1926 und 1930 in Moskau erschien, nahmen sowjetukrainische Avantgarde-Zeitschriften im Kontext der Rezeption westeuropäischer Avantgarden ebenfalls eine wichtige Rolle ein. Im Gegensatz zu anderen europäischen Metropolen wurde Wien in sowjetischen Medien jedoch nur marginal wahrgenommen. Aus Sicht vieler sowjetischer Künstler konnte sich Wien kaum als Teil des internationalen Netzwerks positionieren, ←329 | 330→und die österreichische Avantgarde blieb in Bezug auf ihre Wahrnehmung in der Sowjetunion nur eine Erscheinung am Rand.2 In Wien erfolgte die Präsentation von Werken russischer Konstruktivisten, Futuristen und Suprematisten primär durch die ungarische Exil-Zeitschrift MA, die von Lajos Kassák herausgegeben wurde. Das 1922 von Kassák gemeinsam mit László Moholy-Nagy publizierte Buch Neuer Künstler stellte eine weitere Möglichkeit dar, die Entwicklungen der neuesten sowjetischen Kunst auch in Wien zu verfolgen.

Obwohl die Avantgarde in Wien mit Künstlern wie Oskar Kokoschka bereits früh einen wichtigen Ausgangspunkt genommen hatte, wird sie bis dato kaum wahrgenommen, wohingegen Italien (Futurismus), Frankreich (Kubismus, Dadaismus, Surrealismus etc.) oder die Weimarer Republik (Bauhaus, Dadaismus etc.) als Zentren der Avantgarde gelten. Im Kontext der bildenden Kunst lässt sich der Wiener Kinetismus als eine der wenigen explizit avantgardistisch ausgerichteten österreichischen Strömungen identifizieren, die eine Anbindung an das internationale Netzwerk der Avantgarden suchte und der dies auch im Ansatz gelang. Seit den ausklingenden 1920er Jahren kam es sowohl in der bildenden Kunst als auch in der Literatur zu einer weitgehenden Abkehr von ursprünglich avantgardistischen Prinzipien; die experimentell-offene Ausrichtung der frühen Phase wurde im Konstruktivismus in hohem Maße zugunsten einer funktional-sachlichen Zweckorientiertheit aufgegeben.

2 Österreich und das „Neue Bauen“

Die Architektur, deren Relevanz in mehreren Proklamationen des Konstruktivismus fest verankert war, entwickelte sich in den 1920er Jahren zu einer der wichtigsten Kunstformen innerhalb der meisten konstruktivistischen Vereinigungen. Der niederländische Konstruktivist und Mitbegründer der Vereinigung De Stijl Piet Mondrian beklagte gar eine generelle Überbewertung der Architektur, der gegenüber andere Kunstformen wie die Malerei einen minderwertigen ←330 | 331→Status einnehmen würden.3 In der Sowjetunion zählte die Architektur zudem zu jenen Bereichen der Avantgarde, in denen die Arbeit trotz zunehmender Repressionen noch relativ ungehindert fortgesetzt werden konnte.4 Anders als andere Kunstformen bot die Architektur Möglichkeiten, die Ideen der Revolution auch tatsächlich – zum Nutzen der Gesellschaft – in die Lebenspraxis überzuführen und nicht ausschließlich auf theoretischer Ebene zu reflektieren.5

Die Innovationen des „Neuen Bauens“ zeigten in Österreich erst relativ spät einen – zudem deutlich abgeschwächten – Niederschlag, der vor allem mit der Werkbundsiedlung auch in der zu Beginn der 1930er Jahre entstandenen städtebaulichen Praxis Spuren hinterließ. Der Österreichische Werkbund6 war zwar am engsten mit den neuen und revolutionären Ideen verbunden, differierte allerdings im Hinblick auf die Konzeption sowie die architektonische Praxis von den konstruktivistischen Strömungen. Mit Bauhaus, L’Esprit Nouveau, Russischem Konstruktivismus und De Stijl entwickelten sich Berlin (resp. Weimar und Dessau), Paris, Moskau und Amsterdam zu wichtigen Zentren der konstruktivistischen Architektur. In ehemaligen Gebieten des Habsburgerreiches stießen die ←331 | 332→neuen künstlerischen Konzepte ebenfalls auf eine produktive und, wie das Beispiel der Tschechoslowakei zeigt, international bedeutsame Resonanz.

Die österreichische Architektur nahm in der Zwischenkriegszeit in Bezug auf ihre Wahrnehmung eine weitaus marginalere Position ein als noch vor dem Zerfall der Habsburgermonarchie. Architekten und Projekte aus Wien waren in internationalen Publikationen zum „Neuen Bauen“ entweder nur gering oder gar nicht vertreten. Das von Walter Gropius herausgegebene erste Buch aus der Reihe der Bauhaus-Bücher, das mit dem Titel Internationale Architektur 1925 erschienen ist,7 gilt als erstes wichtiges Standardwerk zum „Neuen Bauen“ in Europa. Während der tschechoslowakische Konstruktivismus darin mehrfach als wichtige europäische Strömung aufscheint,8 werden von österreichischer Seite lediglich Adolf Loos und Richard Neutra präsentiert. Das Modell eines Wohnhauses9 beziehungsweise eines Geschäftsgebäudes10 stellen im Bauhaus-Buch die einzigen nennenswerten Beispiele für das „Neue Bauen“ in Wien dar.11 In anderen Publikationen werden die Entwicklungen in Österreich vonseiten deutscher Kritiker zudem oft als provinziell resp. wenig innovativ abgeurteilt.12 ←332 | 333→Die geringe, oft auch negative Berichterstattung zu österreichischer Baukunst in Deutschland ist nicht zuletzt deshalb überraschend, da es innerhalb verschiedener Gruppierungen, etwa im Werkbund oder in der Architektenvereinigung Das Neue Frankfurt, zu zahlreichen Kooperationen kam.13 Das Neue Frankfurt unter der Leitung von Ernst May zum Beispiel hatte sowohl zu russischen als auch österreichischen Architekten sehr gute Verbindungen, so etwa zu Margarethe Schütte-Lihotzky,14 die ein aktives Mitglied von Das Neue Frankfurt war. Daneben kooperierte auch Adolf Loos mehrfach mit der Vereinigung.15 Am Bauhaus, das im deutschsprachigen Raum wohl die intensivsten Kontakte mit den sowjetischen Konstruktivisten pflegte, war die Präsenz österreichischer Studierender und Lehrender dagegen gering,16 sodass diese europäisch-sowjetischen Verbindungen nicht zur Vernetzung der österreichischen Architektur ins Ausland dienen konnten. Umgekehrt blieb die Beteiligung erstrangiger internationaler Architekten, die anderswo – so auch bei tschechoslowakischen Projekten – häufig erfolgte,17 in Österreich fast zur Gänze aus. Zwar sollte die Wiener Werkbundsiedlung, die zu Beginn der 1930er Jahre unter der Leitung von Josef Frank entstand, mit ihren Musterhäusern ebenfalls ein breit gefächertes und internationales Repertoire repräsentieren, internationale Größen blieben dem Projekt allerdings fern. Während die Stuttgarter Weißenhofsiedlung, die als Vorbild für die Wiener Werkbundsiedlung diente, ←333 | 334→mit renommierten Namen wie J. L. P. Oud (De Stijl) und Le Corbusier (L’Esprit Nouveau) ein beachtliches internationales (und russisches) Interesse auf sich ziehen konnte,18 wurde das österreichische Pendant, das erst 1933 fertiggestellt wurde, international weitgehend ignoriert.

Josef Frank, der zu den wichtigsten österreichischen Architekten der Zwischenkriegszeit zählte, begründete den damals relativ marginalen Status der österreichischen Kunst selbstkritisch mit einer „nationalen Beschränktheit“, kombiniert mit der fehlenden Offenheit für Innovationen:

Was er [der Wiener, Anm.] seine Kunst nennt, ist ein Zusammenstellen beliebiger Motive, die er einem Vorlagenbuch, das seinesgleichen zusammengestellt hat, entnimmt. Denn was außerhalb seiner Grenze geschieht, will er nicht sehen oder nur mit Augen, die das aussuchen, was er schon kennt, um mit Behagen festzustellen, daß bei ihm zu hause alles am schönsten ist.19

Überdies sei Österreich ein „kleines und armes Land, das stolz ist, wenn überhaupt irgend etwas zustande gebracht wird. Wir leben vom vergangenen Ruhm, den wir nicht müde werden, zu zitieren.“20

Die zahlreichen Reisen westeuropäischer Architekten in die Sowjetunion fanden – sieht man von Schütte-Lihotzky ab, deren Reise in die Sowjetunion zu Beginn der 1930er Jahre ursprünglich als endgültige Emigration beabsichtigt war – ebenfalls fast ausschließlich ohne österreichische Beteiligung statt. Die geringe Mobilität österreichischer Architekten Richtung Osten21 scheint in Anbetracht der engen politischen (ideologischen) Nähe, die zur Emigration ←334 | 335→zahlreicher österreichischer Intellektueller in die Sowjetunion führte,22 doch überraschend. Astrid Gmeiner und Gottfried Pirhofer sehen die Gründe für die vergleichsweise verhaltene Teilhabe23 österreichischer Akteure am internationalen avantgardistischen Diskurs „in der ‚bis zuletzt‘ erfolgreichen Politik der Monarchie, avantgardistische Tendenzen zu dämpfen und zu integrieren, vor allem aber sind sie in den Konsequenzen des verlorenen Kriegs für Österreich und Wien zu suchen“.24

3 Rezeption österreichischer Architektur in der Sowjetunion

Trotz einer auf den ersten Blick relativ geringen internationalen Wahrnehmung nahm Wien bereits früh eine Vorreiterrolle innerhalb des „Neuen Bauens“ ein. Als andernorts die Utopie des leistbaren „Wohnens für Alle“ noch auf programmatischer Ebene verkündet wurde, erfuhr sie in Österreich bereits eine Umsetzung in die Realität. Im sozialdemokratischen Wien war man mit der Konstruktion von kommunalen Wohnbauten, die bereits unmittelbar nach Ende des Krieges einsetzte, vielen utopischen Konzepten der Avantgarde auf praktischer Ebene um einen Schritt voraus. Die Gemeindebauten der 1920er Jahre wiesen eine Vielzahl jener Elemente auf, die in der konstruktivistischen Architektur ebenfalls essentiell wurden. Sie antizipierten somit jene revolutionären Konzepte, die kurze Zeit später in der Sowjetunion von der Avantgarde (teilweise) realisiert wurden. Dass die erste Einbauküche, die sogenannte „Frankfurter Küche“, von der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky entworfen worden ist, mag auch ihrem frühen Umfeld in Österreich geschuldet gewesen sein, wo sie bereits an Projekten zur kommunalen Wohn-Idee teilgehabt hat. Als besonders wichtig für ihre Zeit als Architektin in Wien erweisen sich die Planung von Arbeiterwohnungen und ihre Studien zum Wohnen für sozial Schwache, wobei sie ←335 | 336→sich zu dieser Zeit bereits mit den Möglichkeiten zur Schaffung von Klein- und Kleinstwohnungen befasst hat.25 Damit sah sie gewissermaßen das Konzept der „Wohnung für das Existenzminimum“ vorher, mit dem sich 1929 Architekten aus aller Welt im Rahmen der Congrès Internationaux d’Architecture Moderne (CIAM, 1928–1959) in Frankfurt befassen sollten.26

Einige der ersten städtischen Bauprojekte Wiens, etwa der Matteottihof27 und der Metzleinstalerhof,28 beherbergten auch soziale Einrichtungen wie einen Hort, ein Jugendamt und eine Badeanstalt, was für diese Zeit revolutionär war. Der Breslauer Architekt Alfred Grotte lobte in einem in der Zeitschrift Wasmuths Monatshefte publizierten Beitrag zwar die optimale Raumausnutzung der Gemeindewohnungen, die einen amerikanischen Einfluss erkennen lasse, ahnte jedoch zugleich kritische Stimmen voraus:

Es ist unverkennbar, daß in der ausgezeichneten, bis ins kleinste ausgetüftelten Raumausnutzung, besonders aber auch in der Verwendung eingebauter Typenmöbel amerikanische Vorbilder benutzt wurden. Aber angepaßt den typisch wienerischen Grundrißgestaltungen und Lebensgewohnheiten, die man im Reiche nicht überall verstehen und darum nicht restlos billigen wird.29

Da die Umsetzung der Wiener Sozialbauprojekte verhältnismäßig unspektakulär verlief und zudem weitgehend ohne jenen polemischen künstlerisch-programmatischen Diskurs, der in den Avantgarden geführt wurde, auskam, erhielten die Wiener Gemeindebauten trotz ihres progressiven Anspruchs insgesamt nur relativ wenig internationale Resonanz.30 Ein 1926 in der konstruktivistischen ←336 | 337→Zeitschrift Sovremennaja Architektura erschienener Beitrag zu den „Munizipalbauten in Wien“ ist einer der wenigen Belege für die Rezeption österreichischer Architektur in der frühen Sowjetunion.31 Der Verfasser V. Kališ berichtet darin von einem Vortrag des österreichischen Ingenieurs Hermann Neubacher, der in Moskau am 15. November 1926 auf Einladung der VOKS32 die neuesten Entwicklungen des sozialen Wohnbaus in Wien präsentiert hat. Das Problem der massiven Wohnungsnot stelle sich Neubacher zufolge sowohl in Wien als auch in den sowjetischen Metropolen in ähnlicher Form und solle mit ähnlichen Strategien bekämpft werden. Die Ursachen des nach wie vor evidenten Wohnungsmangels seien vor allem in den Folgen des Krieges und der daraus resultierenden katastrophalen Abwertung der österreichischen Krone zu verorten. Dass in den Jahren unmittelbar nach dem Krieg etwa 30.000 Wohnungen gefehlt haben, habe durch die rege Bautätigkeit der Nachkriegsjahre – allein zwischen 1919 und 1923 sind Neubacher zufolge in Wien 3.500 Wohnungen errichtet worden – dennoch nicht angemessen kompensiert werden können. Schließlich wirft der österreichische Ingenieur die Frage auf, welche Rolle Siedlungsbauten, etwa Gartenstädte, in einer Stadt mit der Größe Wiens in Zukunft einnehmen könnten.33 Gartenstädte (russ. „goroda-sady“) waren ein beliebtes und viel diskutiertes Konzept der sowjetischen Avantgarde, das auch vom ebenfalls im Publikum anwesenden Moskauer Architekten Mozej Ginzburg propagiert wurde.34

Als Resümee betont die Sovremennaja Architektura die Relevanz des Wiener ‚Fünfjahresplans‘, der zwischen 1924 und 1928 den Bau von weiteren 25.000 Wohnungen und somit die Schaffung von Wohnraum für bis zu 120.000 Menschen vorsehe. Die technischen und organisatorischen Leistungen der Wiener Gemeindebauten müssten auch international anerkannt werden,35 so Kališ, der die fehlende Wahrnehmung österreichischer Errungenschaften moniert.

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Im Beitrag werden weder die Funktion noch die Position des Vortragenden genannt, zudem erweist sich die Schreibung des Namens als inkonsistent: Während der Vortragende aus Wien zu Beginn als „Nejdacher“ angeführt ist, wird er später „Neijbacher“ genannt. Tatsächlich handelte es sich um Hermann Neubacher, der seit Beginn der 1920er Jahre als Vorstand der GESIBA36 und seit 1928 als Direktor des von Josef Frank und Josef Hoffmann reorganisierten Werkbundes fungiert. Hier soll nicht unerwähnt bleiben, dass Neubacher zwischen 1938 und 1940 unter den Nationalsozialisten das Wiener Bürgermeisteramt bekleidete und somit nicht unwesentlich an der Delogierung der jüdischen Bevölkerung Wiens beteiligt war: Dies stellt ein viel zu wenig aufgearbeitetes Kapitel der Wiener Stadtgeschichte dar.37

Obwohl das Interesse an der österreichischen Architektur von russisch-konstruktivistischer Seite offenbar nur recht dürftig ausfiel, wurde in der frühen Phase des „Neuen Bauens“ noch ein prägnanter österreichischer Einfluss auf die sowjetische revolutionäre Architektur konstatiert, die zu dieser Zeit außerhalb Russlands noch wenig rezipiert wurde. Die 1925 in Paris durchgeführte Exposition Internationale des Arts décoratifs et Industriels Modernes bot den russischen Konstruktivisten erstmals die Möglichkeit, ihre Arbeit einer breiten ausländischen Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Ausstellungskatalog betont zwar den innovativen Ansatz des russischen Beitrags, verweist jedoch gleichzeitig auf die klar erkennbare Prägung durch westeuropäische Architekten. Neben Le Corbusier, Walter Gropius und André Lurçat wird auch Josef Frank als wichtiges Vorbild für die russische konstruktivistische Architektur angeführt:

[E];lle [l’Union soviétique, VF] présentent une analogie frappante avec les œuvres de Le Corbusier, André Lurçat, Walter Gropius, de Dessau, Frank, de Vienne, artistes pour qui les architeƈtes de la Russie nouvelle ne dissimulent pas leur admiration. Dans un pays ou les idées & les théories sont si puissantes, comment s’étonner de voir triompher le modernisme le plus dépouillé de toute concession aux habitudes anciennes?38

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Die vermeintlich „frappanten Analogien“ – im Beitrag ist gar von „Bewunderung“ („admiration“) die Rede – spiegelten sich jedoch bei der konstruktivistisch ausgerichteten OSA (Ob’edinenie Sovremennych Architektorov), der Vereinigung zeitgenössischer Architekten, als deren Sprachrohr die bereits zuvor erwähnte Zeitschrift Sovremennaja Architektura fungierte, nicht adäquat in der theoretischen Auseinandersetzung wider. Dass eine 1926 in der Zeitschrift veröffentlichte Umfrage zum „flachen Dach“ auch österreichische Architekten als wichtige Vertreter des „Neuen Bauens“ anführte, stellte wie bereits der Beitrag zu den Gemeindebauten eine Ausnahme dar. Josef Frank und Josef Hoffmann, die als leitende Mitglieder des Österreichischen Werkbundes zu den wichtigsten österreichischen Architekten der Zwischenkriegszeit zu zählen sind, scheinen in der Umfrage neben J. L. P. Oud (Rotterdam), Le Corbusier (Paris) sowie den in Berlin tätigen Architekten Bruno Taut, Franz Hoffman, Ludwig Hilbersheimer, Peter Behrens und Erich Mendelsohn als Teilnehmer auf.39 Bei der Befragung handelte es sich allerdings keineswegs – wie sich anhand des Beitrags vermuten ließe – um ein sowjetisches Unterfangen, sondern um eine von Gropius und dem Bauhaus durchgeführte „Rundfrage an deutsche Architekten“ zur technischen Realisierbarkeit von Flachdächern, die in der russischen Zeitschrift ohne Quellenangabe wiedergegeben wurde.40

Die Ergebnisse machen der Sovremennaja Architektura-Redaktion zufolge deutlich, dass den Fragen nach dem Material in Westeuropa ein großer Stellenwert zukomme. Aufgrund der besonderen klimatischen Bedingungen sei die Auswahl des Materials in Russland jedoch besonders sensibel zu treffen. Josef Frank nennt ein von ihm selbst konstruiertes Gebäude als Beispiel für die ←339 | 340→gelungene Umsetzung von Flachdächern, was im Beitrag mit detailreichen Konstruktionsskizzen untermauert wird.41 Sowohl die typografische Gestaltung als auch der Umfang der jeweiligen Antworten machen deutlich, welche Relevanz den jeweiligen Architekten vonseiten der Sovremennaja Architektura zugestanden wurde: Während Josef Hoffmanns Beitrag, der für das Flachdach jedenfalls den Einsatz von Zink empfiehlt, lediglich als kurze Randnotiz erscheint,42 nimmt die Rückmeldung Le Corbusiers mit knapp zwei Seiten mehr Raum als alle anderen ein und wird zudem in einer deutlich größeren Schrift gesetzt.43

Die – in diesem Fall über die Gestaltung transportierte – Zuweisung von Relevanz resp. Marginalität wird von der OSA auch im Rahmen der Ersten Ausstellung der Zeitgenössischen Architektur (russ. Pervaja vystavka sovremennoj architektury) fortgesetzt, die 1927 in Moskau stattgefunden hat und neben der Stuttgarter Schau zur Weißenhofsiedlung zu den wichtigsten internationalen Foren für das „Neue Bauen“ zählt. Während in Moskau Aussteller aus Deutschland, Holland, Polen, Frankreich, Belgien und der Schweiz als wichtigste Vertreter der internationalen konstruktivistischen und funktionalistischen Architektur präsentiert wurden, war kein österreichischer Architekt an der Ausstellung beteiligt.44 Umgekehrt sollte es wiederum in Wien, wo 1926 der Internationale Wohnungs- und Städtebaukongress stattfand, den offiziellen Vorberichten zufolge zumindest planmäßig zu keiner russischen Partizipation kommen.45 Ungeachtet dessen berichtete die Sovremennaja Architektura davon, dass die OSA während des Kongresses Strategien „im Kampf um die Beseitigung der Wohnungsnot, die Schaffung von gesunden und normalen Lebensbedingungen sowie die Stärkung des Neuen Lebens“46 vorgebracht hätte.

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4 Österreichischer Werkbund

Josef Frank vertrat mit dem Werkbund zwar eine der wohl progressivsten Strömungen der österreichischen Zwischenkriegsarchitektur, stand neuen Entwicklungen allerdings eher skeptisch gegenüber. In seiner Eröffnungsrede zum Jahreskongress des Deutschen Werkbundes, der 1930 in Wien stattfand, distanzierte er sich vom avantgardistischen Anspruch an die Architektur, gänzlich mit der Vergangenheit zu brechen. Anstelle von Uniformität müsse sich ein Pluralismus als wichtigstes Charakteristikum des Maschinenzeitalters etablieren. Frank kritisierte die avantgardistische Geringschätzung von Traditionen, denn Modernität zeichne sich seiner Ansicht nach nicht durch die Ablehnung der Vergangenheit, sondern vielmehr durch das umfangreiche Wissen um diese aus.47

Dass Frank nicht die Maschine, sondern den Menschen in den Mittelpunkt seiner Arbeit rückt, stellt einen wichtigen Unterschied zu den stark maschinenfokussierten Konzepten vieler Konstruktivisten dar.48 Der Rückgriff auf Traditionen, den Frank übrigens wenig später selbst kritisiert hat, ist auch ein Charakteristikum der ukrainischen Architektur der 1920er Jahre, die von russischen Konstruktivisten mehrmals wegen der Einbeziehung traditioneller Elemente – etwa des Barock – polemisch attackiert worden ist.49 Die oben beschriebene zurückhaltende Position wird später auch auf praktischer Ebene evident, als Frank für die Planung und Durchführung der Wiener Werkbundsiedlung vornehmlich Architekten engagiert, die der von Gropius und Le ←341 | 342→Corbusier propagierten Neuen Sachlichkeit eher kritisch gegenüberstehen.50 Sowohl Gropius als auch Le Corbusier wiederum sind eng mit den Konzepten der russischen Konstruktivisten und somit der OSA verbunden gewesen.

Mit der Wiener Werkbundsiedlung, einem zwischen 1929 und 1932 realisierten Projekt der GESIBA, entstanden insgesamt 70 individuell geplante und eingerichtete Häuser, die jeweils einen eigenen Prototyp darstellen sollten. Mit Clemens Holzmeister, Adolf Loos und Oskar Strnad waren an der Planung zwar auch einige im Ausland renommierte österreichische Architekten beteiligt,51 im Vergleich zur Stuttgarter Weißenhofsiedlung erschien die internationale Beteiligung jedoch gering.52 Der 1932 von Frank herausgegebene Band Die Internationale Werkbund-Siedlung führt Hugo Häring (Berlin), Arthur Grünberger (Hollywood), André Lurçat (Paris), Richard Neutra (Los Angeles) sowie Grete Schütte-Lihotzky (Wien-Moskau) als ausländische Architekten an. Einige davon – neben Schütte-Lihotzky auch Neutra und Grünberger – hatten aufgrund ihrer Herkunft oder ihres Studiums einen starken Österreich-Bezug, der jedoch lediglich bei Schütte-Lihotzky genannt wurde.53

Zwar zeigen sich auch Analogien, die den österreichischen Werkbund auf konzeptioneller Ebene mit den konstruktivistischen resp. funktionalistischen Ausrichtungen verbinden, etwa in der Ablehnung von Kunsthaftigkeit: „Mit Kunst haben wir nichts zu tun“, vermerkt Josef Frank 1929 im Band Der Österreichische Werkbund.54 Nichtsdestotrotz wird der Konstruktivismus von österreichischer Seite vorwiegend missbilligend kommentiert. Frank beispielsweise stößt sich an dessen Autoreferenzialität, da er „jede Stelle kommentiert und mit Worten verteidigt, während die historisch literarische Produktion wenigstens auf Anschauung reflektierte.“55 Obwohl sich diese Aussage primär auf den deutschen ←342 | 343→Konstruktivismus bezieht, lässt sich die Kritik auch auf dessen russisches Pendant applizieren, das die eigene Strömung gleichfalls ins Zentrum unausgesetzter Diskussionen rückt. Dass der russische Konstruktivismus bei Frank im Weiteren nur kurz erwähnt wird, weltweite Phänomene in China, den USA, Ostasien und Nordafrika dagegen sehr wohl beleuchtet werden, überrascht nicht zuletzt in Anbetracht der starken Verknüpfung von deutschem und russischem Konstruktivismus. Die Wertschätzung für russische Erscheinungen, denen Frank generell nicht viel Interesse entgegenbringt, scheint jedenfalls gering. Frank fasst sie in seinem Buch im Kapitel „Erschütterungen“ wie folgt zusammen:

Oder wird die religiöse Idee des Kommunismus das kunstfeindliche Prinzip so stark verkünden, daß jede Kunst zur Lüge wird? Der Weg der russischen Kunst ist in dem der Gotik, mit ihrer ganzen Sehnsucht nach dem Leben und voll von mystischen Regeln, vorgezeichnet; sie ist eine Kunst, die sich vorläufig wie jeder schwach fundierte Ästhetizismus in Grotesken, Parodien, Übertreibungen und Selbstironie gefällt, sich selbst auf die Stufe des Handwerks herunterdrückt und dann hauptsächlich an ihren Grenzgebieten, wie Theater, Kino und Dekoration, ihre Erfolge hat. Die Adaptierung der Kunst für praktische Werbebelange ist hier ebenso schnell vor sich gegangen wie die der antiken Kunst für christliche Belange. Wir sehen hier auf den Trümmern einer antiken Kultur eine Art Mittelalter, das neue Menschen und neuen Glauben vereinigt; aber wir brauchen es nicht, da wir sein Ende und seine Erlösung kennen.56

Des Weiteren bezeichnet Frank die Betonung des Modern-Formalen als „immer dort, wo sie betont als Zweck auftritt, verdächtig“.57 Den Anspruch an die Architektur, allein dem Bedürfnis zu dienen und nicht der Repräsentation, lehnt Frank ab: Begriffe wie „Gebrauchswohnung“ und „Zweckmöbel“ würden, „jede Forderung für Zweck und Gebrauch verleiden“.58 Funktionalismus, Konstruktivismus und Elementarismus seien allein deshalb aufgekommen, um „neue Arten der Dekoration zu betreiben, die sich heute nicht mehr mit dem Schmuck des fertigen Gegenstandes befassen, sondern alles ergreifen, vom Grundriß bis zur Orthografie“.59

Frank sieht den modernen Stil insofern als gescheitert an, als er von seiner Zielgruppe, der untersten Klasse, nicht begrüßt werde:

Die Architektur ist heute das Symbol sozialen Kampfes und Machtbesitzes und war dies zweifellos zu jeder Zeit. […] Der neue Stil ist aber auch ein Beruhigungsmittel für das ←343 | 344→Proletariat, ihm scheinbar als Geschenk dargebracht, samt dem Willen, sich anzugleichen. Dieses Geschenk wird aber abgelehnt.60

Während deutsche Architekten wie Ernst May, der ebenso wie Frank als Mitinitiator der CIAM fungierte, 1930 mit der sogenannten Brigade May in die Sowjetunion reisten, um im Auftrag der Behörden monumentale Bauprojekte zu realisieren, begab Frank sich im Zuge kleinerer Vortragsreisen lediglich in die österreichischen Bundesländer und ins angrenzende Ausland. Ähnlich wie die Rote Bauhausbrigade, der Mitglieder des Bauhauses rund um dessen ehemaligen Direktor Hannes Meyer angehörten, setzte sich Mays Brigade aus Mitgliedern von Das Neue Frankfurt zusammen, zu denen mit Margarete Schütte-Lihotzky auch eine österreichische Architektin zählte.61

5 Richard Neutra, Wie baut Amerika?

Während vielen in Österreich verbliebenen Architekten die internationale Anerkennung weitgehend verwehrt blieb, konnten sich andere in der Emigration sehr gut etablieren. Neben Schütte-Lihotzky, die in Frankfurt und Moskau zu den wichtigsten europäischen Architekten zählte, war auch Richard Neutra im Ausland erfolgreich: Neutra war 1923 in die USA übersiedelt, sodass er in der Sowjetunion nunmehr als amerikanischer Architekt rezipiert wurde. Seine umfangreich bebilderte Publikation Wie baut Amerika? wurde sowohl in Russland als auch in der Sowjetukraine vergleichsweise breit rezipiert. Mit Kak stroit Amerika? erschien 1929 eine russische Ausgabe des Bandes im Moskauer Verlag Makiz.62 Da diese in den (mir bekannten) Bibliografien zu Neutra ausnahmslos nicht in der Liste seiner Publikationen aufscheint, dürfte deren Existenz zumindest außerhalb des russischen Sprachraums wohl in Vergessenheit geraten sein. Neben Russland, wo bereits 1927 eine Rezension zur deutschen Ausgabe ←344 | 345→publiziert worden war,63 wurde die Studie auch in der ukrainischen Avantgarde-Zeitschrift Nova Generacija (dt. Die Neue Generation) vorgestellt, wiewohl Neutra auch darin als Architekt aus Los Angeles präsentiert wurde. Neutras Analyse der Aufgaben der zeitgenössischen Architektur, die auch eine Bezugnahme auf Technik und Material enthält, wurde in der Ukraine mit großem Interesse verfolgt. Neutra nehme, so die Redaktion von Nova Generacija, im Kontext der modernen Architektur eine zentrale Rolle innerhalb der damals aktuellen amerikanischen Baukunst ein. Ein österreichischer Kontext – Neutra war nicht nur ein ehemaliger Schüler von Adolf Loos, sondern auch stark durch Otto Wagner beeinflusst – scheint, ungeachtet des Verlagsortes Wien, nicht auf.64 Obwohl die ukrainischen Avantgarde-Künstler in der Zwischenkriegszeit aufgrund ihrer Lage an der sowjetischen Peripherie ein ähnliches Schicksal erfuhren, wie viele Vertreter der österreichischen Kunst – das heißt international wenig bis gar nicht registriert wurden65 – und zudem im Rückgriff auf eigene Traditionen auch auf konzeptioneller Ebene eine prägnante Analogie zu österreichischen Konzepten aufwiesen, bestand bei ukrainischen Avantgarde-Gruppierungen kein gesondertes Interesse an einer Auseinandersetzung mit der österreichischen Kunst.66 Dass die ukrainische Rezension zu Neutras Buch erst nach Erscheinen der Neuauflage von 1930 – und nicht wie in Russland bereits zur Erstausgabe 1927 – erschien, scheint dies zu belegen; möglicherweise wurde die ukrainische Rezension zudem erst vom Erscheinen der russischen Ausgabe motiviert.

Nur drei Jahre nach der deutschen Erstausgabe von Wie baut Amerika? folgte eine zweite Auflage, die nun in Joseph Gantners67 Reihe „Neues Bauen in der ←345 | 346→Welt“ im Wiener Verlag Anton Schroll herausgegeben wurde. In der international stark rezipierten Reihe erschienen des Weiteren Ėl’ Lisickijs Rußland. Die Rekonstruktion der Architektur in der Sowjetunion, ein Buch über die zeitgenössische Architektur in Frankreich, ein Jubiläumsband anlässlich des 60. Geburtstages von Adolf Loos sowie die offizielle Publikation zur Wiener Werkbundsiedlung. Abgesehen vom Erscheinungsort weisen die meisten dieser Bände jedoch keinen Österreichbezug auf.

Neutra sollte insgesamt der einzige Architekt österreichischer Provenienz bleiben, der in der Sowjetunion eine breitere Rezeption erfuhr, wiewohl fast ausschließlich mit seinem amerikanischen Werk. Der von David Arkin 1932 herausgegebene Band Zeitgenössische Architektur des Westens (russ. Architektura sovremennogo zapada) stellte eine der letzten sowjetischen Auseinandersetzungen mit dem westeuropäischen Konstruktivismus dar, bevor noch im selben Jahr die Aktivitäten der sowjetischen Avantgarde endgültig unterbunden wurden. Arkins Band setzt sich ausführlich mit dem Werk von Le Corbusier, Gropius, Frank Lloyd Wright, Hilbersheimer, May, Oud, Taut und anderen westeuropäischen Architekten auseinander und enthält auch ein eigenes Kapitel zu Richard Neutra. Ein von Neutra verfasster vierseitiger Beitrag ist aus dessen Wie baut Amerika? entnommen und präsentiert unter dem Titel Einige Besonderheiten der amerikanischen Architektur (russ. Nekotorye osobennosti amerikanskoj architektury) Bauten und Projekte aus New York, Chicago und Los Angeles.68 Der Herausgeber betont den Einfluss des amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright, mit dem Neutra eng zusammengearbeitet hat, lässt allerdings die ebenso wichtige Prägung durch die österreichische Architektur unerwähnt. In der Analyse der Ursprünge des „Neuen Bauens“ bezieht sich Arkin sehr wohl auf die österreichische Architektur, betrachtet diese jedoch mit großer Skepsis: Adolf Loos und Otto Wagner werden zwar als wichtige Wegbereiter des „Neuen Bauens“ anerkannt, ihr Stil jedoch aufgrund seines imperialistischen Impetus diskreditiert.69

6 Resümee

Obwohl in der Zwischenkriegszeit eine relativ rege Vernetzung österreichischer Architekten mit Deutschland und den USA bestand, lassen sich nach ←346 | 347→Russland kaum nennenswerte Verbindungen verfolgen. Im Hinblick auf die Rezeption russischer konstruktivistischer Erscheinungen blieb man auf österreichischer Seite eher reserviert, wofür Josef Frank ein wichtiges Beispiel darstellt. Umgekehrt war auch das sowjetische Interesse an der österreichischen zeitgenössischen Architektur nur marginal. Abgesehen von der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky, die als Mitglied der Brigade May vorübergehend in die Sowjetunion emigrierte, waren keine weiteren aus Österreich stammenden Architekten federführend in Bauprojekte der sowjetischen Avantgarde involviert. Richard Neutra wurde als einziger österreichischer Architekt umfassend in der Sowjetunion publiziert und diskutiert, dabei jedoch nahezu ausschließlich als Vertreter des amerikanischen Bauens rezipiert.


1 Die (rhetorische) Trennung Europas in „Ost-“ und „Westeuropa“ war in der Zwischenkriegszeit in Kunst und Literatur stark präsent.

2 Und dies, obwohl es mehrere Großereignisse gab, die sehr wohl für eine zumindest teilweise Integration Wiens in das Netzwerk der Avantgarden sorgten. Hier sei der „Internationale Wohnungs- und Städtebaukongress“ (1926) ebenso erwähnt wie der „Jahreskongress des deutschen Werkbundes“ (1930) oder die Internationale Theaterausstellung neuer Theatertechnik (1924); zur Bedeutung der Theaterausstellung für die Ausstrahlung der österreichischen Avantgarde vgl. Arturo Larcati: Zur Rezeption des italienischen Futurismus in Wien während der 1920er und 1930er Jahre. In: Primus-Heinz Kucher (Hg.): Verdrängte Moderne – vergessene Avantgarde. Diskurskonstellationen zwischen Literatur, Theater, Kunst und Musik in Österreich 1918–1938. Göttingen: V&R Unipress 2016, S. 95–115, bs. S. 100–106.

3 Vgl. Piet Mondrian: Muß Malerei der Architektur gegenüber als minderwertig gelten? In: Wolfgang Asholt/Walter Fähnders (Hgg.): Manifeste und Proklamationen der europäischen Avantgarde (1909–1938). Stuttgart–Weimar: Metzler 2005, S. 308.

4 Ab Mitte der 1920er Jahre war die Avantgarde sowohl in Ost als auch in West mit zunehmenden Einschränkungen konfrontiert: Das Bauhaus sah sich 1925 aufgrund politischer Schikanen zu einer Übersiedlung von Weimar nach Dessau gezwungen und musste 1932, zu dieser Zeit bereits in Berlin, endgültig schließen. Viele deutsche Architekten, darunter auch Ernst May und Bruno Taut, emigrierten in den 1930er Jahren (meist vorübergehend) in die Sowjetunion; zur Geschichte des Bauhauses vgl. den Eintrag im Bauhaus-Archiv u.d.T. „1919–1933“. Online unter: http://www.bauhaus.de/de/das_bauhaus/48_1919_1933/ (letzter Zugriff: 5. Juli2016). In der Sowjetunion war das Ende der Avantgarde wesentlich mit der Machtübernahme Stalins verbunden, 1932 folgte schließlich mit einem Erlass des Zentral-Komitees nicht nur die Auflösung aller Künstlervereinigungen, sondern auch das Ende der Avantgarde (vgl. Boris Groys: Gesamtkunstwerk Stalin. Die gespaltene Kultur der Sowjetunion. Aus dem Russischen von Gabriele Leupold. München: Carl Hanser 1996, S. 39).

5 Die vielfach geäußerte Kritik an den Avantgarden zielt, auch bei Bürger, auf die mangelnde Überführung der Kunst in die Lebenspraxis ab, die als primäre Ursache für das Scheitern des Projekts Avantgarde gesehen wird (vgl. Peter Bürger: Theorie der Avantgarde. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1974, S. 78).

6 Der Österreichische Werkbund formierte sich 1912 als Künstler- und Architektenvereinigung, die den Fokus auf die Synthese von bildender Kunst, Architektur und Handwerk legte. Zum Österreichischen Werkbund vgl. z.B. Marlene Ott-Wodni: Josef Frank 1885–1967: Raumgestaltung und Möbeldesign. Wien u.a.: Böhlau 2015, S. 94ff.

7 1927 folgte eine zweite, durch neue Abbildungen ergänzte Ausgabe, auf die im Folgenden Bezug genommen wird: Walter Gropius (Hg.): Internationale Architektur. Zweite veränderte Auflage. München: Albert Langen 1927 (= Bauhausbücher, Bd. 1).

8 Mit Jaromír Krejcar, Jaroslav Fragner und Vít Obrtel scheinen z.B. mehrere Mitglieder der Gruppe Devětsil auf. Der tschechoslowakische Konstruktivismus war generell sehr gut international vernetzt, sodass die russische „Vereinigung zeitgenössischer Architekten“ (OSA) eine ihrer Ausstellungen auch in Prag – neben Brüssel und New York – organisierte (vgl. K. Paul Zygas: OSA’s 1927 Exhibition of Contemporary Architecture: Russia and the West Meet in Moscow. In: Gail Harrison Roman/Virginia Hagelstein Marquardt (Hgg.): The Avant-Garde Frontier. Russia Meets the West, 1910–1930. Gainesville: University of Florida Press 1992, S. 102–142, hier S. 104).

9 Vgl. Adolf Loos: Modell zu einem Wohnhaus. 1924 (Abbildung). In: Gropius, Internationale Architektur, S. 64.

10 Vgl. Richard Neutra: Geschäftshaus. 1925 (Abbildung). In: ebd., S. 51. Neutra lebte zu dieser Zeit bereits in den USA.

11 Anlässlich des 60. Geburtstags von Loos beklagt auch Das Neue Frankfurt dessen mangelnde internationale Präsenz: „Warum hat Loos 1927 auf der Weißenhof-Siedlung in Stuttgart gefehlt? Warum 1929 in Breslau und 1930 in Karlsruhe? Warum fehlt sein Name in der großen Prager Werkbundsiedlung 1931 […]?“ (Josef Gantner: Adolf Loos. In: Das Neue Frankfurt, Nr. 1/1931, S. 2–8, zit. S. 7.)

12 Dies stellt eine spannende Analogie zur Sowjetukraine dar, deren Architektur vonseiten der russischen Konstruktivisten aufgrund ihrer Traditionsverbundenheit ebenfalls als rückständig und provinziell gering geschätzt wurde.

13 Die in Berlin herausgegebene Zeitschrift Die Baugilde firmierte längere Zeit als gemeinsame „Zeitschrift des Bundes Deutscher Architekten B.D.A. und der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs“.

14 Schütte-Lihotzky war neben Ernst May das prominenteste und wichtigste Mitglied der Vereinigung (vgl. Charles S. Chiu: Women in the Shadows. Mileva Einstein-Marić, Margarete Jeanne Trakl, Lise Meitner, Milena Jesenská, and Margarete Schütte-Lihotzky. Introduction and Translation by Edit Borchardt. New York u.a.: Peter Lang 2008 (= Austrian Culture, Vol. 40), S. 182).

15 Die österreichischen Verbindungen zum „Neuen Frankfurt“ lassen sich an der regen Vortragstätigkeit österreichischer Konstrukteure und Architekten ebenso ablesen wie an den zahlreichen Kooperationen und gemeinsamen Ausstellungen, zu der etwa eine in mehreren deutschen Städten gezeigte Schau anlässlich des 60. Geburtstages von Adolf Loos zählt. Loos schien überdies des Öfteren als Beiträger der gleichnamigen Zeitschrift Das Neue Frankfurt auf (vgl. z.B. Red.: Unsere Ausstellungen. In: Das Neue Frankfurt, Nr. 6/1931, S. 113f.).

16 Franz Singer und Friedl Dicker, die beide aus Wien stammten, blieben die einzigen österreichischen Studierenden der Architektur-Klasse am Bauhaus.

17 Hier sei etwa die von Ludwig Mies van der Rohe entworfene Villa Tugendhat in Brno/Brünn genannt.

18 In der Sovremennaja Architektura erschien mindestens ein umfangreicher Beitrag zur Weißenhof-Siedlung: Lege: Die Wohnung (žil’e). Vystavka v Štuttgarte [Die Wohnung (Wohnung). Ausstellung in Stuttgart]. In: Sovremennaja Architektura, Nr. 1/1927, S. 44.

19 Josef Frank: Architektur als Symbol. Elemente deutschen neuen Bauens. Wien: Anton Schroll 1931, S. 141. Eine ähnliche Sicht ausländischer Kritiker auf die österreichische Kunst der Zwischenkriegszeit wird mehrfach deutlich, so auch aus einem im Querschnitt publizierten (deutlich abwertenden) Kommentar zum österreichischen Beitrag bei der Ausstellung „Pressa“ in Köln (1928): „Oesterreich blickt ausgiebig in seine Vergangenheit zurück“ (L.S.E.: Streifzug durch die Pressa. In: Der Querschnitt, Nr. 8/1928, S. 571–574, zit. S. 572).

20 Josef Frank: Gespräch über den Werkbund. In: ders. (Hg.): Österreichischer Werkbund. Wien: Verlag des Österreichischen Werkbundes 1929, S. 3–16, zit. S. 4.

21 Wiewohl mehrere österreichische Architekten in die USA emigrierten: Richard Neutra, der 1923 übersiedelte und in den USA u.a. mit Frank Lloyd Wright zusammenarbeitete, stellt hierfür wohl das prominenteste Beispiel dar.

22 Hier sei auf Otto Neurath verwiesen, der 1931 in die Sowjetunion eingeladen wurde, um das sowjetische Institut für Bildstatistik („IZOSTAT“) zu gründen. Neurath stand in Moskau in engem Kontakt mit ausländischen Architekten und nahm dort, wie aus seiner Korrespondenz mit Bruno Taut hervorgeht, auch an Versammlungen des russischen Architektenverbandes teil (vgl. Bruno Taut an Franz Hoffmann (27.11.1932). In: Barbara Kreis (Hg.): Bruno Taut. Moskauer Briefe 1932–1933. Schönheit, Sachlichkeit und Sozialismus. Berlin: Gebr. Mann 2006, S. 300–308, hier S. 301).

23 Womit ausdrücklich nicht gemeint ist, dass keine künstlerischen Aktivitäten existierten.

24 Astrid Gmeiner/Gottfried Pirhofer (Hgg.): Der Österreichische Werkbund. Alternative zur klassischen Moderne in Architektur, Raum- und Produktgestaltung. Salzburg–Wien: Residenz-Verlag 1985, S. 51.

25 Vgl. Christine Zwingl: Grete Lihotzky, Architektin in Wien, 1920–1926. In: Doris Ingrisch, Ilse Korotin, Charlotte Zwiauer (Hgg.): Die Revolutionierung des Alltags. Zur intellektuellen Kultur von Frauen im Wien der Zwischenkriegszeit. Frankfurt a.M. u.a.: Peter Lang 2004, S. 243–252.

26 Zur Idee der Tagung vgl. z.B. Ernst May: Die Wohnung für das Existenzminimum. In: Das Neue Frankfurt, Nr. 11/1929, S. 209–217.

27 Für die Planung zeichneten Heinrich Schmid und Hermann Aichinger verantwortlich.

28 Der Metzleinstalerhof am Wiener Margaretengürtel entstand in mehreren Bauphasen ab 1919 und zählt zu den ersten von der Gemeinde Wien erbauten städtischen Wohnhausanlagen. Für die Planung zeichnete u.a. Hubert Gessner verantwortlich.

29 Alfred Grotte: Wiener Kleinwohnungstypen von 27 bis 66 qm. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, Nr. 37/1926, S. 425–427, zit. S. 425.

30 Dass es jedoch sehr wohl zu einer, wenngleich marginalen, Rezeption kam, zeigt ein vierseitiger Beitrag, der 1926 in der französischen Kunstzeitschrift Cahiers d’Art erschien und sich zwar weniger mit Text, doch ausführlich mit Bildmaterial den „Maisons ouvrières a Vienne“, den Arbeiterwohnungen in Wien, widmete und Gemeindebauten von Josef Frank, Peter Behrens, Oskar Strnad und Josef Hoffmann präsentierte (vgl. Cahiers d’Art, Nr. 6/1926, S. 132–135).

31 Vgl. V.G. Kališ: Municial’noe stroitel’stvo Veny. Munizipalbauten in Wien. In: Sovremennaja Architektura, Nr. 5–6/1926, S. 135. Dem internationalistischen Anspruch der Zeitschrift entsprechend hielt der Beitrag auch einen deutschen Titel bereit.

32 VOKS: „Vsesojuznoe Obščestvo kul’turnoj svjazy s zagranicej“ (dt. „All-Unions-Gesellschaft für die kulturellen Beziehungen mit dem Ausland“).

33 Vgl. V.G. Kališ: Municial’noe stroitel’stvo Veny. Munizipalbauten in Wien. In: Sovremennaja Architektura, Nr. 5–6/1926, S. 135.

34 Vgl. z.B. M.O. Baršč/Moizej Ginzburg: Zelenyj gorod. In: Sovremennaja Architektura, Nr. 1–2/1930, S. 20–37.

35 Vgl. V.G. Kališ: Municial’noe stroitel’stvo Veny. Munizipalbauten in Wien. In: Sovremennaja Architektura, Nr. 5–6/1926, S. 135.

36 Die GESIBA (Gemeinwirtschaftliche Siedlungs- und Baustoffanstalt) war maßgeblich an der Entstehung der frühen Wiener Gemeindebauten beteiligt.

37 Neubacher trat bereits 1933 der NSDAP bei und wurde später auch deren illegaler Parteiführer; vgl. den biografischen Aufriss unter: http://www.werkbundsiedlung-wien.at/de/biografien/hermann-neubacher-1/ (letzter Zugriff: 15.6.2016).

38 Impr. nationale (Hg.): Ausstellungs-Katalog: Encyclopédie des Arts Decoratifs et Industriels Modernes au XXéme Siecle. Vol. 2. New York–London: Garland Publishing 1977 [Faksimile-Nachdruck], S. 77.

39 Vgl. D. Markov: Anketa. O ploskoj kryše [Umfrage. Zum flachen Dach]. In: Sovremennaja Architektura, Nr. 4/1926, S. 98–103, hier S. 98. Walter Gropius, ein wichtiger Proponent des Flachdaches, scheint in der Umfrage deshalb nicht auf, da er diese selbst initiiert hatte.

40 Gropius führte die Umfrage in seiner Funktion als Direktor des Bauhauses durch. Die Ergebnisse wurden erstmals 1926 in der Zeitschrift Bauwelt publiziert. Österreichische Architekten sind im Original übrigens prominent an erster Stelle der ausländischen Rückmeldungen angeführt, während die Antworten der holländischen (z.B. J.J.P. Oud) sowie französischen (Le Corbusier) Teilnehmer erst später folgten und auch weniger umfangreich ausfielen; vgl. Walter Gropius: Das flache Dach: internationale Umfrage über die technische Durchführbarkeit horizontal abgedeckter Dächer und Balkone. In: Bauwelt, Nr. 8/1926, S. 162–198, Nr. 9/1926, S. 223–227, Nr. 14/1926, S. 322–324, Nr. 16/1926, S. 361f. Der russische Text gibt die Ergebnisse des Bauhauses übrigens weitgehend identisch wieder, ohne dies mit einer Quelle zu belegen.

41 Vgl. D. Markov: Anketa. O ploskoj kryše [Umfrage. Zum flachen Dach]. In: Sovremennaja Architektura, Nr. 4/1926, S. 98–103, zit. S. 101.

42 Vgl. ebd., S. 100.

43 Vgl. ebd., S. 102f.

44 Für einen vollständigen Überblick über die Aussteller vgl. Zygas, OSA’s 1927 Exhibition, S. 102.

45 Die Teilnehmer setzten sich eher aus Funktionsträgern als aus Ingenieuren bzw. Architekten zusammen (vgl. Internationaler Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung (Hg.): Internationaler Wohnungs- und Städtebaukongress. Wien 1926. Vorberichte 1. Wien: Vorwärts 1926).

46 Im russischen Original: „в борьбе за изжитие жилищной нужды, создание здоровых нормальных словий жизни и укрепление нового быта.“ (Goergij Vegman: Ukrupnennoe žil’e/Vergrösserte Wohnungen. In: Sovremennaja Architektura Nr. 1/1927, S. 12–19, zit. S. 14).

47 Vgl. Christopher Long: Josef Frank. Life and Work. Chicago–London: The University of Chicago Press 2002, S. xviii.

48 Vgl. Wilfried Posch: Josef Frank. In: Friedrich Stadler (Hg.): Vertriebene Vernunft. Emigration und Exil österreichischer Wissenschaft 1930–1940. Bd. 2, Teilbd. 2. Unveränderte Neuauflage. Münster: Lit-Verlag 2004, S. 645–658, zit. S. 65.

49 Mit der ukrainischen Wiederbelebung des Barocks würde, so die Kritik, auf eine längst vergangene Epoche zurückgegriffen: „Die nationalistische ukrainische Intelligenzija hat die Losungen der Wiedergeburt der ‚nationalen Kultur‘ sowie der ‚nationalen Architektur‘ in die Diskussion geschleudert – die Wiederbelebung des ukrainischen Barocks, eines Stils aus den Zeiten des Kosakenstaates und des Hetmanats.“ (Im russischen Original: „Националистическая украинская интеллигенция выбросила на этой дискуссии лозунг возрождения ‚национальной культуры‘, ‚национальной архитектуры‘ – возрождения украинского барокко, стиля времен казатчины и гетманщины.“) (Aleksandr Vesnin/Moizej Ginzburg: Chronika vuzov/Chronik der Arbeit in Hochschulen USSR [sic]: Architekturnaja Žizn’ Ukrainy/Die Baukunst in Ukraina [sic]. In: Sovremennaja Architektura, Nr. 3/1927, S. 109).

50 Vgl. Margarethe Engelhardt-Krajanek: Der Werkbundgedanke und seine Verbindung zum Wiener Kreis am Beispiel Josef Frank. In: Volker Thurm-Nemeth (Hg.): Konstruktion zwischen Werkbund und Bauhaus. Wissenschaft – Architektur – Wiener Kreis. Wien: Hölder-Pichler-Tempsky 1998 (= Wissenschaftliche Weltauffassung und Kunst, Bd. 4), S. 79–122, hier S. 114.

51 Vgl. GESIBA (Hg.): GESIBA, eine Wohnbauphilosophie. Wien: GESIBA o.J.

52 Hier sei angemerkt, dass die Wiener Werkbundsiedlung sowohl im Hinblick auf die involvierten Planer als auch die entstandenen Gebäude eine deutlich höhere Anzahl aufwies als die Stuttgarter Weißenhofsiedlung.

53 Vgl. Josef Frank (Hg.): Die Internationale Werkbundsiedlung. Wien 1932. Wien: Anton Schroll & Co 1932, S. 5f.

54 Vgl. ders.: Gespräch über den Werkbund. In: ders., Österreichischer Werkbund, S. 3–16, zit. S. 12.

55 Ders., Architektur als Symbol, S. 118f.

56 Ebd., S. 186f.

57 Ebd., S. 115.

58 Ebd., S. 129.

59 Ebd.

60 Ebd., S. 115.

61 Zum Aufbruch der Brigade Richtung Sowjetunion vgl. Margarete Schütte-Lihotzky: Erinnerungen aus dem Widerstand, 1938–1945. Hg. v. Chup Friemert. Hamburg: Konkret Literatur Verlag 1985, S. 26ff.

62 Vgl. Richard Nejtra: Kak stroit Amerika? Moskva: Makiz 1929. Auf diesen Band, der mir jedoch leider nicht vorliegt, verweist David Arkin in seiner Studie zur zeitgenössischen Architektur des Westens, gibt dabei jedoch fälschlicherweise 1930 als Erscheinungsjahr an (vgl. David Arkin (Hg.): Architektura sovremennoj zapada [Architektur des zeitgenössischen Westens]. Mit einem Vorwort von A. Šusev. Ins Russische übertragen von L. Olisova. Moskva: Izogiz 1932, S. 186).

63 Vgl. Red.: Kak strojat v Amerike? [Wie baut man in Amerika?] – Wie baut Amerika? In: Sovremennaja Architektura, Nr. 3/1927, S. 86f.

64 Vgl. S.M.: Nove budivnyctvo v „sviti“ [Neues Bauen in der „Welt“]. In: Nova Generacija, Nr. 9/1930, S. 69f.

65 Tatsächlich kommt es in westeuropäischen Medien zu fast keinen Erwähnungen ukrainischer künstlerischer Erscheinungen, wobei die Architektur noch jenen Bereich darstellt, der am meisten rezipiert wurde. Exemplarisch seien hier das Charkiwer Deržprom-Gebäude sowie das Staatstheater in Charkiw angeführt, das etwa in Wasmuths Monatsheften erwähnt wurde (vgl. Alexander Dmitriew: Zeitgenössische Bestrebungen in der russischen Baukunst. In: Wasmuths Monatshefte für Baukunst, Nr. 8/1926, S. 331–339, hier S. 335).

66 Die Präsentation von Neutras Band stellte eine singuläre Bezugnahme auf österreichische künstlerische Entwicklungen dar.

67 Der Schweizer Kunsthistoriker Joseph Gantner war als Redakteur an der Zeitschrift Das Neue Frankfurt beteiligt, deren Leitung er nach Mays Emigration zur Gänze übernahm.

68 Vgl. Richard Nejtra [Richard Neutra]: Nekotorye osobennosti amerikanskoj architektury [Einige Besonderheiten der amerikanischen Architektur]. Ins Russische übersetzt von E.B. Ėjchengol’c. In: Arkin, Architektura sovremennoj zapada, S. 118–125.

69 Vgl. Arkin, Architektura sovremennoj zapada, S. 40.